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Fukushima darf nicht vergessen werden

9 Jahre nach dem mehrfachen Super-GAU

Die Ärzteorganisation IPPNW fordert anlässlich der Olympischen Spiele in Japan, die Folgen des mehrfachen Super-GAUs von Fukushima für die Menschen und Umwelt nicht zu verdrängen. Die japanische Regierung versucht der Weltgemeinschaft zu suggerieren, die Atomkatastrophe von Fukushima sei überwunden. Tatsächlich ist die Situation rund um die havarierten Atomreaktoren keineswegs "unter Kontrolle", wie der japanische Premierminister gerne suggeriert.

Im Inneren der zerstörten Reaktoren herrscht nach wie vor lebensbedrohliche Strahlung. Die Atomruinen müssen durch ununterbrochene Wasserzufuhr gekühlt werden. Große Teile des kontaminierten Wassers verseuchen trotz massiver Gegenmaßnahmen weiterhin Grundwasser und Meer, der aufgefangene Teil des radioaktiven Abwassers wird in riesigen Tanks gespeichert. Wegen Platzmangels soll das stark verstrahlte Wasser ab 2022 direkt in den Pazifik abgelassen werden.

In den verstrahlten Gebieten besteht anhaltend ein zusätzliches gesundheitliches Risiko durch radioaktive Strahler wie Cäsium-137. Insbesondere Kinder, Schwangere sowie Kranke und ältere Menschen sind bedroht. Mit zusätzlichen Krebsfällen ist in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu rechnen. Einen kleinen Teil der zu erwartenden Krebserkrankungen stellen Schilddrüsenkrebserkrankungen dar. Dies ist jedoch die einzige Erkrankung, die die japanische Regierung zumindest bei Kindern und Jugendlichen in einem systematischen Screening untersucht. Am 13. Februar 2020 stellte das Aufsichtskomitee der Schilddrüsenstudie der Fukushima Medical University (FMU) die neuen Studiendaten vor.

Die offizielle Neuerkrankungsrate an Schilddrüsenkrebs bei Kindern unter 25 Jahren in Japan beträgt im Jahr knapp 0,6 Fälle pro 100.000 Menschen. Neun Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe wären in der untersuchten Bevölkerung von knapp 218.000 Patient*innen etwa 11-12 Schilddrüsenkrebsfälle zu erwarten. Die tatsächliche Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle in Fukushima liegt allerdings bei 197 Fällen und damit mindestens um das 17-fache darüber. Betrachtet man nur die neuen Fälle seit 2014 liegt der Faktor sogar bei 23. Neben der steigenden Zahl von Schilddrüsenkrebsfällen fanden die Forscher*innen jährlich steigende Raten an Knoten und Zysten in den kindlichen Schilddrüsen.

Parallel dazu sinkt die Zahl der untersuchten Kinder seit Jahren. Waren es in der Erstuntersuchung (2011-2014) noch rund 300.000 Kinder, nehmen mittlerweile nur noch knapp 218.000 Kinder teil. Bei den über 25 jährigen liegt die Teilnahmequote an Untersuchungen bei unter 10%. Die hohe Aussteigerquote in der Schilddrüsenstudie scheint gewollt: Seit Jahren besuchen Mitarbeiter*innen der FMU Schulen, um Kinder über ihr "Recht auf Nichtteilnahme" und ihr "Recht auf Nichtwissen" aufzuklären. So wird bewusst in Kauf genommen und gefördert, dass Kinder austreten und die Aussagekraft der Studie gefährdet wird.

Gleichzeitig ist geplant, den olympischen Fackellauf am 26. März 2020 mitten durch die Sperrzone rund um das havarierte AKW zu führen. In Fukushima-Stadt sollen im Juli olympische Wettkämpfe stattfinden. Die Bewohner der verstrahlten Gebieten werden so zu Statisten des medial inszenierten Wiederaufbau-Narrativs der japanischen Regierung und der Atomindustrie. "Die IPPNW sagt Nein zu dem Versuch der japanischen Regierung, der Weltöffentlichkeit Normalität in den verstrahlten Gebieten vorzuspielen", erklärt der IPPNW-Co-Vorsitzende Dr. Alex Rosen. "Wir fordern vom Internationalen Olympischen Komitee und von der japanischen Regierung, auf die Austragung der Baseball- und Softball-Wettkämpfe in Fukushima-City sowie auf den Fackellauf in den verstrahlten Gebieten der Präfektur Fukushima zu verzichten."

Quelle: IPPNW - Pressemitteilung vom 09.03.2020.

Veröffentlicht am

10. März 2020

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