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Zum Tod von Gudrun Pausewang

Von Hans-Josef Fell

Am 23. Januar ist die Grundschullehrerin, Autorin und Friedens- & Anti-AKW-Aktivistin Gudrun Pausewang im Alter von 91 Jahren gestorben. Bundesweite Bekanntheit erlangte Sie durch ihr 1987 erschienenes Buch "die Wolke", das die fiktive Geschichte eines Super-GAU des deutschen Atomkraftwerk Grafenrheinfeld erzählt. Es führt eindringlich vor Augen, welche Folgen ein solches Ereignis mit sich bringt: Flucht, Not, Elend, Tod.

Mich hat dieses Buch damals besonders betroffen gemacht, spielt es doch in meiner Heimat, das AKW Grafenrheinfeld steht lediglich 30 Kilometer von meinem Haus in Hammelburg entfernt. Die beschriebenen Einzelschicksale und Orte erhielten somit für mich eine noch tragischere Note, da ich mich direkt in sie hineinversetzen konnte. Nur ein Jahr zuvor war der radioaktive Regen aus Tschernobyl über diese Region niedergegangen und nun führte uns "die Wolke" vor Augen, wie viel schlimmer es noch hätte kommen können.

Für ihre ungeschönte Sprache und detailreichen Ausführungen der Folgen eines Super-GAUs wurde sie nicht von allen gelobt. So wurde sie unter anderem als "Lehrerin der Angst" und "Weltangstexpertin" verzeichnet, weil sie in Schrift und Wort schonungslos auf die Gefahren z.B. der Atomenergie hinwies. Doch diese Polemik gegen sie war und ist ungerechtfertigt, entspringt sie doch den Gedankenwelten von unverbesserlichen Atombefürwortern, die alle Atomgefahren schlicht verharmlosen, ignorieren oder leugnen.

Ich hatte selbst das Glück, Pausewang zu kennen und mit ihr gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Das letzte Mal im Mai 2015 in Schweinfurt, als wir gemeinsam mit vielen anderen Atomkraftgegner*innen auf dem "Abschaltfest" des AKW Rheinfeld sprachen. Bis ins hohe Alter - damals war sie immerhin schon 87 - blieb Pausewang eine vehemente Warnerin vor der nuklearen Gefahr und weder "die Wolke" noch ihre Warnungen vor der Atomkraft haben je an Aktualität verloren. Leider. Denn trotz des beschlossenen Atomausstiegs der Bundesregierung ist die Mär der sicheren und sauberen Energie durch Kernspaltung nie vollständig aus der Debatte verschwunden.

Nicht in Deutschland und schon gar nicht weltweit. Doch wir müssen nicht ins Ausland schauen, um Befürworter der Atomenergie zu finden: Erst am 16. Januar diesen Jahres hat sich der sächsische Ministerpräsident Kretschmer für den Weiterbetrieb und die Förderung der Atomforschung ausgesprochen. Es sei wichtig, diese Frage [der Atomkraft] immer wieder neu zu diskutieren, so Kretschmer.

Doch weltweit hat die Nuklearenergie noch viele namhafte Fürsprecher, unter anderem Bill Gates oder den britischen Rolls-Royce-Konzern, der derzeit 15 Mini-Kernreaktoren in Großbritannien plant. Nach dem Ausstieg aus der EU kommt nun der Wiedereinstieg in die Kernkraft, mit unabsehbaren Kosten und Risiken.

In Pausewangs Romanen tragen die Figuren häufig durch ihre Passivität zu den Katastrophen bei, deren Opfer sie später werden. Welch tragisch-zutreffendes Bild, welches sich ohne Weiteres auf die heutige Zeit beziehen lässt. Wir müssen erkennen, dass wir alle handeln müssen, um einen erneuten GAU und auch, um den Untergang der menschlichen Zivilisation zu verhindern. Mit Gudrun Pausewang ist eine der großen Stimmen der Anti-Atombewegung von uns gegangen, doch Ihre Worte werden bleiben.

Quelle: Hans-Josef Fell - 30.01.2020.

Veröffentlicht am

31. Januar 2020

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