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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Indien sechs EPR-Atomreaktoren verkaufen

Er stützt so den Atomwaffenausbau Indiens und gefährdet den aufblühenden indischen Solarausbau.

Von Hans-Josef Fell

Am Wochenende war der französische Präsident Macron in Indien. Kaum bemerkt von der deutschen Öffentlichkeit hat Macron dort den Verkauf von 6 französischen Atomreaktoren des Typs EPR zusammen mit dem indischen Präsidenten Modi unterzeichnet. Macron und Modi unterschreiben Wirtschafts- und Militärdeal .

Dabei sind gerade die bisherigen drei EPR-Reaktoren Oikiluoto in Finnland, Flamanville in Frankreich und Hinkley Point in England ein finanzielles und technologisches Desaster. Die EPR-Reaktoren würden auch Indien nur radioaktive und finanzielle Probleme und keine Energielösungen liefern. Die Energy Watch Group (EWG) wird im Laufe der Woche eine umfangreiche Studie veröffentlichen, die die schier unglaublichen Misserfolge des EPR dokumentiert.

Doch diese finanziellen und technischen Desaster schrecken Präsident Macron nicht ab, den Indern ein ähnliches Desaster aufzubürden, wie sie in der französischen Atomindustrie längst der Fall sind. Offensichtlich hat die hochverschuldete französische Atomwirtschaft Präsident Macron längst wieder eingefangen, der ursprünglich den Anteil der Atomstromversorgung in Frankreich auf 50% bis 2025 reduzieren wollte. Doch von diesem Versprechen hat er sich längst verabschiedet und will nun nicht einmal mehr den Schrottreaktor Fessenheim mehr abschalten, denn das Abschalten bindet er an die Inbetriebnahme des EPR-Reaktors Flamanville. Doch diese Inbetriebnahme steht weiterhin in den Sternen.

Dabei hatte sein Vorgänger Hollande mit Modi auf der Pariser Klimakonferenz die internationale Solar-Allianz (ISA) angestoßen, die einen bisher sehr erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Indien bewirkte.

Es kann nicht beruhigen, dass Macron in Indien auch zur Unterstützung der ISA aufruft. Sein Atomdeal mit Indien konterkariert seine Solarunterstützung massiv. Macron fordert Industrie und Banken zu Solar-Investitionen auf .

Auch die EWG hat längst eine Studie in die indische Regierung eingespeist, wonach die indische Stromversorgung auch mit Erneuerbaren Energien, also ohne Grundlast von Atom und Kohle möglich und darüber hinaus kostengünstig finanzierbar ist. New Study: Low-Cost Energy System in India without Nuclear and Coal Base Load by 2030 Feasible .

Genau den von Hollande angestoßenen indischen Ausbau der Erneuerbaren Energien mit der Solar-Allianz gefährdet nun Macron, da er ganz wie im Stile des Expräsidenten Sarkozy der Welt französische Schrottreaktoren verkaufen will.

Zudem hat der Atomdeal Macrons auch eine schlimme friedenspolitische Komponente. Indien hat den Atomwaffensperrvertrag bis heute nicht unterschrieben, d.h. eine sehr wahrscheinliche Produktion für Waffenmaterial läuft ohne internationale Kontrolle. Da ja die Atomenergie insgesamt und insbesondere auch die EPR-Reaktoren im Vergleich mit Erneuerbaren Energien sehr teuer sind, fragt man sich, warum die indische Regierung überhaupt noch auf neue Atomreaktoren setzt. Der wieder angefachte atomare Rüstungswettlauf, unter anderem angestoßen durch die Präsidenten Trump, USA, und Putin, Russland, ist für Indien sicherlich die entscheidende Motivation dem französischen Atomdeal zuzustimmen. Atomkraftwerke für Indiens militärische Supermacht-Ambitionen .

Ob die massiven Proteste in Indien gegen den Bau des EPR-Atomreaktors am Standort Jaitapur ausreichen werden, ist eher zu bezweifeln. Macron go back!’ Protesters rally against French-designed nuclear plant in India (VIDEO) .

Zu sehr dominieren die Verkaufsinteressen Macrons für neue Atomreaktoren und die indischen Atomwaffeninteressen das Geschehen. Die Politik Macrons ist für den Weltfrieden und eine atomfreie Welt genauso gefährlich wie die seiner vielen Vorgänger.

Quelle: Hans-Josef Fell - 12.03.2018.

Fußnoten

Veröffentlicht am

13. März 2018

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