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Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Von Hans-Josef Fell

Die Corona-Pandemie hat in Deutschland und weltweit zu einem massiven wirtschaftlichen Einbruch geführt, dessen Auswirkungen wir in seiner ganzen Dimension sicherlich noch nicht überblicken können. Überall schnüren Regierungen milliardenschwere Wirtschaftspakete, um die auftretende oder drohende Wirtschaftskrise abzuwenden oder zumindest abzufedern.

Bereits Ende Mai hatte ein historisch einmaliger Zusammenschluss von 350 Gesundheitsorganisationen weltweit, der 40 Millionen Beschäftigte aus dem Gesundheitssektor - Ärzt*innen, Therapeut*innen, Pflegende - vertritt, dazu aufgefordert , diese massiven Wirtschaftsförderungen der kommenden Monate so auszurichten, dass Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen . Das gelte vor allem für die Schlüsselsektoren Gesundheitswesen, Verkehr, Energie und Landwirtschaft.

Es handelt sich hierbei um die bislang größte Initiative des globalen Gesundheitswesens. Unterzeichnet haben Aufruf unter anderem der Weltärztebund, der Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger (ICN) und der Weltverband der Public Health Gesellschaften (WFPHA), Unterstützung kam zusätzlich unter anderem von der Global Climate and Health Alliance und der WHO.

In ihrem Appell an die Staatschefs der G20-Staaten fordert das Bündnis, dass alle Maßnahmen sich am gesundheitlichen Wohl der Menschen und der "planetaren Gesundheit" ausrichten müssen: "Ein wirklich gesunder Weg aus der Krise lässt nicht zu, dass die Luft, die wir atmen, und das Wasser, das wir trinken, weiterhin verschmutzt werden. Ein solcher Weg darf die Klimakrise und Abholzung der Wälder nicht weiter voranschreiten lassen." Die Verfasser*innen stellen klar, dass es einen unwiederbringlichen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Erde und jedes einzelnen gibt, denn sauberes Wasser, saubere Luft und das Aufhalten der globalen Erhitzung sind essentiell für uns alle.

Doch die bisher geschnürten Krisenpakete dienen meist dem Erhalt des Status quo. Auch in Deutschland hat die Regierung die Coronahilfen eben nicht am Gesundheits- und Klimaschutz ausgerichtet, sondern im Wesentlichen am Erhalt einer Wirtschaftsweise, die unseren Planeten, unsere Gesundheit und unsere Gesundheitssysteme seit Jahrzehnten schwer belasten und noch lange belasten werden. Rechtzeitige Vorsorge und Investitionen hätten hier einiges verhindern können, schreiben die Mediziner*innen, besonders, um die Luftverschmutzung zu verringern, die jährlich 7 Millionen vorzeitige Todesfälle fordert und nun viele Menschen anfälliger für COVID-19 werden ließ.

Doch die Luftverschmutzung ist nur ein Anliegen der Verfasser*innen. Ihnen geht es um ganzheitlichen Gesundheitsschutz und das bedeutet: Klimaschutz als zentrale Maßnahme, um die Gesundheit aller zu schützen. Deshalb fordern Sie einen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen und "die Verlagerung auf regenerative Energiesysteme". Genau das aber wird in Deutschland und der EU missachtet, so ist der jährliche Neuzubau von sauberen Erneuerbaren Energien in Deutschland seit Jahren im Zusammenbruch begriffen.

Dieser Appell kommt nicht von Umwelt- oder Klimaaktivist*innen sondern von über 40 Millionen Mediziner*innen aus 90 Ländern, die im Gegensatz zu vielen Regierungen erkannten, dass Klimaschutz und der Ausbau der Erneuerbaren Energien auch zentral für den globalen Gesundheitsschutz sind. Gesundheitsschutz ist eben mehr als ein Lockdown während einer Pandemie, er kann nur wirken, wenn auch Luft- und Gewässerverschmutzung, Lärm, Pestizidbelastung in Lebensmitteln und insbesondere ein Stopp der Erderwärmung geschaffen werden.

Die Politik von Gesundheitsminister Jens Spahn versagt in all diesen Bereichen. Bislang ist nichts von ihm zu hören gewesen, das vermuten ließe, er erhebe Einspruch dagegen, Kohlekraftwerke noch bis 2038 zu nutzen, Erdgaspipelines auszubauen, oder setze sich dafür ein, Phosphat im Trinkwasser oder Antibiotika und Pestizide in Lebensmitteln zu reduzieren. Die weltweiten 40 Millionen Mediziner*innen haben in aller Dringlichkeit darauf hingewiesen, dass Gesundheitsschutz mehr sein muss, als nur einen Lockdown während einer Pandemie zu organisieren. Doch auch die deutsche Regierung ist blind in diesem Bereich und macht lieber Corona-Hilfsprogramme, die die Umweltverschmutzung und Erdüberhitzung befördern, statt sie einzudämmen.

Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) ist Mitunterzeichnerin des offenen Briefes und macht sich hierzulande schon seit Jahren für diese Zusammenhänge stark. So betonte auch deren stellvertretende Vorsitzende Sylvia Hartmann in der dazugehörigen Pressemitteilung : "Wenn wir unseren Planeten weiterhin so zerstören wie bisher, wird es vermehrt zu verheerenden Naturereignissen wie z.B. Pandemien, Stürmen und Dürren kommen. Wir vergessen oft, dass diese auch massiv unsere Gesundheit gefährden. Diese Krise ist gleichzeitig eine einmalige Chance, unsere Lebensweise und Wirtschaft neu zu gestalten. Gesunde Menschen kann es nur auf einem gesunden Planeten geben."

Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Quelle: Hans-Josef Fell - 10.07.2020.

Veröffentlicht am

12. Juli 2020

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