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Leonard Boff: Auferstehung des Gefolterten und Gekreuzigten

Von Leonardo Boff

Dieses Jahr feiern wir Ostern im Kontext eines Staates, in dem fast jeder durch eine extrem rechtsgerichtete Regierung mit radikal neoliberalen sozialpolitischer Politik erstickt wird. Dies ist eine erbarmungslose und herzlose Regierung, die den Fortschritt und die Rechte von Millionen von Arbeitern und Menschen anderer sozialen Kategorien zerstört. Die Regierung verkauft die Naturgüter, die zur Souveränität des Landes gehören. Sie akzeptiert die Wiederkolonisierung Brasiliens und versucht, unseren Reichtum auf kleine, mächtige Gruppen im In- und Ausland zu übertragen. Sie hat weder Solidarität noch Empathie für die Ärmsten oder diejenigen, deren Leben von Gewalt und sogar vom Tod bedroht ist, weil sie in den Favelas leben, Schwarze, Indigene, Quilombolas sind oder eine andere sexuelle Orientierung haben.

Auf Reisen durch dieses Land und durch andere Teile der Welt hörte ich oft Wehgeschrei aus Schmerz und Empörung. Das war für mich als hörte ich die heiligen Worte: "Ich habe die Unterdrückung meines Volkes gesehen, ich habe den Schrei gehört, der von ihren Unterdrückern verursacht wurde, und ich kenne ihre Angst. … Ich werde sie befreien und aus diesem Land hinausführen und in ein schönes, weites Land führen…". (Ex 3,7-8)

Gott legt seine Transzendenz ab ("Gott über allem"), kommt herab und schließt sich den Unterdrückten an, um ihnen zu helfen, den Schritt (Schritt=paso=pessach=pascua=Ostern) zu machen aus der Unterdrückung hin zur Befreiung.

Es ist erwähnenswert, dass einem Staatsoberhaupt etwas Bedrohliches und Perverses anhaftet, der Folterknechte lobt, blutige Diktatoren preist und es für einen bloßen Unfall hält, wenn ein Schwarzer, ein Familienvater, mit 80 Kugeln gespickt ist, die vom Militär abgefeuert wurden. Darüber hinaus schlägt er eine Begnadigung für diejenigen vor, die den Holocaust verübten und 6 Millionen Juden töteten. Wie kann man von Auferstehung im Zusammenhang mit jemandem sprechen, der einen mehrjährigen "Karfreitag" der Gewalt predigt? Die Namen Gottes und Jesu sind immer auf seinen Lippen, aber er vergisst, dass wir die Erben eines politischen Gefangenen sind, der verleumdet, verfolgt, gefoltert und gekreuzigt wurde: Jesus von Nazareth. Was er tut und sagt ist Spott, verschlimmert durch die Unterstützung von Pastoren aus den neupfingstlichen Kirchen, deren Botschaft wenig oder gar nichts mit dem Evangelium Jesu zu tun hat.

Trotz dieser Infamie wollen wir Ostern feiern, das Fest des Lebens und der Blüte, wie das des halbtrockenen Nordens: Nach einigem Regen ist alles wieder auferstanden und wird wieder grün.

Das jüdische Volk, das in Ägypten versklavt war, ertrug die Überquerung großer Entfernungen, einen Exodus von der Knechtschaft in die Freiheit, als es "zu einem schönen, weiten Land ging, in dem Milch und Honig fließen" (Symbole der Gerechtigkeit und des Friedens: Ex 3,8). Das jüdische "Pessach" (Ostern) feiert die Befreiung eines ganzen Volkes, nicht nur das von Einzelpersonen.

Das christliche Ostern ergänzt und erweitert das jüdische Pessach. Ostern feiert die Befreiung der ganzen Menschheit durch die Hingabe Jesu, der die ungerechte Verurteilung des Kreuzestodes akzeptierte. Dieses Urteil war ihm auferlegt, nicht vom Vater der Güte, sondern als Folge seiner befreienden Praxis unter den Unterprivilegierten seiner Zeit, und weil er eine andere Vision des Gott-Vaters darbot: eines guten und barmherzigen, nicht eines strafenden Gottes mit strengen Normen und Gesetzen. Dies war für die Orthodoxie dieser Epoche inakzeptabel. Jesus von Nazareth starb in Solidarität mit allen Menschen und ebnete den Weg zum Gott der Liebe und Barmherzigkeit.

Das christliche Ostern feiert die Auferstehung des Gefolterten und Gekreuzigten. Jesus verwirklichte den Übergang und den Exodus vom Tod zum Leben. Er kehrte nicht in das Leben zurück, das er zuvor hatte und das so begrenzt und sterblich war wir unseres. In Jesus entstand eine andere Lebensweise, die nicht mehr dem Tod unterworfen ist, die die Verwirklichung aller dort (und in uns) vorhandenen Potenziale darstellt. Das, was allmählich durch die Prozesse der Kosmogenese und Anthropogenese im Entstehen war, erreichte durch seine Auferstehung eine solche Fülle, dass es schließlich geboren war. Wie der französische Theologe Pierre Teilhard de Chardin sagte, implodierte und explodierte der vollständig verwirklichte Jesus in Gott. Paulus, der sowohl perplex als auch bezaubert war, nannte ihn "novissimus Adam" (1Kor 15,45), den neuen Adam, die neue Menschheit. Wenn der Messias auferstanden ist, dann nimmt seine Gemeinde, nämlich wir alle, selbst der Kosmos, zu dem wir gehören, an diesem gesegneten Ereignis teil. Jesus ist der "erste unter vielen Brüdern und Schwestern" (Röm 8,29). Wir werden ihm folgen.

Trotz des Karfreitags des Hasses und der Erhebung der Gewalt sät die Auferstehung in uns die Hoffnung, dass wir den Schritt (Ostern) von dieser düsteren Situation hin zur Gesundung unseres Landes machen werden, wo es niemanden mehr geben wird, der es wagt, die Kultur der Gewalt oder die Folter zu loben; niemanden, der dem Holocaust, dem Töten von Million, gegenüber gleichgültig bleibt.

Hallelujah! Frohe Ostern allen!

Leonardo Boff ist Ökologe, Theologe und Philosoph; Mitglied der Erd-Charta Kommission

Quelle:  Traductina , 17.05.2019.

Veröffentlicht am

19. Mai 2019

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