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Der wahre Gene Sharp möge doch bitte einen Schritt weiter gehen!

Kritiken aus letzter Zeit, in denen der Begründer der Theorie der Gewaltfreiheit Gene Sharp Kalter Krieger genannt wird, sind völlig verfehlt! Um Sharp richtig bewerten zu können, müssen wir verstehen, welche Rolle er selbst für sich wählte.

Von George Lakey

In einem kürzlich geführten Interview mit Jacobin ging die Rechtsanwältin und politische Aktivistin Marcie Smith näher auf einen Aufsatz ein, den sie in diesem Jahr geschrieben hatte. Darin nannte sie den verstorbenen Begründer der Theorie der Gewaltfreiheit Gene Sharp "einen der bedeutendsten Verteidigungsintellektuellen im Kalten Krieg, den die USA hervorgebracht haben." Leider geht das Interview ebenso wie der Aufsatz meilenweit an Sharp vorbei.

Ehrlicherweise will ich zugeben, dass Sharp nicht leicht zu ergründen war. Seit wir junge Erwachsene waren, war er mein Mentor und Freund. Sowohl seine Rolle als auch sein Projekt irritierten viele. Akademische Friedensforscher erwarteten von ihm, er solle sich ihnen anschließen. Sie hatten kein Verständnis dafür, dass er von Konflikten besessen war und Frieden kaum jemals erwähnte. Pazifisten wussten, dass er wegen Kriegsdienstverweigerung im Gefängnis gewesen war, aber sie waren dadurch irritiert, dass er sich durchaus nicht mit ihnen identifizieren wollte. Und da er zum Soziologen ausgebildet war, also zu einem, der soziale Bewegungen erforscht, wäre das auch gar nicht der richtige Ort für ihn gewesen.

Allerdings beeinflusste Sharp die politischen Bewegungen in aller Welt. Das weiß Marcie Smith und versteht es auch. Aber sie kannte ihn nicht persönlich und stellt nur Vermutungen über die Rolle an, die er sich ausgesucht hatte. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie seine Kollegen interviewt hätte - dabei wären die doch leicht erreichbar gewesen - und ich wundere mich, warum sich Jacobin gerade an sie gewandt hat, als wäre sie eine Autorität in Sachen Sharp.

Smith teilt ihm die Rolle eines Intellektuellen der Öffentlichkeit zu und kritisiert ihn dann dafür, dass er nicht das getan habe, was er hätte tun "sollen": in die Arena der linken Politik springen und wie der Gedanken-Führer einer Bewegung agieren. In anklagendem Ton fragt sie: "Wie sieht Ihr positives Programm aus? Welche Ideen haben Sie darüber, wie die Wirtschaft organisiert sein sollte und kennen die Leute in der Wirtschaft die Geschichte?"  

War Sharp ein ‚Intellektueller des Kalten Krieges’?

Smith nennt Sharp einen Kalten Krieger und stellt ihn auf eine Stufe mit dem Berater des Verteidigungsministeriums Thomas Schelling von Harvard. Ihr Beweismittel ist, dass der gewaltfreie Kampf dazu benutzt wurde, den Zusammenbruch der Sowjetunion zu beschleunigen. Das stimmt zwar, aber gewaltfreier Kampf wurde auch benutzt, um Regime zu stürzen, die zum US-Imperium gehörten - besonders bemerkenswert: Die Diktatur Pinochets in Chile. Außerdem setzten Palästinenser Sharps Ausarbeitung der Theorie der Gewaltfreiheit in ihrem Aufstand gegen die Besetzung durch das mit den USA alliierte Israel ein.

Da Smith nicht versteht, welche Rolle Sharp tatsächlich gespielt hat, gerät sie auch über das Wesen seines Projekts völlig durcheinander. Sharp wollte die Macht des gewaltfreien Kampfes allen denen zugänglich machen, die diese einsetzen wollten, anstatt dass sie Gewalt gebraucht hätten. Einige Gruppen entschieden sich für zivilen Widerstand statt für bewaffneten Kampf, um sich dem Griff Russlands zu entziehen. Andere wieder nutzen ihn, um die Apartheid im mit den USA alliierten Südafrika abzuschaffen. Er steht allen zur Verfügung.

