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75 Jahrgedenken deutscher Massaker in Maillé

Sühne- und Solidaritätszeichen auch heute in Frankreich wichtig

pax christi Deutschland beteiligte sich mit einer kleinen Gedenk-Delegation zum 75. Jahrestag des Nazi-Massakers in Maillé. Gespräche fanden mit dem Bürgermeister von Maillé, Bernard Eliaume, und dem Leiter der Gedenkstätte, Romain Taillefait, sowie mit Überlebenden, bzw. Angehörigen und Zeitzeugen statt. Diese Gespräche waren für alle Beteiligten überaus intensiv und immer noch seelisch belastend. Offizielle Ansprachen von deutscher Seite sind in Maillé auch heute noch nicht möglich. Andererseits hatten sich ca. 20 Zeitzeugen bereit erklärt, ihre persönlichen Überlebensgeschichten den Mitgliedern der deutschen Delegation zu erzählen. Eine solche Begegnung hatte es noch nie in Maillé gegeben. Wir lernen hier, wie belastend auch heute noch die Vergangenheit für die Opfer und die Zeitzeugen ist. Das zeigt wie wichtig die Fortsetzung dieser Versöhnungs-Arbeit ist.

Zur Delegation gehörten die Geistlichen Beiräte der deutschen pax christi-Sektion Horst-Peter Rauguth und des pax christi-Diözesanverbandes Berlin Reinhard Herbolte, Prof. Dr. Friedhelm Boll aus dem pax christi-Wissenschaftlichen Beirat, der auch Mitglied der Initiative "Gegen Vergessen. Für Demokratie e.V." ist, Barbara Häussler aus Würzburg und Susanne Deufel-Herbolte aus Berlin.

In Maillé (Mittelfrankreich, Nähe Tours) hatte am 25.8.1944 ein grausames Massaker der SS-Einheit Götz von Berlichingen stattgefunden. Dieses Massaker war nach Oradour sur Glan das zweitschwerste an der Zivilbevölkerung in Frankreich. Die Erinnerung ging nach dem Wiederaufbau des Dorfes weitgehend verloren, weil Frankreich sich der am gleichen Tag stattgefundenen Befreiung der Hauptstadt Paris zuwandte. In der Freude über die Befreiung war kein Platz für die Trauer der Gemeinde Maillé. Dort waren 124 Menschen, überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen im Alter zwischen 3 Monaten und 89 Jahren auf scheußliche Weise ermordet worden, weil die SS für ein Scharmützel mit dem französischen Widerstand Rache nehmen zu müssen glaubte.

Während die Wehrmacht alle Zugänge nach Maillé absperrte, kämmte eine Einheit der Waffen-SS sukzessive die Häuser des Dorfes durch, brachte Menschen und Tiere auf grausame Weise um und steckte anschließend die Häuser in Brand. Danach wurde das Dorf zusätzlich mit 80 Mörsergranaten bombardiert, sodass nur acht von sechzig Häusern unversehrt blieben.

Erst 50 Jahre später bildete sich eine Vereinigung Pour le Souvenir de Maillé, die heute vom letzten noch aktiven Zeitzeugen, Serge Martin, geleitet wird.

Quelle:  pax christi Deutschland - Pressemitteilung vom 03.09.2019.

Veröffentlicht am

04. September 2019

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