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“Hoffnung ist etwas, das man schafft, indem man etwas tut.”

Von Michael Schmid - (aus: Lebenshaus Schwäbische Alb, Rundbrief Nr. 102, Sept. 2019 Der gesamte Rundbrief Nr. 100 kann hier heruntergeladen werden: PDF-Datei , 542 KB. Den gedruckten Rundbrief schicken wir Ihnen/Dir gerne kostenlos zu. Bitte einfach per Mail abonnieren .)

Im Einleitungsartikel zum Lebenshaus-Rundbrief Nr. 102 geht Michael Schmid auf die Ermutigung ein, die von engagierten Menschen ausgeht. Beispielhaft nennt er Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3, die schwedische Schülerin Greta Thunberg und Alexandria Ocasio-Cortez, US-Aktivistin und demokratische Kongressabgeordnete. Ermutigung sei gerade auch angesichts der besorgniserregenden Entwicklung erforderlich, nachdem mit dem INF-Vertrag das wichtigste nukleare Abkommen aus der Zeit des Kalten Krieges endgültig ausgelaufen ist.

Liebe Freundinnen und Freunde,

es gibt engagierte Menschen, die sehr ermutigend auf mich wirken. Oder auch herausfordernd. In manchen, die sich zumeist jahrzehntelang für eine Sache engagieren, sehe ich auch Vorbilder. Und es sind solche Persönlichkeiten, die wir mit ihrem Engagement in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt unserer Tagungen gerückt haben.

Es gibt aber durchaus auch Menschen der jungen Generation, die mich mit ihrem Handeln für eine bestimmte Sache begeistern.

Da ist zum Beispiel Carola Rackete, 31-Jährige Kapitänin der Sea-Watch 3. Sie ließ sich auch unter Strafandrohung und der harten Rhetorik von Italiens Innenminister Salvini nicht davon abhalten, das Richtige zu tun. Ertrinkende Menschen retten. Als sie mit ihrem Schiff nach einer tagelangen Odyssee mit 40 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen in den Hafen von Lampedusa einlief und kurz darauf medienwirksam verhaftet wurde, hatte sie internationale Bekanntheit erlangt und das Thema Seenotrettung ist in den Fokus gerückt. Außer viel Kritik und Hass gab es auch international sehr viele Solidaritätsbekundungen.

Oder die inzwischen 16jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg. Sie hatte alleine damit begonnen, gegen die Klimakatastrophe die Schule zu bestreiken. Sie fühlte sich sehr alleine, weil alle an ihr vorbeiliefen. Doch sie verlor ihren Mut nicht und dann ist der Funke auf andere übergesprungen. Daraus erwuchsen weltweite Schulstreiks gegen die Klimakatastrophe, die zur sozialen Bewegung Fridays for Future (FFF) angewachsen sind. Am 20. September findet ein weltweiter Klimastreik statt, der von Fridays for Future maßgeblich organisiert wird. Die Demos am 20. September sollen größer werden als alle bisherigen. Ausdrücklich werden alle Generationen zur Teilnahme aufgerufen. Erwartet wird, dass es Proteste weltweit und in rund 200 deutschen Städten geben wird. Und dabei ist es gerade ein Jahr her, seit Greta Thunberg alleine begonnen hat.

Oder Alexandria Ocasio-Cortez, US-Aktivistin und demokratische Kongressabgeordnete für New Yorks 14. Wahlkreis. Sie ist mit 29 Jahren die jüngste Abgeordnete, die je im US-Kongress saß. Ihr klarer Sieg bei den internen Vorwahlen der Demokraten über einen finanziell gut aufgestellten Gegenkandidaten war 2018 ein schwerer Schlag für die althergebrachte Politik. Im Februar legte sie dem US-Repräsentantenhaus ihren Vorschlag für einen Green New Deal vor und forderte darin ein "Netto-Null" an Treibhausgasausstoß binnen einem Jahrzehnt, eine "Wende weg von fossilen Treibstoffen" sowie eine Nachrüstung aller Gebäude in den USA zur Einhaltung der Energieeffizienzstandards. Sie setzt sich ein für die Überwindung der Armut und sie gibt Trump kräftig Kontra bei dessen rassistischen Äußerungen. Inzwischen hat sich die Demokratin durch ihre Positionen zumindest im linken Milieu des Trump-Amerika einen Kultstatus erworben.

