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Lahr und die Atombombe

Von Klaus Schramm

Was lange Zeit vermutet wurde, ist jetzt bewiesen: Der Historiker Werner Schönleber hat Dokumente entdeckt, die belegen, dass in der Zeit des Kalten Krieges in Lahr Atombomben zum Einsatz gegen die UdSSR bereit gehalten wurden. In den Reihen der Friedensbewegung galt dies in den 1980er-Jahren als offenes Geheimnis, obwohl die Existenz der Atombomben lange Zeit dementiert wurde. Auch die Lahrer Oberbürgermeister wussten nach eigenem Bekunden nichts. In Büchel (Rheinland-Pfalz) befinden sich bis heute US-amerikanische Atombomben.

Lahr war bis 1994 Hauptquartier des kanadischen Militärs in Europa und der Lahrer Flugplatz daher zugleich ein wichtiger NATO-Stützpunkt. Das Forschungsinstitut für Friedenspolitik in Starnberg stellte bereits in den 1980er-Jahren wissenschaftliche Recherchen über die vermuteten Atomwaffen an - ohne Beweise finden zu können. Die militärischen Stellen und die Regierungen dementierten stets, dass es Atombomben in Lahr gegeben habe.

Zur Wartung wurden damals die Atombomben aus Lahr sogar per Flugzeug zu anderen NATO-Stützpunkten geflogen und wieder zurückgebracht. Am 17. Januar 1966 waren über Spanien mehrere US-amerikanische Militärflugzeuge bei einem Betankungs-Manöver in der Luft kollidiert und abgestürzt. Dabei gingen vier Wasserstoff-Bomben vom Typ B28RI mit je 1,45 Megatonnen Sprengkraft (dem 5000-fachen der Hiroshima-Bombe) zu Boden. Zwei der Bomben zerschellten. Glücklicher Weise kam es zu keiner thermonuklearen Explosion. Plutonium aus den Bomben verteilte sich aber auf dem Gebiet der Gemeinde Palomares. In einer dreimonatigen Geheim-Aktion wurden rund 1.400 Tonnen radioaktiv verseuchter Erdboden abgetragen und mit dem Schiff USNS Boyce nach Aiken, South Carolina auf das Gelände der Savannah River Site gebracht. Noch zwanzig Jahre später kämpften die BewohnerInnen des Dorfes um die Veröffentlichung der Wahrheit. Am 7. November 1985 berichtete die Züricher ‘Weltwoche’ hierüber unter der Überschrift: "In Spanien wird ein Nuklear-Skandal vertuscht". Nachmessungen im Jahr 2004 offenbarten eine weiterhin hohe Radioaktivität im Erdreich einiger Flächen in der Umgebung von Palomares.

Der Lahrer Flugplatz war ab Februar 1969 mit dem von Zweibrücken verlegten Geschwader 430 belegt. Von daher lag schon damals die Vermutung nahe, dass damit auch US-amerikanische Atombomben vom Typ MK 28 und MK 57 für den Einsatz in einem Atomkrieg gegen die UdSSR in Lahr stationiert waren. Michail Gorbatschow, früherer Staats-Chef der UdSSR, der 1987 mit US-Präsident Ronald Reagan den INF-Vertrag zur Abrüstung von atomaren Mittelstreckenraketen vereinbart hatte, warnte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder öffentlich vor der Gefahr des Atomkriegs aus Versehen. Allein in seiner Amtszeit (1985 bis 1991) war es laut Aussage Gorbatschows mindestens drei Mal nur ganz knapp gut gegangen und nur mit viel Glück habe der Atomkrieg noch verhindert werden können.

Der Historiker Werner Schönleber hat nun aufgedeckt, dass bereits während der Zeit von 1962 bis 1969 die französische Luftwaffe auf dem militärischen Flugplatz Lahr Atombomben einsatzbereit hielt. Die Wartung der Atombomben erfolgte schon damals durch ein 20-köpfiges US-amerikanisches Spezial-Kommando, das ebenfalls in Lahr stationiert war. Die Militärjets, mit denen damals der Abwurf der Atombomben geübt wurde, stellten die französische und die kanadische Luftwaffe.

Laut den vorliegenden Dokumenten wurden damals mehrere atomar bewaffnete Militärjets in einer geheim gehaltenen Zone des Lahrer Flugplatzes rund um die Uhr in Bereitschaft gehalten. Den stets streng bewachten Maschinen durfte sich in dem geheim gehaltenen Hangar niemals jemand alleine nähern. In der kanadischen Phase handelte es sich bei den Jets um die häufig durch Abstürze für Aufsehen sorgenden Starfighter. Von insgesamt 916 Starfightern der Bundeswehr wurden 269 durch Abstürze zerstört.

Am 26. März 2010 beschloss der Deutsche Bundestag mit "übergroßer" Mehrheit (wie es damals in den Mainstream-Medien hieß) in einer Entschließung den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland. Doch nach wie vor befinden sich US-amerikanische Atombomben auf dem Fliegerhost Büchel in der Eifel. Hübscher konnte vor neun Jahren kaum aufgezeigt werden, dass es sich bei der BRD um einen Satelliten-Staat der USA handelt.

Quelle:  Friedensforum Lahr .- 05.07.2019.

Veröffentlicht am

19. Juli 2019

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