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Schülerdemos für den Klimaschutz brauchen nun volle Solidarität der Erwachsenen und keine Schulstrafen

Kultusminister sollten besser im Kabinett Klimaschutz einfordern

Von Hans-Josef Fell

Eine neue internationale Massenbewegung von Jugendlichen für den Klimaschutz bahnt sich an. Sie gibt Hoffnung, genügend Druck zu erzeugen, damit Klimaschutz endlich stattfindet. Die weltweiten CO2-Emissionen sind 2018 auf Rekordniveau und in Deutschland sind die Klimaschutzaktivitäten seit Jahren zum Stillstand gekommen. Mit großen Schritten rast der Planet Erde in eine für die menschliche Existenz unbeherrschbare Heißzeit.

Das erkennen nun mehr und mehr Schüler und Schülerinnen. Sie folgen einem Aufruf der schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Jeden Freitag wollen immer mehr Schüler und Schülerinnen den Unterricht schwänzen und stattdessen auf ihre Existenzgefährdung hinweisen.

Erstmals haben mit dieser Aktion in Deutschland etwa 30.000 Schüler und Schülerinnen letzten Freitag für mehr Klimaschutz demonstriert .

Zu Recht weisen sie darauf hin, dass es keinen Sinn macht, die jungen Menschen heute gut auszubilden, ihnen aber keine Chance zu geben, als Erwachsene lebenswürdig zu leben. "Warum lernen, ohne Zukunft?" steht auf den Plakaten.

Die Reaktionen der Kultusminister sind beschämend. Zwar äußern sie wie der Bayerische Kultusminister verhalten Verständnis für das Anliegen, weisen aber sofort darauf hin, dass Schüler-Streiks nicht erlaubt sind und die Schulleiter verpflichtet seien, die Schulpflicht einzufordern.

Erschreckend ist, dass die Kultusminister nicht wirklich auf das Anliegen der Schüler Proteste eingehen. Keiner von ihnen hat angekündigt, dass die Regierung die bisherige versagende Klimaschutzpolitik ernsthaft korrigieren wolle.

Sie mahnen nur an, dass die Schüler die Proteste in die schulzeitfreien Zeiten verlegen. Doch dann hätten die Schülerproteste die Wirkungslosigkeit wie Millionen von Demonstrationen und Protesten in den letzten 30 Jahren.

Die weltweiten Schülerproteste können sich über den friedlichen zivilen Ungehorsam zu einer erfolgreichen Massenbewegung entwickeln. So wie sie von Mahatma Gandhi in der indischen Unabhängigkeits- und Freiheitsbewegung erfolgreich initiiert wurde oder wie sie die 68er Studenten-Bewegung in Deutschland auf den Weg brachte. Ich weiß noch zu gut, wie viel Gegenwind ich als Schüler 1968 und in den darauffolgenden Jahren für die Forderung der Ziele Frieden, Umweltschutz, Freiheit und Gerechtigkeit erfahren habe.

Die Maßnahme des zivilen Ungehorsams (Hinwegsetzung über das Schüler-Streikverbot) ist mehr als angebracht. Viele der Regierungen, mitsamt ihren Kultusministern, sind ja nicht bereit eine wirklich wirksame Klimaschutzpolitik mit 100% Erneuerbaren Energien und flächendeckender Biolandwirtschaft umzusetzen. Und genau deshalb findet ja kein wirksamer Klimaschutz statt.

Die Schüler und Schülerinnen brauchen nun die große Solidarität der Erwachsenen. Denn die Androhung von Verweisen und anderen Schulstrafen durch die Kultusminister wegen Missachtung des Streikverbotes lässt Schlimmes ahnen.

Mit Sicherheit werden die Hardliner in den Regierungen keinen schnellen Kohle-, Erdöl- und Erdgasausstieg beschließen, um die Schülerproteste zu beenden. Daher werden die Schülerstreiks viele Monate anhalten müssen.

Einige Lehrer und sogar Schuldirektoren haben die Schülerdemos begleitet. Ein gutes Zeichen! Doch Lehrer, Direktoren, Eltern werden sich zu großer Solidarität organisieren müssen, damit sie die besonders engagierten Schüler und Schülerinnen schützen, die die Demos organisieren. Diese engagierten jungen Menschen sind es, die wir in einer Welt brauchen werden, die endlich alle notwenigen Aktivitäten für wirksamen Klimaschutz durchsetzen werden. Genau sie dürfen nun nicht durch Verweise und Schulentlassungen bestraft werden. Im Gegenteil - sie bedürfen besonderer Anerkennung für ihren Mut.

Ich fordere daher die gesamte Erwachsenenwelt auf, die Schülerdemos jeden Freitag zu unterstützen und insbesondere über Elternbeirat, großflächige Solidaritätsbekundungen und Proteste an bestrafende Schulbehörden diese weltweiten Schuldemos für den Klimaschutz aktiv zu unterstützen.

Es geht um mehr als um solche schon sehr großen Ziele im zivilen Ungehorsam, wie damals in Indien unter Mahatma Gandhi. Es geht schlicht um die Existenzsicherung der Menschheit und damit der Lebensgrundlagen der jetzt protestierenden Schülergeneration. Daher brauchen sie jetzt die volle Solidarität und Unterstützung der Erwachsenen, gegen eine sich anbahnende Bestrafungsaktivität der Kultusminister.

Um die Schülerstreiks zu beenden gibt es nur einen Weg: Endlich wirksamen Klimaschutz politisch auf den Weg zu bringen.

Die Kultusminister sollten sich also nicht bestrafend gegen die engagierten Schüler und Schülerinnen richten. Sie sollten sich viel mehr in ihren Regierungskabinetten einsetzen und ihre Kollegen - Wirtschafts-, Agrar-, Verkehrsminister und Ministerpräsidenten - drängen, endlich Ziele und Aktivitäten für 100% Erneuerbare Energien und Biolandwirtschaft zu beschließen. Wenn sie dies nicht erreichen, sollten sie besser zurücktreten statt engagierte Schüler und Schülerinnen zu bestrafen, die sich mit Mut und zu recht mit zivilem Ungehorsam für ihre Zukunft und das Überleben der Menschheit einsetzen.

Quelle: Hans-Josef Fell - 21.01.2019.

Veröffentlicht am

22. Januar 2019

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