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Abschiebung nach Kabul in letzter Minute gestoppt

In letzter Minute ist es gelungen, die Abschiebung des afghanischen Bäckers Naser S. am 3. Dezember 2019 zu verhindern. Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus Esslingen und Ostfildern, der Arbeitgeber, eine Anwältin, Landtagsabgeordnete der Grünen und der SPD, Gemeinderäte der Linken sowie Kirchenvertreter und der Flüchtlingsrat haben darum gekämpft, dass er bleiben kann. Der SWR hat über den Fall bereits berichtet.

Naser S., Jahrgang 1988, arbeitet seit 2015 als Bäcker bei der Bäckerei Schultheiß in Ostfildern und absolvierte dort von 2016 bis Sommer 2019 eine Ausbildung, die er als Geselle abgeschlossen hat. Er ist bestens integriert, sehr zuvorkommend und - wie sein Arbeitgeber Christian Schultheiß betont - "eine unersetzliche Arbeitskraft". Am 29. November wurde er aus der Backstube von der Polizei abgeholt und in die Abschiebehaft nach Pforzheim gebracht. Am 3. Dezember 2019 sollte er im Rahmen einer Sammelabschiebung nach Kabul gebracht werden. Dort hat er nur in seinen ersten vier Jahren gelebt; seine Familie war mit ihm nach Pakistan geflohen, wo er als Bäcker tätig war. Für die Bäckerei Schultheiß wäre es ein harter Schlag, von heute auf morgen eine qualifizierte Fachkraft in einem Mangelberuf zu verlieren.

Dass die aktuelle Abschiebung verhindert werden konnte, ist neben dem Einsatz der Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr (Bündnis 90/Die Grünen), insbesondere Brunhilde Burgmann vom Arbeitskreis Asyl Esslingen zu verdanken, die in enger Abstimmung mit dem Arbeitgeber den Fall einer sehr engagierten Anwältin ihres Vertrauens übergeben hat. Diese hatte zunächst mit einem Eilantrag an das Verwaltungsgericht Stuttgart die Abschiebung zu verhindern versucht und dann - nachdem dieser am 3. Dezember vormittags abgelehnt worden war - Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg eingelegt. Dieser wurde am Nachmittag stattgegeben. So konnte Naser S. zurück nach Ostfildern gebracht werden. Alle an dem Fall beteiligten Personen, insbesondere auch sein Arbeitgeber Christian Schultheiß und seine Kollegen, sind unglaublich erleichtert. In den nächsten Wochen wird es nun darum gehen, den Aufenthalt des jungen Afghanen in Deutschland zu sichern.

Auch wenn in diesem Fall eine Abschiebung verhindert werden konnte, machen sich viele Arbeitgeber und Asylhelfer große Sorgen über die Verschärfung des politischen Klimas. Brunhilde Burgmann und Ursula Zitzler appellieren an die Politik, gut integrierten Geflüchteten ein Bleiberecht zu ermöglichen. Auch die Unternehmerinitiative Bleiberecht weist immer wieder darauf hin, wie wichtig Fachkräfte für Deutschland sind.

Anmerkung der Lebenshaus-Redaktion: Gerade nach Afghanistan, das laut dem Global Peace Index das unsicherste Land der Welt ist und in dem es 2018 die meisten Kriegstoten weltweit gab, ist es völlig unverantwortlich, überhaupt einen Menschen abzuschieben. Unabhängig davon, wie gut integriert er ist und möglicherweise von einem Unternehmen als Fachkraft benötigt wird oder eben auch nicht. Deshalb halten wir einen umfassenden sofortigen Abschiebstopp nach Afghanistan für die einzig sinnvolle und menschenrechtlich angemessene Antwort.

Quelle:  Freundeskreis Asyl Ostfildern - Pressemitteilung vom 03.12.2019.

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Veröffentlicht am

05. Dezember 2019

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