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Kommentar Syrien-Vermittler tritt ab: Der Mann mit dem Mantra

Die Tätigkeit des UNO-Vermittlers für Syrien, Staffan de Mistura, ist zum reinen Alibi geworden. Seine Nachfolge muss bessere Bedingungen vorfinden.

Von Andreas Zumach

Der nun angekündigte Rücktritt von Staffan de Mistura ist längst überfällig. In seiner Funktion als UNO-Vermittler für Syrien ist der schwedisch-italienische Diplomat restlos gescheitert, trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Unterhändler der Weltorganisation in diversen Konfliktgebieten.

Als Vermittler in Syrien hat de Mistura in den knapp viereinhalb Jahren seiner Amtszeit genauso wenig erreicht wie seine beiden Vorgänger Kofi Annan und Lakhdar Brahimi, die noch kompetenter und wegen ihres hohen Ansehens im Nahen und Mittleren Osten für diese Aufgabe auch noch geeigneter waren. Im Unterschied zu seinen Vorgängern gefiel sich der nicht uneitle Diplomat aber sichtlich in seiner wichtigen Rolle, aus der ihn, wie er selber häufig betonte "nur der UNO-Generalsekretär abberufen kann oder meine Frau".

Letzteres dürfte jetzt passiert sein und hinter den "ausschließlich persönlichen Gründen" stecken, die de Mistura am Mittwoch für seinen Abgang angab. Seine häufigen, sehr langwierigen und stets gut publizierten Auftritte vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York schien de Mistura ebenso zu genießen wie die ständigen Treffen mit Regierungschefs und Außenministern in Moskau, Washington, Damaskus, Riad, Teheran und Ankara.

Dabei hatte er es in diesen Hauptstädten nur mit Falschspielern zu tun. Die Gesprächspartner des UNO-Vermittlers beteuerten zwar stets ihre Unterstützung für das durch Resolution 2254 des UNO-Sicherheitsrates bestimmte Ziel eines " demokratischen, säkularen, multiethnischen" Staates Syrien auf seinem derzeitigen Territorium. Und sie pflichteten de Misturas Mantra bei, dass es "für den Syrienkonflikt keine militärische Lösung geben kann".

Nicht einfach routinemäßig weitermachen

Hinter dieser rhetorischen Friedensfassade aber unterstütz(t)en die Regierungen aller für den Syrienkonflikt relevanten Mitgliedsstaaten der UNO weiterhin ihre jeweiligen Bündnispartner im Syrienkonflikt politisch, wirtschaftlich, logistisch und militärisch und ermöglich(t)en damit die Fortsetzung des Konflikts.

Die Tätigkeit des Syrienvermittlers de Mistura wurde zum reinen Alibi. Es wäre wünschenswert, dass UNO-Generalsekretär António Guterres jetzt nicht einfach routinemäßig eine Nachfolge für de Mistura ernennt, sondern dafür zunächst Bedingungen stellt - an die Adresse der maßgeblich am Syrienkonflikt beteiligten Regierungen.

Andreas Zumach. Seit 1988 UNO- und Schweizkorrespondent der taz mit Sitz in Genf und freier Korrespondent für andere Printmedien, Rundfunk-und Fernsehanstalten in Deutschland, Schweiz, Österreich, USA und Großbritannien; zudem tätig als Vortragsreferent, Diskutant und Moderator zu zahlreichen Themen der internationalen Politik, insbesondere: UNO, Menschenrechte, Rüstung und Abrüstung, Kriege, Nahost, Ressourcenkonflikte (Energie, Wasser, Nahrung), Afghanistan… geb. 1954 in Köln, nach zweijährigem Zivildienst in den USA 1975-1979 Studium der Sozialarbeit, Volkswirtschaft und Journalismus in Köln; 1979-81 Redakteur bei der 1978 parallel zur taz gegründeten Westberliner Zeitung "Die Neue"; 1981-87 Referent bei der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, verantwortlich für die Organisation der Bonner Friedensdemonstrationen 1981 ff.; Sprecher des Bonner Koordinationsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung. Bücher: Globales Chaos - machtlose UNO (2015), Die kommenden Kriege (2005), Irak-Chronik eines gewollten Krieges (2003); Vereinte Nationen (1995).

Quelle: taz - 18.10.2018. Wir veröffentlichen diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung von Andreas Zumach.

Veröffentlicht am

21. Oktober 2018

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