Steigende Atomkriegsgefahr

Die Ermutigung, die von Menschen wie diesen ausgeht, tut gut. Gerade auch angesichts der deprimierenden Tatsache, dass in der Nacht auf den 3. August mit dem INF-Vertrag das wichtigste nukleare Abkommen aus der Zeit des Kalten Krieges endgültig ausgelaufen ist. Als Friedensbewegung hatten wir nicht unerheblich zum Zustandekommen dieses Vertrags beigetragen, in dem sich 1987 die USA und die damalige Sowjetunion zur vollständigen Abschaffung atomarer Kurz- und Mittelstreckenraketen in Europa verpflichtet hatten. Dieser INF-Vertrag ist Geschichte. Was jetzt folgt, ist äußerst besorgniserregend. "Der nun drohende Raketenwettlauf in Europa könnte noch weit gefährlicher werden als der in den 1970er und 1980er Jahren", warnt etwa der Journalist Andreas Zumach. Damals sei vor allem die neue Pershing-2-Rakete der USA wegen ihrer kurzen Flugzeit bis zu ihren sowjetischen Zielen Grund zur Sorge gewesen. "Die Waffensysteme, die heute in den USA und Russland in der Pipeline sind, lassen die Pershing-2 und die SS-20 alt aussehen", stellt er uns die neue Gefahr vor Augen. Es geht um milliardenteure Modernisierungsprogramme in allen Atomwaffenstaaten, die Entwicklung neuer (Mini-)Atomwaffen in den USA und die vielfältigen Gefahren der weiteren Verbreitung von Atomwaffen, mit denen das atomare Wettrüsten verschärft wird. Die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes steigt.

Auf Aufrüstungskurs

Auf der Militärbasis in Büchel in der Eifel befinden sich aktuell rund 20 US-Atombomben. Diese will die Trump-Administration ebenfalls "modernisieren". Und alle NATO-Bündnispartner der USA unterstützen ausdrücklich diese "Modernisierungsmaßnahme". Die Bundesregierung spricht sich zwar für eine Welt ohne Atomwaffen aus. Dafür wäre allerdings eine eigenständige Politik zur Abrüstung und Abschaffung aller Atomwaffen erforderlich. Diese beginnt damit, die jetzt in Büchel stationierten Atomwaffen ersatzlos abzuziehen und auf die "Nukleare Teilhabe" zu verzichten. Weiter muss die Bundesregierung endlich dem Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen beitreten und diesen ratifizieren.

Doch leider befindet sich die deutsche Regierung auf einem völlig anderen Kurs. Statt einer Abrüstungs- und Friedenspolitik setzt sie auf weitere Aufrüstung. Die neue "Verteidigungsministerin" Kramp-Karrenbauer eifert ihrer Vorgängerin nach und nennt als wichtigste Ziele ihrer angestrebten sicherheitspolitischen Maßnahmen eine Erhöhung des Verteidigungshaushaltes und öffentliche Gelöbnisse der Bundeswehrrekruten. Offensichtlich will sie die Kernforderungen von US-Präsident Trump erfüllen. Dieser fordert mit Vehemenz mehr Geld für die "Verteidigung" von seinen NATO-Partnern ein, insbesondere von Deutschland. Angeblich sind wir, "der Westen", in Gefahr und weil eine 16-fache Rüstungsüberlegenheit der NATO-Staaten gegenüber Russland nicht ausreichen soll, müssen "wir" weiter aufrüsten. Oder totrüsten?

Opfer mahnen Abschaffung der Atombombe an

Anfang August haben wir wieder der Opfer der verbrecherischen und verheerenden Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki gedacht. Am Kriegsende 1945 haben US-Bomber noch ihre grausamen Massenvernichtungswaffen eingesetzt. Mehrere hunderttausend Menschen starben unmittelbar oder in der Folgezeit an den ungeheuerlichen Auswirkungen dieser beiden Bomben. Bis heute mahnen uns die Toten und die an Spätfolgen leidenden Opfer dieser Abwürfe, die Hibakusha, dass wir auf eine Welt ohne Atomwaffen hinarbeiten. Ihr Vermächtnis: Entweder die Menschheit schafft die Atombombe ab oder die Atombombe die Menschheit.

