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Syrien: Kalkulierter Irrsinn

Nun also doch: Die USA haben zusammen mit ihren französischen und britischen Helfern Ziele in Damaskus und Homs angegriffen

Von Lutz Herden

Trump, Macron und May haben nicht lassen können, was sie sich schuldig zu sein glaubten und seit Tagen herbeigeredet und -getwittert haben. Sprachliche Hysterie hat die Maschinerie des Militarismus hochgefahren. Es wurde nach Gründen für den Einsatz von Gewalt in Syrien gesucht - in einem Bürgerkriegsland fiel das nicht weiter schwer -, anstatt sich Überlegungen zu gestatten, eben das zu vermeiden.

Mit diesem Militäreinsatz wird nichts getan, um dieses Land zu befrieden, eine diplomatische Lösung voranzutreiben, den Menschen zu helfen, in Maßen in ein normales Leben zurückzukehren. Selbst wenn sich die Verursacher einbilden sollten, sie würden damit Geltungs- und Gestaltungsmacht in Syrien zurückgewinnen, täuschen sie sich und wissen das vermutlich genau. Sie brennen ihr interventionistisches Störfeuer ab, gerade weil sie auf verlorenem Posten stehen. Denn militärische Gewalt ändert nichts daran, dass die Syrien-Politik des Westens, wie sie seit Ausbruch des Bürgerkrieges im März 2011 verfolgt wurde, gescheitert ist. Die verheerende Bilanz wird um eine weitere Episode angereichert. Das Ziel bestand nie darin, diesen Krieg zu beenden, um menschliches Leid zu lindern, sondern Baschar al-Assad und sein Regime zu stürzen.

Sicherheitsrisiko ihrer selbst

Die USA und ihre Verbündeten bis hin zu Saudi-Arabien und anderen Golfmächten haben den Bürgerkrieg geschürt und am Leben erhalten. Es wurden "Freiheitskämpfer" und "Demokratiefreunde" unterstützt, bei denen es nicht weiter störte, dass es Islamisten waren, die mordend durch die Gegend zogen und Syrien mit einem libyschen Schicksal bedrohten. Nicht zuletzt in Deutschland wurden Formationen wie die Freie Syrische Armee hofiert, die sich gerade im Tross der türkischen Armee dabei hervorgetan hat, die kurdische Stadt Afrin zu schleifen. Was allein zählte: Diese und andere Gruppierungen mussten Gegner Assads sein und ihren Gönnern irgendwann dessen Skalp auf den Tisch legen (siehe Gaddafi).

Diese Verstiegenheit hat Russland erst in die Position gebracht - um nicht zu sagen: gezwungen -, die es jetzt in Syrien einnimmt. Längst hat dieser Konflikt ein Stadium erreicht, in dem Assad nur noch zu Fall gebracht werden kann, wenn dem russischen Militärkorps in Syrien eine empfindliche militärische Niederlage beigebracht wird. Dies freilich setzt die Intensität eines Schlagabtauschs voraus, den sich weder die USA noch die NATO leisten können. Sie kämen nicht ungeschoren davon. Der Clash mit Russland wäre unausweichlich.

Letzten Endes ist das Ausmaß der Militäraktion in der Nacht vom 13. zum 14 April ein Eingeständnis, dass es so ist. Offenkundig handelte es sich um eine Attacke des kalkulierten Risikos und gebremsten Schaumes. Nur hatten sich Trump und Macron viel zu sehr ins Zeug gelegt, um noch den Rückzug antreten und ohne Gesichtsverlust davonkommen zu können. Weil der Westen dank solcher Führer für sich selbst immer mehr zum Sicherheitsrisiko wird, war dieser Militärschlag eine Aktion, die zwar Schaden verursachen, aber zugleich Schaden begrenzen sollte. Mit irgendeiner Strategie hat das nichts zu tun, eher mit Affekt und Abenteuer.

Führende Militärmacht

Dass sich dabei Frankreich besonders hervortut, lässt vor allem einen Schluss zu: Wenn es mit dem Label führende Reformmacht in Europa vorerst nichts wird, weil in der EU wenig im Sinne Präsident Macrons passiert, soll es wenigstens mit dem Status führende und interventionsfreudigste Militärmacht in Europa etwas werden. Dass Emmanuel Macron dabei in Syrien zu einem Part findet wie einst Nicolas Sarkozy bei der Zerstörung der staatlichen Ordnung Libyens, sollte all den gutgläubigen Bewunderern dieses "großartigen Europäers" die Sprache verschlagen und sie mit Nachdenklichkeit beschenken.

Quelle: der FREITAG vom 14.04.2018. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Veröffentlicht am

15. April 2018

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