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10 Jahre nach der Ermordung von Schwester Dorothy - oder, wie viel kostet ein Auftragsmord

Von Thomas Bauer

Der Bundesstaat Pará (Brasilien) ist seit vielen Jahren einer der absoluten Spitzenreiter was die Agrarrkonflikte betrifft. Insgesamt haben hier in den letzten 28 Jahren 428 Menschen dabei ihr Leben verloren. Mit ein Grund für die brutalen Ermordungen ist die Straflosigkeit der Verantwortlichen, denn nur in 21 all dieser Fälle kam es zu Verurteilungen.

Die Straflosigkeit betrifft aber nicht nur Pistoleiros - die den Auftragsmord ausführen -, sondern vor allem auch ihre Auftraggeber. Denn sie werden kaum zur Rechenschaft gezogen. Auf freiem Fuße verfolgen sie meist weiterhin die Familienangehörigen, schüchtern etwaige Zeugen ein, sowie gehen weiter ungestraft ihren vielfach kriminellen Aktivitäten (Landraub, Abholzung der Regenwälder,…) nach.

Wer jetzt denkt, das es sich in diesen Fällen immer nur um arme Bauern handelt der täuscht sich leider gewaltig. So zum Beispiel jährt sich heute der 10. Todestag der amerikanischen geistlichen Schwester Dorothy Stang. Die 73-jährige, mit der Bibel "bewaffnete", Schwester Dorothy hat jahrelang im Bezirk Anapu in der Landpastoralkommission (CPT) mitgearbeitet und betreute die Bauern auf den unzähligen Landbesetzungen in der Region. Damals im Jahr 2005 hatte sie bereits mehrmals die kriminellen Machenschaften und Morddrohungen gegenüber den Bauern angeprangert. Dazu hatte sie keine Wege gescheut und war nicht nur einmal in Brasília, um ihre Beschwerden und Anzeigen an höchster Stelle vorzutragen. All dies, konnte diese brutale Exekution - sie wurde auf einem Feldweg in der Nähe einer Landbesetzung mit sechs Schüssen ermordet - aber nicht verhindern. Denn ihren unermüdlichen Einsatz sowie ihre Furchtlosigkeit gegenüber den kriminellen Machenschaften musste sie am 12. Februar 2005 mit ihrem Leben bezahlen.

Trotz der handfesten Beweise gegen fünf Personen, die für diese blutige Gewalttat verantwortlich sind, befinden sich vier - die Auftraggeber Vitalmiro Bastos und Regivaldo Pereira Galvão, sowie die Pistoleiros Amair Feijoli und Clodoaldo Batista - bis zum heutigen Zeitpunkt auf freiem Fuß. Einzig der Pistoleiro Rayfran das Neves, einer der an der Exekution direkt beteiligt war, sitzt heute hinter Gitter. Dies allerdings nicht wegen dem Mord an Schwester Dorothy, sondern weil er Jahre später im Nordosten vom Bundesland Pará ein Ehepaar ermordet hat.

Schlichtweg absurd ist dabei nicht nur die Handlung und die sich schleppenden Prozesse, sondern wie wenig ein Menschenleben wert ist. Aus den Gerichtsunterlagen des Prozesses und dem Dialog zwischen dem Staatsanwalt Edson Cardoso und Rayfran geht folgendes hervor:

Staatsanwalt: "Nachdem sie R$ 50.000,00,-, R$ 10.000,00,-, R$ 500,00,- versprochen haben, wieviel haben sie am Schluss wirklich jedem bezahlt."

Rayfran: "Bida (Vitalmiro Bastos) hat Tato (Amair Feijoli) R$ 50,00 gegeben, und Tato hat mir dann die R$ 50,00 übergeben."

Staatsanwalt: Das heißt sozusagen, dass das Leben von Schwester Dorothy nur R$ 50,00 (umgerechnet € 16,00) gekostet hat."

Quelle:  PIRAMA (= NachDenkZeit) vom 12.02.2015.

Veröffentlicht am

13. Februar 2015

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