Sharp verabscheute Gewalt und glaubte, dass politische Akteure etwas über andere Möglichkeiten, ihre Schlachten zu schlagen, wissen sollten, und zwar über Möglichkeiten, die nicht das furchtbare Leiden eines Krieges mit sich brachten.

Ein wahrer Kalter Krieger hätte sein Waffenarsenal nur der einen Seite zur Verfügung gestellt und nicht ebenso der anderen. Er hätte es geheimgehalten und dadurch dessen Macht verstärkt. Sharp hat aber selbstverständlich sein Werk ungeheuer oft veröffentlicht , es in viele Sprachen und Medien übersetzen lassen und alle dazu angeregt, es ihm in dieser Hinsicht gleichzutun.

Mein Streit mit Sharp über die Strategiefrage

Smith bezieht sich auf Sharps Begrifflichkeit des gewaltfreien Kampfes und stellt die Frage: "Wurde diese Strategie auch nur mit dem geringsten Bewusstsein von der Realität des Klassenkampfes entwickelt?"

Erst einmal hat Sharp keine "Strategie" angeboten. Sharp glaubte, es liege vor allem bei den Führern von Bewegungen, eine für ihre besondere Situation passende Strategie zu entwickeln, und er versuchte, sie dabei zu unterstützen, indem er erklärte, wie die Technik des gewaltfreien Kampfes funktioniert, wenn sie denn funktioniert. Es war dann die Aufgabe der Führer, für ihre Leute und für ihre besondere Lage eine Strategie zu schaffen.

Wenn Smith Sharps Rolle tatsächlich verstände, würde sie erkennen, warum Sharp nicht über das Thema Klassenkampf geschrieben hat. Allerdings forschte er intensiv über Arbeiter- und Bauernkämpfe und sein dreibändiges Hauptwerk quillt davon geradezu über. Nur verfolgte er eben einen anderen Zweck als Smith. Er wollte etwas darüber erfahren, warum sich Arbeiter entschlossen, manchmal von der herkömmlichen Weisheit abzuweichen, die besagt, dass man unbedingt Gewalt anwenden müsse, wenn man mächtig werden will. Diejenigen Arbeiter, die sich für den gewaltfreien Kampf entschieden, waren (und sind) Wegbereiter und solche Menschen interessierten Sharp sein Leben lang.

Nachdem ich in den frühen 1970er Jahren Strategy for a Living Revolution veröffentlicht hatte [Jetzt ist es unter dem Titel Toward a Living Revolution erhältlich.], stritten Sharp und ich uns leidenschaftlich. Das Buch wurde von einer akademischen Ideenschmiede finanziert und enthält wichtige neue Konzepte, z. B. "die Dilemma-Aktion". Außerdem enthält es eine Fülle von faktengestütztem Wissen, das eine Revolution in unserem Land unterstützte.

Da Sharp so lange mein Mentor war, war ich verärgert, dass er nicht erfreut war. Schließlich jedoch gelang es ihm, mir eine feine, aber wichtige Unterscheidung klarzumachen, die damit zu tun hatte, dass ich in akademischen Kreisen als Forscher über Gewaltfreiheit bekannt war. Er machte sich Sorgen darüber, ob die damals noch in den Kinderschuhen steckende Theorie der Gewaltfreiheit den für ihre Entwicklung notwendigen Raum bekäme, wenn sie durch Bücher abgelenkt würde, in denen der Autor seine radikale Politik in die Erforschung der Gewaltfreiheit eingehen ließ.

Sharp wollte eine Theorie entwickeln, die sich auf eine bestimmte Kampftechnik bezog. Sie sollte sich nicht auf die Frage festlegen, die ich in meinem Buch stelle: "Auf wessen Seite bist du?" Wenn es ihm gelänge, seine theoretische Arbeit davor zu bewahren, von irgendeiner politischen Grundhaltung vereinnahmt zu werden, so begründete er, würde sich die Theorie weiterentwickeln und für unterschiedliche Bewegungen mit unterschiedlichen Zielen nützlicher werden.

