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Margot Käßmann: “Zum Frieden aufrufen ist Aufgabe der Kirchen”

Rund 1000 Christinnen und Christen haben am Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in der Eifel deutlich vernehmbar ihre Stimme erhoben für den Frieden und für eine atomwaffenfreie Welt. Genau zwei Jahre nach der Unterzeichnung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags feierten sie vor dem Toren des Luftwaffenstützpunktes, wo die letzten Atomwaffen in Deutschland lagern, einen Gottesdienst, unterstrichen aber auch die Forderung nach einer baldigen nuklearen Abrüstung.

"Im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen kann niemand mehr Krieg als ein Werkzeug Gottes sehen", betonte Margot Käßmann in ihrer mit viel Beifall aufgenommenen Predigt. Angesichts einer beginnenden nuklearen Aufrüstung und der Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen sei es an der Zeit, sich für die Überwindung von Hass und Krieg, aber auch für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen, machte die frühere EKD-Ratsvorsitzende und ehemalige hannoversche Landesbischöfin in Büchel deutlich.

"Wenn wir heute hier gegen diese Waffen demonstrieren, ist das keine Demonstration gegen die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und ihre Angehörigen. Es ist eine Demonstration gegen die Politik, die ihnen zumutet, mit dieser immensen Gefahr zu leben und sie nötigen könnte, diese Waffen einzusetzen", betonte Margot Käßmann. Das wäre absolut unverantwortlich, niemand solle gedrängt werden, eine solche entsetzliche Schuld auf sich zu laden, so die frühere EKD-Ratsvorsitzende im ökumenischen Gottesdienst in Büchel.

1948 hätten die Kirchen der Welt erklärt, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein solle. "Gewalt und Krieg können nicht mit Gottes Willen legitimiert werden, das haben die Kirchen nach Jahren der Legitimation von Gewalt endlich begriffen", so Margot Käßmann. Religion dürfe sich nicht missbrauchen lassen, um Öl in das Feuer ethnischer, religiöser, nationaler oder wirtschaftlicher Konflikte zu gießen. "Es gibt keinen gerechten Krieg, nur gerechten Frieden. Und zum Frieden rufen ist Aufgabe der Kirchen", machte sie in Büchel deutlich.

Margot Käßmann betonte in ihrer Predigt, dass zivile Mittel immer Vorrang vor militärischen haben müssten. "Wer aber sieht, wie pazifistische Positionen in Frage gestellt sind, ja lächerlich gemacht werden, wie militärische Einsätze mit humanitären Zielen begründet werden, dass Deutschland zu einer Rüstungsexportnation aufgestiegen ist, die auch in Krisengebiete liefert, dem wird bewusst: Es gilt, wach und wachsam und widerständig zu bleiben", mahnte die frühere Bischöfin. Dazu müssten Kriegsgegner international zusammenarbeiten und zivile Methoden der Konfliktbearbeitung müssten mehr Gehör erhalten.

"Warum nur wird das Heil weiter im Militär gesucht, wenn wir doch alle, alle wissen, dass mehr Rüstung nicht mehr Frieden bringt, sondern Krieg wahrscheinlicher macht", fragte Margot Käßmann in Büchel. Dabei motiviere der christliche Glauben, sich für den Frieden zu engagieren. Und sie betonte: "Am Ende sind es die Gewaltlosen, an die mit Würde erinnert wird, nicht die Kriegstreiber."

Unterstützung in ihrer Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt erhielt der kirchliche Aktionstag, zu dem Christinnen und Christen aus mehreren evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Friedensorganisation Pax Christi aufgerufen hatten, vom EKD-Ratsvorsitzenden und bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. "Ich bin dankbar dafür, dass Sie mit Ihrer Demonstration in Büchel auf etwas hinweisen, was viel zu wenig in der deutschen Öffentlichkeit bekannt ist", heißt es in einem in Büchel verlesenen Grußwort. Auch in Deutschland würden nach wie vor Atomwaffen lagern, die mit hohem Milliardenaufwand modernisiert würden. "Angesichts ihrer ungeheuren Zerstörungsgewalt ist das absurd", unterstrich der EKD-Ratsvorsitzende. Er unterstütze daher ausdrücklich die UN-Initiative zur weltweiten Ächtung der Atomwaffen. Das Chemiewaffenverbot habe gezeigt, dass von einer solchen völkerrechtlichen Ächtung ein Delegitimationseffekt ausgehe, der den Druck zum Abbau dieser schrecklichen Waffen erhöht, betonte Landesbischof Bedford-Strohm und sagte: "Danke für Ihren Protest! Ich hoffe, dass viele Menschen ihn wahrnehmen!"

