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Kühltürme des AKW Philippsburg gesprengt: Spektakuläres Ende eines Risiko-Meilers - Doch die Probleme mit der Atomenergie bleiben

Mit der Sprengung der beiden Kühltürme des Atomkraftwerks (AKW) Philippsburg hat einer der störanfälligsten Meiler Deutschlands am Donnerstag ein spektakuläres Ende. Erst im vergangenen Dezember war das AKW in Baden-Württemberg vom Netz gegangen. Mehr als dreißig Jahre lief das Kraftwerk, obwohl es gegen geltende Sicherheitsanforderungen verstieß.

Der Abgesang auf die Erzeugung von Atomstrom geht damit unaufhörlich weiter, doch ein Ende der Probleme ist nicht in Sicht: Denn die Frage der hoch gefährlichen Atommüll-Lagerung ist weiter ungeklärt und der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt kaum voran. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert einen schnellen Ausstieg aus Atomkraft und Kohleverstromung sowie einen ambitionierten dezentralen Ausbau der Erneuerbaren.

Stattdessen soll jedoch mit der schnellen Sprengung der Kühltürme in Philippsburg Platz für einen neuen Energie-Dinosaurier geschaffen werden, wie Armin Gabler, Mitglied im Bundesvorstand und im Landesvorstand Baden-Württemberg des BUND erklärt: "Die Kühltürme sollen dem Konverter von Ultranet weichen. In Philippsburg endet die neue Leitung zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) aus Norddeutschland. Der Strom soll dann dort umgespannt und übers Land verteilt werden. Ein Dinosaurier geht, ein neuer Dinosaurier kommt."

Selbst wenn Ende 2022 die letzten Atomreaktoren stillgelegt werden, bleibt Deutschland Teil der nuklearen Kette. In Gronau wird unbefristet Uran angereichert und Brennelemente aus der Fabrik in Lingen an ausländische AKW geliefert, so auch an die maroden belgischen Reaktoren Doel und Tihange. Ganz zu schweigen von dem Problem der strahlenden Hinterlassenschaften, die noch viele Generationen nach uns gefährden werden. Ein unsolidarisches Erbe für die junge Generation.

Alexandra Struck, Mitglied im Bundesvorstand der BUNDjugend: "Wir junge Menschen werden mit einem Jahrmillionen-Problem allein gelassen, das wir nicht zu verantworten haben und bei dem keine Lösung in Sicht ist. Sowohl beim Klimaschutz als auch beim Thema Atommüll fordern wir ein Umdenken der Politik, um uns und kommenden Generationen keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen. Wir brauchen eine gerechte und zukunftsfähige Energieversorgung, die über den Tellerrand der nächsten Legislaturperiode hinausblickt und nicht noch mehr Müll ohne Lager für die Unendlichkeit schafft."

Der deutsche Atommüll lagert derzeit in Zwischenlagern mit fragwürdigen Sicherheitsvorkehrungen. Die letzten Betriebsgenehmigungen enden 2046, wie es dann weitergeht, ist völlig unklar. In das Zwischenlager Philippsburg sollen sechs weitere deutsche Castoren aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich gebracht werden.

Gabler verweist darauf, dass es selbst mit schwach radioaktiven Abfällen große Probleme gibt: "Die sogenannten freigemessenen Abfälle, beispielsweise Gebäudeteile mit geringer Strahlung, werden auf konventionellen Hausmülldeponien verbracht, wofür die Landkreise zuständig sind. Karlsruhe jedoch hat keine Deponie mit dem geforderten Standard und findet auch keine in Deutschland, die die Abfälle abnimmt. Denn keiner will den Müll."

Der BUND fordert endlich ein valides Zwischenlagerkonzept für Deutschland. Über dieses Konzept muss zuvor eine breite öffentliche Debatte geführt werden.

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) - Pressemitteilung vom 14.05.2020.

Veröffentlicht am

15. Mai 2020

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