Zwar zweifelte ich daran, dass mein Buch in dieser Hinsicht gefährlich sei, denn es war ja nicht polemisch, und außerdem dachte ich, unser Gebiet sei nicht so sensibel, aber schließlich verstand ich doch etwas besser, was Sharp meinte: Er sah sich als Wissenschaftler, der eine Theorie aufstellte, von der andere herausfinden würden, wie sie sie in ihrem Kontext anwenden könnten. Er wünschte sich, dass ich mit ihm gemeinsam die Theorie weiter ausbaute.

Natürlich hatte Sharp seine eigenen Ansichten über politische Themen. Einige davon werden in seinen Schriften deutlich. Erst einmal liebte er Demokratie, Selbstbestimmung und Macht von unten. Deshalb bewertete er das sowjetische Modell und seine Variationen negativ, ebenso wie die Vielzahl von Imperialismen. Trotzdem entschloss sich Sharp ganz bewusst, nicht zu einem politischen Führer zu werden. Daher ist es sinnlos, ihn dafür zu kritisieren, dass er nicht wie einer agierte.

Wer war er also?

Die beste Metapher, die mir einfällt, ist das Bild eines Botanikers, der als junger Mann entdeckt, dass die Dschungel der Welt eine fantastische Quelle für Gesundheit und Überleben der Menschen sind. Auch wenn die Dschungel für Stadtbewohner außer Sichtweite und jenseits aller Vorstellung sein mögen, fasziniert ihn, wieviel er dort findet, was bis dahin unbekannt war.

Kaum einer seiner Botanikerkollegen versteht das, denn sie sind so sehr mit der Forschung über die bereits bekannten Pflanzenarten und die Möglichkeiten der Kreuzungen beschäftigt. Aber unser einsamer Botaniker rackert sich ab, erkundet entfernte Dschungel und entdeckt Dinge, die dramatisch über das Bekannte hinausgehen. Er erkennt die Notwendigkeit, eine eigene Taxonomie aufzustellen, und stellt fest, dass sie ständig weiterwächst. 

Stück für Stück wurden seine veröffentlichten Arbeiten bekannt - und aus den "neuen Pflanzen" wurde Medizin hergestellt. Dabei wurde sehr viel verdient, aber das bemerkte er nicht, denn er war mit der Erforschung eines noch weiter entfernten Teils des Dschungels beschäftigt. Er lernte die Dschungel-Ökologie kennen und wagte zu vermuten, dass sie den Menschen viel zu bieten habe.

Schließlich traf die Lebensleistung unseres Botanikers mit dem neuen Bewusstsein des Mangels der Menschen in den Städten zusammen: Der Planet ist im Begriff, an seiner Überlastung mit Kohlenstoff zu ersticken. Der Botaniker feiert die sogar in den Städten erwachende Erkenntnis, dass die Dschungel die Lungen der Welt sind.

Nie wieder wird die Zivilisation die Dschungel so betrachten, wie sie sie früher betrachtet hat. Die Vermutung des Botanikers hat zu einem Paradigmenwechsel geführt.

Ist ‘gewaltfrei’ für Sharp schlichthin das Gute?

Smith begeht einen allgemein üblichen Fehler, indem sie Sharp die Rolle eines politischen Vordenkers zuschreibt. Sie stellt sich vor, dass er - wie es politische Führer nun einmal tun - moralische Führung anböte, denn sie versteht "gewaltfreie Aktion" als einen ethischen Ausdruck und nicht einfach als Bezeichnung eines bestimmten Verhaltens.

Sharp stellte sich die (vielleicht unerfüllbare) Aufgabe, von Menschen zu verlangen, dass sie Konfliktverhalten auf dieselbe Weise erkennen, wie Botaniker Pflanzen erkennen: Dass sie nämlich nach deren Eigenschaften und Funktionen fragen, anstatt sie zu bewerten. Seine Taxonomie lädt uns ein, dass wir ein vorschnelles moralisches Urteil zuerst einmal zurückhalten, wenn wir sehen, wie eine Menschengruppe sich vor einem Laden hin und her bewegt. Dann erkennen wir, dass wir "Streikposten" sehen, und dass das eine Methode der "gewaltfreien Aktion" ist.