In seinem Leitartikel "Atomwaffen - Zwei vor Zwölf" in der Süddeutschen Zeitung mahnt der Journalist Georg Mascolo: "Es fehlt eine machtvolle junge Generation, die sich für Abrüstung einsetzt, angeführt von einer charismatischen Persönlichkeit wie der jungen Schwedin Greta Thunberg." Doch die Jüngeren würde heute eine ganz andere Sorge als ihre Eltern politisieren und mobilisieren. Der Klimawandel treibe sie aus den Schulen und auf die Straße, nicht nur freitags. Diese existenzielle Gefährdung unserer Welt bekomme in diesen Tagen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdiene, so Mascolo. Doch das Ende des INF-Vertrages habe kaum jemand auf die Straße gebracht. Und so wirft er die Frage auf: "Was spricht dagegen, auf der nächsten Freitagsdemonstration ein Schild hochzuhalten, das nukleare Abrüstung fordert? … Gleichgültigkeit, wie sie … nach dem Ende des INF-Vertrages zu beobachten war, hat die atomare Bedrohung nicht verdient. Es wäre schön, bei jeder Freitagsdemo bald ein paar neue Schilder zu sehen." (SZ vom 3.8.2019)

Allerdings macht es meines Erachtens wenig Sinn, die jeweiligen Bedrohungen durch Klimawandel und Atomwaffen gegeneinander auszuspielen und ebenso wenig die Jungen gegen die Alten. Atomwaffenfreiheit und Klimagerechtigkeit sind elementare Friedensfragen und brauchen das generationenübergreifende Engagement von uns allen!

Hoffnung durch Handeln

Noch einmal zurück zu der oben erwähnten Alexandria Ocasio-Cortez. Gerade ihr Weg kann Mut machen. Sie war nach ihrem Studium aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten ihrer Familie gezwungen, in einem Restaurant zu arbeiten. Sie war deprimiert, fühlte sich machtlos gegenüber Gesellschaftsstrukturen, welche die Ärmeren arm halten und die Reichen reicher machen. "Eine Weile lang suhlte ich mich in Verzweiflung", erzählt sie. "Was tue ich hier? Ist das mein Leben? Arbeiten, dann nach Hause gehen und alles wieder von vorn?" Doch dann kam der Wendepunkt für sie. Die erste politische Aktion, an der sie teilnahm, sei enorm befreiend gewesen. "Es war eine Demonstration in Standing Rock in den Dakotas gegen eine Fracking-Pipeline. Es schien kaum möglich, dass wir etwas erreichen würden. Dort waren ganz normale Menschen, sie waren gekommen und standen auf dem Land, um zu verhindern, dass diese Pipeline an diesem Ort gebaut wird. Aber ich fühlte mich plötzlich extrem mächtig - allein dieser Schritt, gegen einige der mächtigsten Konzerne der Welt aufzustehen."

Rückblickend sagt die junge Frau: "Seit dieser Erfahrung weiß ich, dass Hoffnung nichts ist, das man hat oder nicht hat. Hoffnung ist etwas, das man schafft, indem man etwas tut. Hoffnung ist etwas, das man in der Welt bekunden muss. Und sobald eine Person Hoffnung hat, kann das ansteckend sein. Dann beginnen auch andere so zu handeln, wie man selbst es tut, wenn man glaubt, dass Veränderung möglich ist." (der Freitag, 28/2019)

Eine Garantie, dass jegliches politische Engagement erfolgreich ausgeht, gibt es natürlich nicht. Es gibt Dinge, für die sollten wir uns einsetzen, weil wir sie für wichtig halten, ganz gleich, wie das ausgeht. In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Kraft und Mut, die Dinge zu sehen, für die zu engagieren wir wichtig finden. Und uns dann entsprechend unseren Möglichkeiten dafür zu engagieren!

Herzliche Grüße

Euer / Ihr      
Michael Schmid

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Fußnoten

Veröffentlicht am

16. September 2019

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