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32 Jahre nach Tschernobyl: BBU ruft zu weiteren Protesten gegen die Atomindustrie auf

Anlässlich des Jahrestages der Atomkatastrophe in Tschernobyl vor 32 Jahren (26. April 1986) hat der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) seine Forderung nach sofortiger Stilllegung aller Atomkraftwerke (AKW) und sonstiger Atomanlagen bekräftigt. Die Forderung richtet sich an die Bundesregierung sowie an die Landesregierungen der Bundesländer, in denen noch AKW und Atomanlagen in Betrieb sind. An die Bevölkerung appelliert der BBU, weiterhin die Atomindustrie kritisch im Auge zu behalten.

"Der Atomausstieg ist auch in der Bundesrepublik noch längst nicht vollzogen. Bis Ende 2022 wird in Atomkraftwerken Atommüll produziert und die immer älter werdenden AKW sind eine Gefahr für die Bevölkerung. Zudem gibt es für die Uranfabriken in Gronau und Lingen nach wie vor keine Laufzeitbegrenzung. Es ist unerträglich, dass diese Anlagen weiterhin Nuklearbrennstoff für Atomkraftwerke in Belgien und in anderen Ländern herstellen. Und oftmals unbekannte Atomtransporte gefährden die Bürgerinnen und Bürger auch weitab von Atomanlagen", kritisiert BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Vor 32 Jahren ereignete sich in Tschernobyl eine AKW-Katastrophe mit massiven radioaktiven Freisetzungen. Große Teile Europas wurden radioaktiv kontaminiert, in der Bundesrepublik war besonders Bayern betroffen. Die Messungen von radioaktiven Jod- und Caesiumwerten gehörten zum Alltag. Noch immer werden mitunter in Waldpilzen, Waldbeeren und im Wildfleisch auffällige Cäsium-137-Werte gemessen.

Drastisch sind die Tschernobyl-Folgen für Kinder, aber auch für Erwachsene. In einer Information der atomenergiekritischen Ärzteorganisation IPPNW heißt es dazu: "Einer WHO-Prognose zufolge werden allein im belorussischen Gebiet Gomel mehr als 50.000 Kinder im Laufe ihres Lebens Schilddrüsenkrebs bekommen. Forscher gehen davon aus, dass durch Tschernobyl in ganz Europa knapp 240.000 zusätzliche Krebsfälle bis 2056 auftreten werden." Und von den bis zu 800.000 "Liquidatoren", die jahrelang im Bereich von Tschernobyl zum Einsatz kamen, sind (laut "taz" ) "nach Schätzungen bis 2005 bereits bis zu 125.000 gestorben."

Die schrecklichen Erfahrungen mit den AKW-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima verstärken das Engagement des BBU für einen umfassenden und internationalen Atomausstieg. Der BBU steht mit Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden in Europa, aber auch in Asien und Afrika in Verbindung. Gemeinsam werden immer wieder der dreckige Uranabbau, die AKW und Atomanlagen sowie die Gefahren des nuklearen Wettrüstens in den Mittelpunkt des Engagements gerückt.

Gedenk- und Protestveranstaltungen zum 32. Tschernobyl-Jahrestag

Bundesweit finden in diesen Tagen Gedenk- und Protestveranstaltungen anlässlich des 32. Tschernobyl-Jahrestages statt. Aktivitäten gibt es an AKW-Standorten wie z. B. in Lingen, Neckarwestheim und Philippsburg, aber auch in Orten ohne Atomanlagen. Eine (unvollständige) Terminübersicht findet man im Internet unter http://bbu-online.de/Termine/Termine.htm . Der BBU ruft zur Teilnahme an diesen Aktionen und zur weiteren Mitarbeit in Anti-Atomkraft-Initiativen auf. Der BBU ist gerne bei der Gründung neuer Anti-Atomkraft- Initiativen behilflich. "Das Engagement der Anti-Atomkraft-Bewegung wird noch lange notwendig sein", so BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Wie wichtig das Engagement gegen die Atomindustrie ist, verdeutlicht auch das ungelöste Atommüllproblem. Wiederholt wurden in den letzten Tagen Informationen über defekte Atommüllfässer in Leese und Gorleben bekannt und weitere Atommüllverschiebungen sind geplant. So sollen zum Beispiel Atommüllfässer von Gorleben nach Ahaus gebracht werden. Dort erinnerten bereits am 15. April der kfd-Diözesanverband Münster und die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" in einer Gemeinschaftsveranstaltung an die Tschernobyl-Katastrophe. Zudem lehnten sie in Kundgebungsbeiträgen mit Nachdruck weitere Atommülltransporte, zum Beispiel aus Garching nach Ahaus ab. Und am Sonntag (22. April) demonstrierten 300 besorgte Bürgerinnen und Bürger am AKW Brokdorf.

Quelle: Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e. V.   - Pressemitteilung vom 25.04.2018.

Veröffentlicht am

26. April 2018

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