Weiße haben Streikposten gestanden, um die Rassentrennung zu unterstützen. Aber auch ihre Methode nennen wir "gewaltfreie Aktion", auch wenn diese Anwendung moralisch beklagenswert war. Derartige Beobachtungen zu ermöglichen, ist die Aufgabe der Soziologen.

Derartige Beobachtungen kann man mit angemessener Genauigkeit anstellen, etwas, das wir im Swarthmore College gefunden haben, wo Sharps Taxonomie für die Global Nonviolent Action Database eingesetzt wird. Da die Datenbank für eine Beschreibung operationalisierbare Daten braucht, benutzten wir eine Abwandlung von Sharps Definition von "Gewalt", die auch dieses Mal wieder beobachtbare Phänomene hervorhob.

Uns war bewusst, dass sprachliche Schwierigkeiten unter der Oberfläche lauern, aber es war dann doch einfach, uns mit den Studenten über Beobachtungen zu einigen. Da es um Kommunikation geht, ist Einigkeit über Definitionen unter den Beobachtern Grundvoraussetzung. 

Für Marcie Smith dagegen sind Definitionen, die auf beobachtbarem Verhalten gründen, durchaus keine Grundvoraussetzung, wohl aber politische Urteile, die sich auf Moral gründen. (Schließlich stellt sie Sharp ja als politischen Führer dar.) Für sie ist Sharps Taxonomie nicht etwa ein brauchbares soziologisches Werkzeug, sondern sie sieht in ihr eine dramatische Demaskierung: So raffiniert kaschiert Sharp seine Rolle als neoliberaler Kalter Krieger!

Was kann ich also zusammenfassend sagen? Für viele von uns linken antiimperialistischen Revolutionären funktioniert Sharps Taxonomie einfach gut und wir verstehen: Sie beruht auf soliden wissenschaftlichen Grundlagen.

Richtet sich Sharps Theorie gegen den Staat?

"In Sharps Schema ist der Staat nicht etwas, für das gekämpft werden sollte, der Staat ist nicht etwas, das man zu übernehmen versuchen sollte. Er ist etwas, das aufgelöst und zerstört werden sollte." Diese Aussage von Smith widerspricht offenbar ihrer Ansicht, Sharp sei ein Kalter Krieger, denn Kalte Krieger wollen ja unbedingt die Sicherheit ihres Staates festigen.

Davon abgesehen teile ich Smiths Sorge darüber, was geschieht, wenn man einen Diktator stürzt und nicht für die Zeit danach vorgesorgt hat. Diese Sorge war tatsächlich die Hauptmotivation für das Schreiben meines Buches über Revolution von 1973. Darin habe ich auf eben diesen Mangel hingewiesen und als Beispiele dafür spontane gewaltfreie Aufstände genannt, die einige Jahre zuvor stattfanden. Ich bot auch ein Stufenmodell an, mit dessen Hilfe sich eine revolutionäre Basisbewegung darauf vorbereiten kann, das Machtvakuum, das sie schaffen wird, mit einer neuen politischen und ökonomischen Ordnung auszufüllen, die funktionieren kann.

Smiths Behauptung, Sharp wäre gegen den Staat, widerspricht vollkommen einem wichtigen Teil seines Werkes. Auf Sharps Einladung hin nahm ich 1964 an der Civilian Defense International Study Conference an der Universität Oxford teil. Um mich herum waren lauter Leute, die mit ihren nationalen Regierungen auf sehr gutem Fuß standen, darunter auch der berühmte Captain B.H. Liddell-Hart, der seinen Lebensunterhalt mit der Beratung von Verteidigungsministerien verdiente.

Dort waren auch andere, die wie ich gleichzeitig Aktivisten und Akademiker sind bzw. waren. Die Idee, gewaltfreien Kampf zur nationalen Verteidigung anzuwenden, brachte uns zusammen. Wir waren uns einig, dass im Fall, dass eine andere Nation die unsere angreifen würde, der Staat seine Bevölkerung zur gewaltfreien Verteidigung anleiten sollte, wie es nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland geschah, als französische und belgische Soldaten einmarschierten und der deutsche Staat den gewaltlosen Widerstand anleitete.

