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Aufgewärmter Kalter-Krieg-Quatsch von der New York Times

Von Eric Margolis

Ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie gefährlich Amerikaner falsch informiert und von der Kriegspartei fehlgeleitet werden, bietet ein größer aufgemachter Artikel am 24. Dezember in der New York Times.

Unter der Überschrift "Russland rüstet wieder auf für eine neue Ära" versichern die Autoren, dass die russischen Militärausgaben ansteigen und von 2014 auf 2015 um $11 Milliarden gewachsen sind. Reißerische Landkarten und Diagramme von Waffen erwecken den Eindruck, dass Stalins Rote Armee mit ihren 210 Divisionen wieder auf dem Vormarsch ist - in Richtung Europa.

Ein Professor des Harriman Institute der Columbia Universität wurde sogar mit der Behauptung zitiert, dass Vladimir Putin versucht, "die Vereinigten Staaten von Amerika und die NATO zu einer militärischen Auseinandersetzung zu provozieren", um seine Popularität zu steigern.

Was für ein unglaublicher Schund! Diese dämliche Dame glaubt, dass Putin, dessen Popularitätsquoten in Russland über 82% betragen, mit Atomkrieg spielen muss, um ein paar Punkte mehr zu bekommen? Schande über die New York Times!

Schauen wir uns die wirklichen Zahlen an. Das sogenannte "Verteidigungsbudget" der USA (es sollte Angriffsbudget" genannt werden) bewegt sich in der Höhe von um die $600 Milliarden, das sind 37% der gesamten Militärausgaben der Welt, ausgegeben von einem Land, das nur 5% der Weltbevölkerung hat. Einige Studien sprechen von tatsächlichen Ausgaben in der Höhe von $700 Milliarden.

Nicht enthalten in dieser Zahl sind "schwarze" Projekte, ein Haufen von Auszahlungen an ausländische Militärkräfte, sowie geheime Schmiergeldfonds für die Kriegsführung in Afghanistan, im Mittleren Osten, in Afrika und Asien. Die USA besitzen über 700 Militärbasen rund um die Erde, und neue werden laufend eröffnet.

Die USA geben für ihre bewaffneten Kräfte mehr aus als die nächstfolgenden neun Militärmächte zusammengenommen. Amerikas reiche Alliierte in Europa und Japan tragen gewichtig bei zur globalen militärischen Vorherrschaft Amerikas.

Russlands Verteidigungsausgaben betragen rund $70 Milliarden, und das trotz fallender Erdölpreise und Sanktionen unter der Führung der USA. Frankreich und Großbritannien geben jeweils fast gleich viel aus, Saudi-Arabien gibt mehr aus. Ein französischer Admiral sagte mir mit Bedauern, dass allein das Budget der Marine der USA das Budget der gesamten französischen bewaffneten Kräfte übersteigt.

Russland ist ein riesengroßes Land mit einer sehr schwierigen Geografie, die seine verschiedenen Militärregionen daran hindert, sich gegenseitig zu unterstützen - ein Problem, unter dem Russland seit seinem Krieg 1904 gegen Japan gelitten hat. Moskau braucht große, oft redundante bewaffnete Kräfte, um seine Unermesslichkeit abzudecken. Darunter fällt die sich erwärmende Arktis, wo Russland wie andere angrenzende Länder seine Souveränität behauptet. Russland muss auch das benachbarte China im Auge behalten.

Im Kreml ist man der Auffassung, dass Amerika versucht, das, was von der nachsowjetischen Russischen Föderation noch vorhanden ist, durch Subversion (siehe Regimewechsel in Georgien, Ukraine) und durch die Aufstachelung muslimischer Unabhängigkeitsbewegungen im Kaukasus und in Zentralasien niederzureißen. Das ist der Grund dafür, dass russische Militärkräfte in Syrien kämpfen.

Nach dem vollständigen Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 zerfielen Russlands Wirtschaft und sein einst mächtiges Militär. Zwei Jahrzehnte lang wurde Russlands Militär ausgehungert an Männern und Geld und wurde dem Rost überlassen. Putin hat im vergangenen Jahrzehnt versucht, die Großmachtposition seines Landes wieder aufzubauen, und es gegen das zu verteidigen, was die Russen als ständige Verschwörungen des Westens sehen.

Die Erinnerungen daran, wie Russlands geheimste Militärtechnologien in der ultrakorrupten Ära Jelzin an die USA verkauft wurden, schmerzen noch immer.

Russlands relativ bescheidenes Militärbudget ist kaum eine Gefahr für die mächtigen USA. Tatsächlich ist die einzige wirkliche russische Bedrohung, vor der wir stehen, die Gefahr, in eine mögliche atomare Konfrontation mit Russland in der Ukraine, im Schwarzen Meer, in Syrien oder im Irak hineinzustolpern. Große atomar bewaffnete Mächte sollten niemals - ich wiederhole, niemals - direkt gegeneinander kämpfen.

Es erschreckt und verwirrt mich, wenn ansonsten kluge, weltgescheite Menschen in der New York Times und im antirussischen Rat für auswärtige Angelegenheiten an einen militärischen Konflikt mit Russland auch nur denken - für was? Mariupol in der Ukraine oder Idlib in Syrien, Orte, von denen noch niemand je gehört hat.

Wir waren noch näher daran, in einen Atomkrieg mit Russland hineinzustolpern, als zu irgendeinem Zeitpunkt nach der Raketenkrise rund um Kuba 1962. Oder schlimmer noch, 1983, als ein NATO-Manöver unter dem Decknamen Able Archer vom sowjetischen Militär fälschlich als ein Angriff der NATO interpretiert wurde.

Diese ultimativ furchterregende Krise wurde inszeniert vor dem Hintergrund einer intensiven antisowjetischen Propaganda des Westens, gekrönt durch Ronald Reagans Ergüsse gegen das "Reich des Bösen", was den Kreml davon überzeugte, dass ein Angriff des Westens bevorstand. Ein Atomkrieg wurde gerade noch abgewendet dank ein paar mutigen Offizieren im sowjetischen Luftverteidigungskommando.

Quelle: www.antikrieg.com vom 27.12.2015. Originalartikel: Retro cold war guff from the NY Times . Übersetzung: Klaus Madersbacher.

Veröffentlicht am

28. Dezember 2015

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