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Noch 500 Tage gefährlicher, atommüllmachender AKW-Betrieb in Gundremmingen

Erst am 31. Dezember 2021 soll der Block C in Gundremmingen endgültig abgeschaltet werden. Wenn nicht vorher was passiert, sind dies mit dem 19. August 2020 noch 500 Tage.

Von Raimund Kamm

Das AKW Gundremmingen war mit den zwei Siedewasserreaktoren Block B und C, die im Unterschied zu den üblichen Druckwasserreaktoren nur einen Hauptkreislauf haben, Deutschlands größtes und gefährlichstes Atomkraftwerk. Bereits 1977 war der Block A durch einen Unfall mit Totalschaden außer Betrieb gesetzt worden. Die Abwrackarbeiten dauern an. Block B wurde am 31.12.2017 endgültig abgeschaltet. Sowohl für Block A wie für Block B und Block C ist die Atommüllbeseitigung ungeklärt.

Betrieb ist riskant

Nach Stellungnahmen sowohl des ehemaligen Leiters der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium Wolfgang Renneberg wie des ehemaligen Mitarbeiters der staatlichen GRS (Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit) Professor Dr. Manfred Mertins verstößt der Block C in Gundremmingen gegen die gesetzlichen Sicherheitsvorschriften, da die Notkühlsysteme nicht ausreichend abgesichert sind. So könnte in einem Notfall, der im bisherigen Betrieb noch nicht eingetreten ist, die Notkühlung versagen. Die für die AKW-Aufsicht zuständigen Bayerischen Umweltminister haben seit Bekanntwerden dieses Mangels nichts getan.

AKW-Betrieb führt zu mehr Kinderkrebsfällen

In einer großen epidemiologischen Kinderkrebsstudie für das Bundesamt für Strahlenschutz wurde im Jahr 2007 festgestellt, dass in den Landkreisen und Nachbarlandkreisen von Kernkraftwerken die Zahl der Krebserkrankungen von Kleinkindern signifikant erhöht ist. Dass es insgesamt aber nicht sehr viele zusätzliche Krebsfälle pro Jahr sind.

Das Atommüllproblem ist ungelöst

An jedem Betriebstag werden durch das Spalten von Uran und Plutonium im Block C rund 70 Kilogramm hochradioaktiver Atommüll erzeugt. Dabei entsteht eine ungeheure Strahlung. Bis in die 1990er Jahre wurden Teile des Atommülls nach La Hague in Frankreich und Sellafield in England gebracht, um dort Plutonium abzutrennen. Dies wurde zur Bürgertäuschung als "Entsorgung" bezeichnet. In Wirklichkeit muss dieser Atommüll zum Abklingen seiner tödlichen Strahlung in einem Endlager für über 1 Million Jahre sicher eingeschlossen werden. Bisher ist jede Bundesregierung daran gescheitert, ein Endlager in Deutschland zu errichten. Jetzt soll am 30. September veröffentlicht werden, wo in Deutschland Regionen sind, die geologisch für eine Endlagersuche geeignet erscheinen.

Für unabsehbare Zeit lagert die Region Gundremmingen Deutschlands meisten Atommüll. Nirgendwo sonst ist, wenn man die Radioaktivität als Maßstab nimmt, soviel Atommüll in unserem Land deponiert wie in dem zwischen Ulm und Augsburg gelegenen Gundremmingen.

Die Ausbaubremsen lösen

Zugleich haben die Bundesregierung wie insbesondere die Bayerische Staatsregierung den Aufbau "alternativer Energien" ausgebremst. Ein konsequenter Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen in Verbindung mit Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft sowie Lastmanagement, Netzumbau und Speicheraufbau kann Deutschland eine 100-prozentige Versorgung mit Strom aus Erneuerbarer Energie verschaffen. Seit etwa einem Jahr macht die stromverbrauchende Industrie immer mehr Druck, die Ausbaubremsen bei Photovoltaik und Windkraft zu lösen.

Unsere Bürgerinitiative, die mit rund 800 Mitgliedern seit über zwei Jahrzehnten gegen die gefährliche Atommüllerzeugung wie -lagerung und für eine verantwortbare Energiepolitik streitet, fordert weiter eine schnellstmögliche Abschaltung des Block C in Gundremmingen. Und wir vertreten, dass in Deutschland am bestgeeigneten Ort ein Endlager für den hochradioaktiven Atommüll gebaut werden soll.

Quelle:  FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. - Pressemitteilung vom 17.08.2020.

Veröffentlicht am

19. August 2020

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