Sharp entwickelte jahrelang die Soziale Verteidigung oder CBD (civilian-based defense), sogar in Zusammenarbeit mit baltischen und anderen Regierungen, die diese Politik für ihre eigene Verteidigung erforschten. Das neutrale Schweden und Österreich bezogen einige Elemente von sozialer Verteidigung in ihre Planung ein. Später veröffentlichte er das Buch mit dem Titel The Anti-Coup , das Staaten dabei unterstützen sollte, sich mit gewaltfreien Mittel zu verteidigen. Alles das widerspricht Smiths Behauptung, Sharp wäre darauf aus gewesen, alle staatlichen Autoritäten zu untergraben.

Woher kam diese Beschuldigung? Bei genauem Lesen wird die Angst der Autorin deutlich, die Macht des Volkes könnte sich gegen die Militärmacht eines Staates, den die Autorin unterstützt, durchsetzen. Wenn Regierungen, die sie unterstützt, gewaltfrei gestürzt werden, ist sie eindeutig bereit, das Sharp anzulasten, und das, obwohl Völker schon gewaltfreien Widerstand gegen Regierungen geleistet haben, bevor irgendjemand von Sharp auch nur gehört haben konnte.

Es ist ja gewiss ihr gutes Recht, eigene Meinungen z. B. über Mugabe in Simbabwe, Maduro in Venezuela und andere zu haben, die seit Jahren Gegenstand von Debatten zwischen uns Linken sind. Einige mögen z.B. eine Regierung zwar missbilligen, sie jedoch immer noch für das kleinere von zwei Übeln halten - das größere wäre die Beherrschung durch eine imperialistische Macht.

Marcie Smith möchte Sharp zwingen, solche Fragen zu erwägen, indem er Schlussfolgerungen aus seinen Schriften zieht, aber er war nun einmal an der ganz anderen Frage interessiert: "Wenn ein Volk sich entschließt, seine Regierung zu stürzen, möchtest du dann, dass sie erwägen, dazu gewaltfreie direkte Aktionen zu benutzen?" Solange ich Sharp kannte, sagte er zweierlei über diese Frage: Zwar sei es nie seine Aufgabe gewesen, Menschen zu sagen, ob sie ihre Regierung austauschen sollten oder nicht, es sei jedoch immer seine Aufgabe gewesen, eine vernünftige Theorie zu entwickeln, mit deren Hilfe sie eine gewaltfreie Strategie würden schaffen können, wenn das denn ihr Wunsch sei.

Ja, Sharp hat die Politik in der Welt beeinflusst. Wir können ihn jedoch nicht richtig einschätzen, wenn wir ihn, seine Rollenwahl und sein Lebensprojekt verstanden haben.

Er war gleichermaßen bescheiden und kühn. Bescheiden war er darin, dass er den Menschen nicht sagte, was sie tun sollten - in dieser Hinsicht ist Smiths Vorstellung von ihm völlig verfehlt. Seine Kühnheit lag darin, Werkzeuge der Gewaltfreiheit aufzufinden und zusammenzustellen, die Menschen zum Handeln befähigten, unabhängig davon, ob sie sich dafür entscheiden würden.

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler

George Lakey (geb. 1937) beteiligt sich seit sechs Jahrzehnten aktiv an Kampagnen der direkten Aktion. Vor Kurzem wurde er vom Swarthmore College emeritiert. Er leitete 1.500 Workshops auf fünf Kontinenten und Aktivisten-Projekte auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, erst kürzlich mit dem Earth Quaker Action Team. Er ist Autor einiger Bücher und Artikel und des Beitrags "Strategizing for a Living Revolution" in David Solnits Globalize Liberation (City Lights, 2004). 2016 erschien sein Buch Viking Economics und im Dezember 2018 gab das Melville House sein Buch How We Win: A Guide to Nonviolent Direct Action Campaigning heraus.

Quelle: Waging Nonviolence . Originalartikel: Will the real Gene Sharp please stepp forward?

Veröffentlicht am

29. Oktober 2019

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