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Brahms: “Der 8. Mai steht für die deutsche Verantwortung für Frieden und Versöhnung”

Angesichts der deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg hat Deutschland nach Ansicht des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, eine besondere Verpflichtung, für Frieden und Versöhnung sowie für gewaltfreie Lösungen von Konflikten einzutreten und zu arbeiten. "Lernen aus der Geschichte heißt, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, dass es einen gerechten Krieg nicht geben kann, sondern nur einen gerechten Frieden", so der EKD-Friedensbeauftragte in einer von ihm verfassten Predigt für Materialien der EKD zum 8. Mai.

"Wer den Frieden will, der muss ihn vorbereiten", macht Renke Brahms dabei klar. Und er betont: "Deshalb gilt es zuallererst, Menschen Gerechtigkeit zu verschaffen, ihre Lebensverhältnisse zu sichern, Konflikten vorzubeugen und Konflikte mit gewaltfreien Mitteln zu begegnen." Er werde sich jedenfalls nicht daran hindern lassen, sich vorzustellen, dass es gelingen könne, Konflikten anders zu begegnen als mit Gegengewalt. "Ich will mich nicht durch eine vermeintliche Realpolitik behindern lassen, mir hier bei uns eine Debatte zu erhoffen, die von der besonderen Verantwortung Deutschlands für Krisenprävention und für die Stärkung der zivilen und gewaltfreien Konfliktlösung dominiert wird, statt vom ständigen Reden über mehr militärische Verantwortung", betont der EKD-Friedensbeauftragte: "Das ist auch eine Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg."

Die Erinnerung an das Grauen, das mit dem 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen begonnen habe, verschlage einem die Sprache. "Das alles lässt sich kaum in Worte fassen, und deshalb sind das Verstummen und Schweigen vielleicht der einzige Weg, um nicht zu versuchen, Schrecken und Verstrickung in Schuld und Worte zu fassen, sondern ihnen auf andere Weise Ausdruck zu verleihen", ist Renke Brahms überzeugt.

"Aber ist es nicht auch geradezu atemberaubend, was sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt hat?", gibt der EKD-Friedensbeauftragte auch zu bedenken und verweist auf die lange Friedensphase in Europa, die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarn, die friedliche Revolution, die Wiedervereinigung.

Dennoch dürfe man nicht beim Verstummen und Schweigen stehen bleiben. "Wer dauerhaft schweigt, verdrängt und verlernt das Reden", betont Renke Brahms. Ohne das Reden über die Geschichte werde nichts verarbeitet und könne nichts lernen aus der Geschichte. "Deshalb ist es so wichtig, an diesem Tag an die Opfer des Krieges, an die sechs Millionen Juden, an die Sinti und Roma, an die politisch anders Denkenden, an Soldaten und Zivilisten zu erinnern, aber auch an das weitgehende Versagen der Kirche", macht der EKD-Friedensbeauftragte klar. Dabei verweist er auf das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945, in dem die evangelischen Kirchen ihre Mitschuld am Leid, das von Deutschen über viele Völker und Länder gebracht wurde, bekannte. Renke Brahms: "An das Versagen der Kirche zu erinnern, heißt vor allem, zu jeder Zeit sensibel, wachsam und aufmerksam zu sein für die Gefährdung und die Förderung des Friedens."

Quelle: Evangelische Friedensarbeit - Pressemitteilung vom 05.05.2020.

Veröffentlicht am

06. Mai 2020

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