Der Gottesdienst war eingebettet in ein buntes Programm mit Redebeiträgen, Liedern, Gedichten und Aktionen. Ralf Becker informierte über das von der badischen Landeskirche entwickelte Szenario einer zivilen Sicherheitspolitik. Pfarrer Dr. Matthias Engelke wies auf seine Fastenaktion in Büchel hin, mit der er seit Jahren auf die nuklearen Gefahren hinweist.

Die Wiese vor dem Haupttor des Fliegerhorstes vermittelte einen Hauch von Kirchentagatmosphäre. Schon die Tage davor hatten die beiden Friedensnobelpreisträger, die Organisation Ärzte gegen Atomwaffen (IPPNW) und die internationale Kampagne für das Verbot von Atomwaffen (ICAN), ein Aktionsfestival organisiert, mit kreativen Workshops. Künstler wie die japanische Schauspielerin Sachiko Hara, oder Cavin Collins aus den USA beeindruckten mit ihren Darbietungen. Eine große Performance mit 20 Bombenattrappen machte zudem sichtbar, was hinter dem Militärzaun in Bunkern geheim gelagert ist. Verbunden mit der Forderung an die US-Regierung, die Bomben aus Büchel und Deutschland abzuziehen.

Christian Keimer, Bürgermeister der Stadt und der Verbandsgemeinde Kastellaun und seit kurzem Mitglied bei den "Mayors for Peace", unterstützte die Forderung nach einem Abzug von Atomwaffen aus Deutschland. "Wir im Hunsrück, wo in den 1980-er Jahren Atomraketen stationiert wurden, sehen uns in der Verpflichtung, gerade auch jungen Menschen mitzuteilen, wie wichtig es ist, sich schon frühzeitig gegen Atomwaffen zu wehren", meinte er. Er kenne das Argument vieler Kommunalpolitiker von der wirtschaftlichen Abhängigkeit einer Region durch das Militär. "Aber angesichts der tödlichen Bedrohung durch Atomwaffen kann es für mich da nur eine Wahl geben, nämlich gegen Atomwaffen zu sein", unterstrich er.

Roland Blach, der Koordinator der bundesweiten Kampagne "Büchel ist überall - atomwaffenfrei.jetzt" wies darauf hin, dass der Protest gegen die Atomwaffen in Büchel schon seit Juni 1996 andauere. Aus einer damaligen Einzelaktion sei ein Bündel von Aktivitäten geworden. "Und heute sind wir so viele Menschen. Das berührt, bewegt, gibt Kraft und ermutigt", machte er deutlich.

"Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens, das erhoffen wir heute", meinte Margot Käßmann. Im Friedenspark von Hiroshima gebe es eine Flamme, die erst erlöschen soll, wenn die letzte Atombombe vernichtet worden sei. "Ich bleibe bei der Hoffnung, dass diese Flamme eines Tages erlischt", machte sie deutlich und fügte hinzu: "Dieser Tag hier in Büchel macht ganz viel Mut."

Im vergangenen Jahr hatten am ersten Kirchlichen Aktionstag in Büchel mehr als 500 Christinnen und Christen teilgenommen. Damals hatte der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms die Bundesregierung nachdrücklich dazu aufgefordert, sich dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag anzuschließen und alles dafür zu tun, dass die letzten Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden.

Die Projektgruppe "Kirchen gegen Atomwaffen" hat sich im Dezember 2017 auf Initiative des badischen Forums Friedensethik gebildet. Ihr gehören derzeit Christinnen und Christen aus den Evangelischen Landeskirchen in Baden, Bayern, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, der Pfalz, dem Rheinland und Württemberg an, ebenso nehmen Mitglieder der katholischen Friedensbewegung Pax Christi an den Treffen teil.

Quelle: Evangelische Friedensarbeit - Pressemitteilung vom 07.07.2019.

Veröffentlicht am

08. Juli 2019

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