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“Fridays for Future” - Massenbewegung von Jugendlichen macht Hoffnung

Von Michael Schmid (aus: Lebenshaus Schwäbische Alb, Rundbrief Nr. 101, Juni 2019 Der gesamte Rundbrief Nr. 101 kann hier heruntergeladen werden: PDF-Datei , 758 KB. Den gedruckten Rundbrief schicken wir Ihnen/Dir gerne kostenlos zu. Bitte einfach per Mail abonnieren .)

In der Einleitung zum Lebenshaus-Rundbrief Nr. 101 geht Michael Schmid auf das erfreuliche Engagement junger Menschen für das Klima mit ihrer Bewegung "Fridays for Future" ein. Dadurch gebe es seit einigen Monaten wieder richtig Wirbel um die Klimaproblematik. Das sei wichtig, weil wir mittendrin im Klimawandel und dessen Auswirkungen stecken würden. Letztlich bräuchten wir allerdings für ein Überleben auf unserem Planeten Erde die Überwindung des Kapitalismus. Dessen ständiges Wachstum funktioniere nur durch eine Ausbeutung von menschlichen und natürlichen Ressourcen und sei eine tödliche Bedrohung für Mensch und Natur. Das ins Spiel gebrachte "grüne Wachstum" oder ein "grüner Kapitalismus" sei eine Illusion. Es brauche also grundlegende strukturelle Veränderungen der Gesellschaft und Wirtschaft.

Liebe Freundinnen und Freunde,

seit einigen Monaten gibt es wieder richtig Wirbel ums Klima. Begonnen hat das mit einem Schulstreik für das Klima der damals fünfzehnjährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg im August vergangenen Jahres. Die taz berichtete damals darüber, wie Greta in Stockholm auf dem Bürgersteig vor dem Reichstagsgebäude saß, dem schwedischen Parlament. Neben sich ihr Schulrucksack, eine Trinkflasche und ein Schild: "Skolstrejk for klimatet", "Schulstreik für das Klima". Sie blieb dort rund drei Wochen lang sitzen bis zu den schwedischen Parlamentswahlen am 9. September: "Es ist mein Protest dagegen, dass kein Politiker die Klimafrage so ernst nimmt, wie sie genommen werden muss." Greta klagte Politiker wegen Lügen und Nichtstun an: "Was ihr tut oder nicht tut, wird mein ganzes Leben bestimmen und das meiner Kinder und Enkel."

Dass sie damals, als sie zunächst alleine vor dem Reichstag saß, auch schon auf eine breite Bewegung gehofft haben dürfte, kann angenommen werden. Denn Greta Thunberg erklärte später, ihr Vorbild seien die Proteste für schärfere Waffengesetze in den USA gewesen. Nachdem dort ein 19-Jähriger in einer Schule in Parkland 17 Schülerinnen und Schüler getötet hatte, haben Schülerinnen und Schüler aus Parkland eine beispiellose Protestbewegung gestartet. Ihr Ziel: Es soll endlich schärfere Waffengesetze in den USA geben. "Marsch für unsere Leben" - unter diesem Motto gingen am 24. März quer durch die USA weit mehr als eine Million Menschen auf die Straße! Alleine an der zentralen Kundgebung in der Hauptstadt Washington, die von Jugendlichen organisiert wurde, nahmen rund 800.000 Menschen teil. Dies fand weltweite Beachtung und Anerkennung.

Mit ihrem eindeutigen Handeln und ihrer klaren, bildhaften Sprache hat Greta sehr viele Menschen erreicht und bewegt. Als sie im Januar - inzwischen international schon sehr bekannt geworden - beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagte: "Ich will, dass ihr in Panik geratet. Handelt, als ob euer Haus brennt, denn es brennt" -, hat das vermutlich viel mehr Menschen betroffen gemacht als die bloßen Klimafakten.

In kurzer Zeit hat sich aus einer Aktion von Greta Thunberg eine weltweite Bewegung Hunderttausender entwickelt. Seit Monaten gehen Jugendliche freitags fürs Klima auf die Straße statt in die Schule oder die Uni. Was zunächst nur ihr Schlagwort in den sozialen Medien war, ist schnell zu ihrem Namen geworden: "Fridays for Future" .

Wenn das Klima kollabiert

Das Engagement der jungen Menschen für das Klima ist erfreulich und wichtig. Denn wir stecken mittendrin im Klimawandel und dessen Auswirkungen. Polkappen und Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Überschwemmungen oder Stürme zerstören Hab und Gut der Menschen, steigende Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, langanhaltende Dürren oder sintflutartige Regenfälle verringern und vernichten die Ernten.

Laut der US-Wetterbehörde NOAA hat sich die Erde von 1881 bis 2015 weltweit durchschnittlich um ein Grad Celsius erwärmt, in Deutschland sogar um 1,4 Grad. Je wärmer die Meere werden, desto mehr Wasser verdunstet. Je höher die Lufttemperatur, desto mehr Wasser nehmen die Wolken auf. Hitzewellen und Dürren ebenso wie Starkregenfälle können dadurch häufiger und heftiger ausfallen.

