Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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“Nicht in meinen Namen!”

Von Georg Rammer

Die europäische Flüchtlingspolitik ist organisierte Empathielosigkeit. Die "christlichen Kulturnationen" konkurrieren miteinander darum, wer am unbarmherzigsten mit Hilfsbedürftigen umspringt. Über Politikerreden und eingebettete Medien sollen emotionale Kälte und Lieblosigkeit auch in die Seelen von uns Bürgern gepflanzt werden. Zeigen wir den Grenzschützern endlich ihre Grenzen auf!

Faszinierend zu beobachten, wie aufmerksam Babys auf den Gesichtsausdruck, den Tonfall, die liebevolle Zuwendung der Eltern achten und darauf reagieren. Hier sehen wir die Grundlagen für Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzudenken und einzufühlen. Einfühlsamkeit ist die wichtigste Basis für eine gesunde emotionale und soziale Entwicklung.

Erschütternd dagegen zu beobachten, auf welche drastische Weise Politik und Wirtschaft darauf hinarbeiten, den Menschen diese Fähigkeit zu Empathie und Mitgefühl systematisch auszutreiben. USA, Australien und Länder der EU betreiben einen Überbietungswettbewerb der Abschottung, Abschreckung und Bekämpfung von Flüchtenden, also der Inhumanität. Warum zerstören sie die wertvollsten menschlichen Potentiale, die Grundlagen jeder friedlichen Gesellschaft? Weil die zentralen Werte des vorherrschenden neoliberalen Kapitalismus, sein "Wesenskern", der Egoismus ist. Er propagiert und praktiziert die gnadenlose Durchsetzung eigener Interessen und mobilisiert asoziale Neigungen. Er kann gar nicht anders als die destruktiven Gefühle und Haltungen in den Menschen zu züchten; besonders dann, wenn er in einer Krise steckt.

Derzeit können wir verfolgen, wie eine jeder Humanität entbehrende Politik die Folgen ihres Egoismus und ihrer Rücksichtslosigkeit auf die Opfer abwälzt. Denn die neoliberale Politik bewirkt krasse Ungleichheit in der Welt und führt zu barbarischen Kriegen gegen die ohnehin armen Länder und zu Katastrophen globalen Ausmaßes. Also zu Ausbeutung und Elend und schließlich zu Flucht von -zig Millionen Menschen. In immer größeren Teilen der Welt herrschen Zustände, die Menschen keine Chancen zum guten Leben, oft nicht einmal zum Überleben lassen.

Die Profiteure in Wirtschaft und Politik inszenieren sich als Opfer und hetzen: "Sie" wollen uns alles wegnehmen, sie zerstören unsere Werte, einschließlich unserer christlich-abendländischen Kultur! Es herrscht eine totale Gleichgültigkeit gegenüber dem Elend und dem Sterben. Die Wüste übersät mit Toten, Zehntausende Ertrunkene im Mittelmeer. Die Reaktion der deutschen und der EU-Politik ist die systematische Verhinderung und Bestrafung jeder Hilfe. Keine Maßnahme ist pervers genug: Aufrüstung der Diktaturen, Einrichtung von Lagern zur Konzentration der Flüchtlinge, Versagen jeder Hilfe - zur Abschreckung. Zurücktreiben ins Elend, Kinder ihren Eltern wegreißen.

Aber das alles ist ja bekannt, täglich kann die Bevölkerung die Gewalt, die gnadenlose Konkurrenz der Unmenschlichkeit in den Nachrichten verfolgen. Wo bleibt der Aufschrei? Das ist eine neue Stufe der Eskalation der Menschenfeindlichkeit: Die Leute werden von den Propagandisten in Politik und Wirtschaft an die Empathielosigkeit, die selbstverständliche Brutalisierung gewöhnt. Die Sprache des Unmenschen grassiert ("Asyltourismus", "Ausschiffungsplattformen", "Fiktion der Nichteinreise", "Anti-Abschiebe-Industrie", Rettungsboote als "Shuttle") im Namen der deutschen Heimat, die Flüchtenden werden als Verbrecher behandelt. Alltäglicher Rassismus und Verneinung der Gleichwertigkeit der Menschen: Wer von den maßgeblichen Politikern erinnert daran, auf Grund welcher Erfahrungen Menschenrechte, UN-Charta oder UN-Kinderrechtskonvention als Grundlage des Zusammenlebens der Menschheit verankert werden sollten? Sie zucken mit den Schultern: Menschen? Rechte?

Es herrscht Krieg gegen die Armen. Wir wissen aus der Geschichte: Jede radikalisierte Inhumanität in der Politik arbeitet mit Feindbildern. Mit "Asyltouristen" lässt sich die Wut über Ungleichheit und Abwertung umlenken, aber auch das Schuldgefühl über das Erdulden von Ungerechtigkeit besänftigen. Die Entwertung von Menschen, die Grundlage von Kolonialismus, Krieg und Faschismus, hat in der "westlichen Wertegemeinschaft", die derzeit implodiert, eine lange Tradition. Warum wird sie wieder so hingenommen?

Weg mit den Menschenrechten! Nie wieder Humanität! Zwar schreiben die bekannten Scharfmacher, die Propagandisten der Verrohung, solche Parolen nicht auf ihre Fahnen, aber sie handeln entsprechend. Notwendige Hilfe für Flüchtlinge besteht in der Bekämpfung dieser Politik, die Menschenrechte verachtet und Menschen entwertet. Krieg gegen Flüchtlinge und Menschenfeindlichkeit: Nicht in meinem Namen!

Quelle: Hinter den Schlagzeilen - 06.07.2018.

Veröffentlicht am

06. Juli 2018

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