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Haqqani: “Vor einem historischen Abkommen in Afghanistan”

Der stellvertrende Taliban-Anführer Siradschuddin Haqqani kündigt in der New York Times den Abzug der Nato-Truppen an.

Von Urs P. Gasche

Einwöchige Waffenruhe vor Friedensplan

Die NZZ meldet am 22. Februar: "In der Nacht auf Samstag [22. Februar] hat in Afghanistan eine siebentägige Phase der Gewaltreduzierung begonnen. Diese "Waffenruhe light" ist die Voraussetzung für einen Friedensplan, den die USA und die Taliban am 29. Februar unterzeichnen wollen. Sowohl die Taliban als auch die von den USA unterstützten Regierungskräfte sollen während einer Woche möglichst auf Angriffe verzichten."

Dem von den USA lange als "Terroristen" eingestuften und verfolgten Siradschuddin Haqqani gab die New York Times am 20. Januar Gelegenheit, in einem längeren Gastartikel seine Sicht über die Verhandlungen der Taliban mit den USA in Katar sowie seine Zukunftsvision für Afghanistan darzulegen.

Dass der früher vom FBI "meist gesuchte Terrorist" sich frei und unkommentiert äußern konnte, hat in den USA zu heftiger Kritik an der New York Times geführt. Die NYT veröffentlicht täglich prominent auf der erste Seite Gastkommentare, die in der gleichen Ausgabe nie kommentiert werden. [Größere Auflösung des FBI-Plakats zur Verhaftung von Siradschuddin Haqqani hier ]

Das "Hakkani-Netzwerk" zählt laut US-Quellen zu den gefürchtetsten Gruppen in Afghanistan. Sie soll etliche Attentate auch in der Hauptstadt Kabul organisiert haben. Erst 2018 war Gründer Dschalaluddin Hakkani, der Vater von Siradschuddin, nach langer Krankheit gestorben.

Tödlicher Krieg ging während Friedensverhandlungen unvermindert weiter

 

Während der seit 18 Monaten dauernden Verhandlungen in Katar informierten große Medien immer wieder über tödliche Anschläge der Taliban, welche eine Einigung gefährden würden. Über die noch viel tödlicheren Luftangriffe der USA wurde kaum informiert. Dabei hat in den USA der "Special Inspector for Afghanistan Reconstruction" ziemlich genaue Zahlen veröffentlicht: Im letzten Quartal 2019 hätten die Taliban und andere bewaffnete Gruppen 8204 Anschläge verübt, von denen ein Drittel zu Todesfällen oder Verletzten führte. In den gleichen drei Monaten schossen die USA 7423 Bomben und Raketen auf Gebiete ab, die von den Taliban kontrolliert werden. Der zuständige US-Kommandant General Austin S. Miller erklärte 2019, möglichst viele Talibans zu vernichten, um Druck auf die Verhandlungsdelegation der Taliban in Katar zu erzeugen. (Quelle: NYT)

"Wir wollen in Afghanistan mit allen Kräften zusammenarbeiten"

Die Verhandlungsdelegation der Taliban unter Leitung von Mullah Abdul Ghani Baradar und Sher Mohammad Abbas Stanikzai sei "kurz davor", mit den USA ein Friedensabkommen zu unterzeichnen. Er sei sicher, dass das Abkommen in ganz Afghanistan als "historisch" willkommen geheißen werde. In seinem Land seien alle "kriegsmüde". Fast alle hätten Menschen verloren, die sie liebten.

Bei den jetzt 18 Monate dauernden Verhandlungen waren weder die afghanische Regierung noch die Nato-Partner der USA beteiligt, obwohl es der längste Krieg ist, den die Nato-Staaten je geführt haben.

Die Taliban seien bereit, "jeden Paragrafen des Abkommens dem Buchstaben und dem Geiste nach einzuhalten". Ob das Abkommen Erfolg haben wird, hänge davon ab, ob auch die USA das Vereinbarte "skrupulös" einhalten werden.

Sofern das Abkommen eingehalten werde und alle ausländischen Interventionen aufhörten, sei der Weg frei für einen "islamischen Staat, in dem alle Afghanen die gleichen Rechte haben", ausdrücklich auch "die Frauen, denen der Islam das Recht zur Ausbildung und das Recht zur Erwerbsarbeit gibt".

Es sei jedoch "wahrscheinlich die größte Herausforderung", dass die verschiedenen Gruppen [und Warlords] in Afghanistan "hart und ehrlich daran arbeiten, sich auf eine gemeinsame Zukunft zu einigen".

Die Taliban wünschten, dass Afghanistan ein "verantwortungsvolles Mitglied der internationalen Gemeinschaft" werde. Sie verpflichteten sich, sämtliche internationalen Vereinbarungen einzuhalten, "solange sie mit den islamischen Prinzipien zu vereinbaren sind".

Als Zückerchen stellt der stellvertretende Taliban-Anführer in Aussicht, dass nach einem Neustart "alle Afghanen, die im Ausland im Exil leben, zur Rückkehr eingeladen sind - in die gemeinsame Heimat, wo alle das gleiche Recht hätten, mit Würde in Frieden zu leben". In Europa stammen die zweitmeisten Flüchtlinge und Migranten aus Afghanistan.

Internationale Interessen im Spiel

In seinem Gastbeitrag in der New York Times klammert Siradschuddin Haqqani aus, dass neben der Nato namentlich auch Pakistan, Russland und Iran Interessen im rohstoffreichen Afghanistan wahrzunehmen versuchen. Infosperber hatte ausführlich darüber informiert.

Quelle: Infosperber.ch - 22.02.2020.

Veröffentlicht am

25. Februar 2020

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