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Rassismus in Deutschland

Frieden geht nur mit Gerechtigkeit!

Der grausame Tod des Georges Floyd in Minneapolis brachte das Fass zum Überlaufen. In allen großen Städten in den USA, aber auch hier in deutschen und europäischen Metropolen gehen Tausende auf die Straße und erheben die Stimme gegen Rassismus. Das ist auch gut so. Die NSU-Prozesse, aber ebenso Schicksale wie das von Oury Jalloh, Aamir Ageeb oder Achidi John, die im Gewahrsam deutscher Behörden starben, zeigen, dass Rassismus auch in Deutschland tödliche Folgen haben kann. Und es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass Rassismus in unserer Gesellschaft und ihren Institutionen auch heute noch tief verankert und jederzeit aktivierbar ist.

Die pax christi-Kommission Solidarität mit Zentralafrika begrüßt und unterstützt die Bewegung "Black Lives Matter". Jetzt ist der Zeitpunkt, in der unser aller Solidarität gefragt ist mit der nicht-weißen Bevölkerung, die auch hier in Deutschland täglich mit Erfahrungen von Rassismus konfrontiert ist: am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, in Schule und Universität, bei vermehrten Polizeikontrollen und in vielen anderen Alltagssituationen.

Jede*r sollte einen wachen Blick entwickeln für ungleiche Behandlung im Alltag. Gleichzeitig können jedoch tiefere Gründe auch nur strukturell überwunden werden. Dies hat viel mit der kolonialen Geschichte zu tun, die sich auch heute im ungleichen Machtverhältnis zwischen Europäer*innen und Afrikaner*innen fortsetzt, insbesondere bei der Sicherung billiger Rohstoffe und Konsumgüter durch ungerechte Handelsverträge. Und: es geht auch um einen neuen Blick auf Denkmäler und Ortsbezeichnungen, auf Museen und Afrikasammlungen und um komplexe Fragen historischer Schuld. Nicht nur der Bristoler Kaufmann Edward Colston, Prinz Mauritz von Holland und Benjamin Franklin in den USA haben mit Sklavenhandel ihr Geld gemacht. Leopold II hat im Namen des Kampfes gegen die "arabischen Sklavenhändler" den Kongo unter ein extrem brutales Regime gestellt, dem die halbe Bevölkerung zum Opfer fiel.

Kaiser Wilhelm II hatte erkennbar kaum Kritik zu befürchten angesichts des Völkermords an den Herero und Nama in der deutschen Kolonie Namibia und angesichts der routinemäßig menschenverachtenden Niederschlagung von Rebellionen in Tansania. Noch heute wird in mehreren deutschen Städten mit Straßennamen an Carl Peters erinnert, ein notorischer Rassist und Antisemit, für den das Massakrieren der Bevölkerung und das Niederbrennen von Dörfern ein legitimes Mittel zur Durchsetzung kolonialer Ordnungsvorstellungen im ehemaligen Deutsch-Ostafrika waren.

Ein großer Teil der historischen Aufarbeitung von Vorgängen und Personen liegt noch vor uns. Die Darstellungsformen Afrikas und die Präsentation afrikanischer Kunst im zukünftigen Humboldt-Forum in Berlin muss mit dieser schwierigen Vergangenheit umgehen lernen und die Nachwirkungen bis in die Gegenwart thematisieren. Verantwortungsvoller Umgang mit diesem Teil deutscher Vergangenheit setzt auch eine noch viel intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema "Raubkunst" voraus.

Rassistische Denkmuster, einmal eingeschlichen, halten sich hartnäckig - selbst Karl Marx und Bundespräsident Heinrich Lübke waren bekanntlich nicht frei davon. Es nützt aber auch nichts, etwa Polizei und Justiz unter Generalverdacht zu stellen. Doch gehört alles auf den Prüfstand - auch das Grundgesetz, das in Artikel 3 Absatz 3 Diskriminierung u.a. aufgrund von Rasse verbietet, aber  gerade dadurch den Rückgriff auf den Begriff "Rasse" als Kategorie juristisch verewigt.

Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten bunter und vielfältiger geworden. Dies haben wir zum großen Teil den Einwander*innen zu verdanken, die sich integrieren und sich selbst in das große Ganze einbringen. Deutschland ist damit reicher und schöner geworden. Mehr noch als Gesetze und Verordnungen gegen Rassismus brauchen wir den Kampf gegen Rassismus im Bildungswesen, in der Politik und im Alltag eines jeden von uns. Wir müssen uns immer wieder und gelegentlich auch mutig solidarisieren, wenn Menschen ungleich behandelt oder bedroht werden und dagegenhalten, wenn rassistische Rhetorik bemüht wird. Stehen wir gemeinsam an der Seite der Bewegung "Black Lives Matter"!

Quelle:  pax christi Deutschland - Pressemitteilung vom 17.06.2020.

Veröffentlicht am

18. Juni 2020

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