Schon jetzt leiden in Europa einige Regionen an Verlust des Bodens durch Trockenheit. Heiße, trockene Sommer dörren den Boden aus. Die Stauseen führen weniger Wasser, Flüsse verkümmern zu Rinnsalen, es herrscht Wassermangel. Felder und Wälder brennen. Der Hitzesommer 2003 hat in der EU über 70.000 Menschenleben gefordert. Bei einer globalen Erwärmung um weitere drei Grad und häufigeren Hitzeperioden rechnet die Europäische Umweltagentur (EUA) bis 2100 mit zusätzlichen 86.000 Toten pro Jahr. Auch 2018 war wieder ein außergewöhnlich heißes und trockenes Jahr. Seit vielen Jahren häufen sich immer neue Hitzerekorde. In Deutschland folgen sogenannte Jahrhunderthochwasser in immer kürzeren Abständen aufeinander.

Auf der Flucht

Doch die Folgen des Klimawandels treffen die in Armut lebenden Menschen in den Ländern des Südens am stärksten. Für sie vollzieht sich bereits eine Klimakatastrophe. Das veränderte Klima verschärft Hunger und Armut und treibt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. So kommt eine Greenpeace-Studie von 2017 zu dem Ergebnis, dass schon heute jährlich 21,5 Millionen Menschen auf der Flucht sind, weil ihre Heimat durch die Klimakatastrophe keine ausreichenden Lebensbedingungen mehr bietet - das sind mehr als doppelt so viele, wie jedes Jahr durch Krieg und Gewalt in die Flucht getrieben werden. In den kommenden 30 Jahren ist mit rund 200 Millionen Flüchtlingen zu rechnen. Aber diese Menschen kommen im internationalen Flüchtlingsrecht nicht vor.

Obwohl sie kaum zu der Katastrophe beigetragen haben, werden gerade die Länder des Südens vom veränderten Klima besonders hart betroffen. Dabei haben große Industrienationen den größten Anteil an der Verschmutzung der Atmosphäre mit Kohlendioxid. Doch sie haben zudem die finanziellen Mittel, sich besser vor den Folgen der Katastrophe zu schützen.

Klimawandel nicht aufhaltbar

Nein, aufhalten können wir den Klimawandel nicht mehr. Doch seine schlimmsten Folgen können wir noch verhindern - wenn wir jetzt die Notbremse ziehen. Doch wer zieht diese? Die weltweiten CO2-Emissionen sind 2018 auf Rekordniveau angestiegen und in Deutschland sind die Klimaschutzaktivitäten seit Jahren zum Stillstand gekommen. Politikerinnen und Politiker reden, reden, reden - und handeln kaum, jedenfalls längst nicht so, wie es dringend erforderlich wäre. Mit großen Schritten rast der Planet Erde in eine für die menschliche Existenz unbeherrschbare Heißzeit.

Diese fast völlige Tatenlosigkeit von Politikerinnen und Politikern hängt auch damit zusammen, dass es für sie weitgehend Tabu ist, unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem in Frage zu stellen. Doch da zur Grundstruktur des Kapitalismus ständiges Wachstum gehört, lässt uns das unaufhaltsam in die Katastrophe taumeln.

Kapitalismus mit seiner Wachstumslogik überwinden

George Monbiot, britischer Journalist, Autor, Universitätsdozent, Umweltschützer und Aktivist, stellt fest, da "das Ausmaß an wirtschaftlicher Aktivität so lange zunimmt, bis der Kapitalismus alles durchdringt, von der Atmosphäre bis zum Meeresgrund, wird der gesamte Planet zu dem Bereich", welcher der "profitmachenden Maschine" geopfert werde. "Das treibt uns in einem derartigen Ausmaß der Katastrophe entgegen", unterstreicht er, "dass die meisten Menschen es sich überhaupt gar nicht vorstellen können. Uns droht ein wesentlich größerer Zusammenbruch unseres lebenserhaltenden Systems als Kriege, Hungersnöte, Seuchen oder Wirtschaftskrisen allein ihn je verursachen könnten - selbst wenn er wahrscheinlich alle diese vier Plagen mit beinhaltet. Gesellschaften können sich von solch apokalyptischen Ereignissen wieder erholen, nicht aber vom Verlust von Lebensraum, einer artenreichen Biosphäre und einem lebensfreundlichen Klima."

Für ein Überleben auf unserem Planeten Erde brauchen wir letztlich die Überwindung des Kapitalismus. Dessen ständiges Wachstum funktioniert nur durch eine Ausbeutung von menschlichen und natürlichen Ressourcen. Deshalb ist der ausufernde Kapitalismus, der sich immer weiter breit macht, eine tödliche Bedrohung für Mensch und Natur. Das ins Spiel gebrachte "grüne Wachstum" oder ein "grüner Kapitalismus" ist eine Illusion. Es braucht also grundlegende strukturelle Veränderungen der Gesellschaft und Wirtschaft. Von daher gilt es, dringend Alternativen zu suchen und eine Umgestaltung von einer lebenszerstörenden zu einer lebensdienlichen Wirtschaft einzuleiten.

Doch wie schwierig alleine schon das Nachdenken darüber ist, zeigen die hysterischen Reaktionen auf die durchaus moderaten Interview-Äußerungen des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, in denen er laut über eine Kollektivierung großer Unternehmen nachdachte. Offensichtlich hat er damit das Tabu gestört, "die Zukunft anders zu verstehen als wir es uns angewöhnt haben und nun mit quasi-religiöser Inbrunst beschwören - nämlich als eine permanente Gegenwart", wie der SPIEGEL-Autor Nils Minkmar interpretiert.

"Fridays for Future"

Dass es mit der herrschenden Politik und Wirtschaftsweise nicht einfach weitergehen kann, erkennen nun mehr und mehr Schüler und Schülerinnen der "Friday for Future"-Bewegung. Freitag für Freitag bestreiken sie den Schulunterricht und weisen stattdessen auf ihre Existenzgefährdung hin. An einzelnen Streiktagen sind alleine in Deutschland schon bis zu 300.000 Kinder und Jugendliche auf der Straße gewesen, weltweit sind es Millionen. Dabei übertreten die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Schulstreik die typischen Grenzen der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche: "Hier Schule, da Freizeit"; "hier lernen, da demonstrieren." Es geht darum, Zusammenhänge aufzuzeigen und herzustellen. Dafür stehen die Schülerinnen und Schüler unbeirrt ein.

Diese neue internationale Massenbewegung von Jugendlichen macht Hoffnung. Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler, inzwischen immerhin 85 Jahre alt, zeigt sich begeistert: "Diese jungen Menschen zeigen, dass sie das große Artensterben, das rücksichtslose Abholzen der Regenwälder oder das Ausbreiten der Wüsten nicht kalt lässt. Sie sehen, welch schreckliche Folgen der Klimawandel für Millionen von Menschen hat und sie haben begriffen, dass entweder wir das System des Ressourcenraubs und der Profitmaximierung zerstören, oder dass es unsere Lebensgrundlagen zerstört. Sie rütteln die Politik auf, sich vom Diktat der Konzerne zu befreien."

Dass sich Erwachsene mit den Jugendlichen solidarisieren und ihnen den Rücken stärken, ist dringend erforderlich. Denn der Versuch von Politikern, diese Protestbewegung mit Androhung von Verweisen und anderen Schulstrafen wegen Missachtung des Streikverbotes einzuschüchtern, darf keinen Erfolg haben. Bestärken wir alle den Widerstandsgeist unserer Kinder und Enkel! Es ist gut, dass sich inzwischen über 40.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt als "Scientists for Future" zusammengeschlossen haben und hinter die demonstrierenden Jugendlichen stellen; auch "Parents for Future" gibt es schon.

Was kann Hoffnung machen?

Natürlich wird es noch ein weiter Weg sein, um eine grundlegende Wende zustande zu bekommen. Es wird noch viel Anstrengung benötigen, dass Politikerinnen und Politiker eines Tages nicht mehr daran festhalten, alles der kapitalistischen Profitlogik zu unterwerfen und sich deshalb gegen die Natur und soziale Belange entscheiden.

Was kann da Hoffnung machen? Noch einmal Jean Ziegler, der in zahlreichen Büchern dazu aufruft, die "kannibalische Weltordnung" zu stürzen und eine Welt der sozialen Gerechtigkeit zu errichten, der seine Hoffnung so ausdrückt: "Ich kann nur sagen, dass ein neues historisches Subjekt entstanden ist, die planetarische Zivilgesellschaft. Das sind die vielen kleinen und großen sozialen Bewegungen, die sich gegen Umweltzerstörung, Folter und Spekulation einsetzen und für die Rechte von Kleinbauern und die Gleichberechtigung von Frauen. Da kommen Menschen aus allen sozialen Klassen, Denkschulen und Altersgruppen zusammen, die der vielerorts herrschenden Unmenschlichkeit etwas entgegensetzen wollen."

Dabei kommt es auf jede und jeden von uns an. "Entweder wir ändern diese Welt oder niemand tut es." (Ziegler) Als Lebenshaus Schwäbische Alb fühlen wir uns verbunden mit diesem weltweiten zivilgesellschaftlichen Netzwerk, innerhalb dessen wir ein kleiner Knotenpunkt sind.

Herzliche Grüße

Euer / Ihr 

Michael Schmid

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Fußnoten

Veröffentlicht am

13. Juni 2019

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