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“Kein Geld für Krieg”: Ein Jahrhundert Internationaler Versöhnungsbund (IFOR)

Von Kristin Stoneking, Fellowship of Reconciliation, 8. August 2014

Das Folgende schreibe ich aus Konstanz in Deutschland.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges in diesem Monat vor hundert Jahren reichten der deutsche Lutheraner Friedrich Siegmund-Schultze und der englische Quäker Henry Hodgkin einander die Hand und verpflichteten sich zu einer Gemeinschaft religionsübergreifenden Pazifismus.

Sie drängten ihre Regierungen, von einem Krieg abzusehen, ihr Militär zu entwaffnen und sich um internationale Versöhnung zu bemühen.

Diese Bemühung ist noch heute im Gange.

Im FOR-USA und der größeren Gemeinschaft des International FOR (dem IFOR, Internationalen Versöhnungsbund), zu der wir gehören, finden die Forderungen der deutschen Pazifisten einen Widerhall. Diese standen damals am Abgrund eines Jahrhunderts der Gewalt: kein Geld für Krieg [deutsch].

Eine globale Friedensbewegung

Die Idee des Versöhnungsbundes verbreitete sich nach diesem Tag im Jahre 1914 schnell von England und Deutschland aus in ganz Europa und in den Vereinigten Staaten. Dort wurde FOR-USA 1915 in Garden City, New York, gegründet.

Ein Jahrhundert später traf ich mich mit 300 Mitgliedern aus allen Winkeln der Erde, die sich als Vertreter sozialer Bewegungen gegen Krieg und Militarismus in der letzten Woche wieder in Konstanz versammelt hatten .

Bei der Eröffnungszeremonie hielten die im Folgenden genannten Persönlichkeiten Ansprachen: der ehemalige regionale Koordinator und jetzige Koordinator des Internationalen Versöhnungsbundes Pastor Lucas Johnson, die Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire, Blas Garcias vom Servicio Paz y Justicia Colombia, der Träger des "Alternativen Nobelpreises" Sulak Sivaraksa aus Thailand, Richard Okwerar von MIR-Uganda, die Aktivistin gegen häusliche Gewalt Beena Sebastian vom FOR-India und Marcela Zoughbi, die über Friedensarbeit in Palästina gesprochen hat.

Als ich mir die Gesichter der Menschen ansah, die sich für den Weg zum Ufer des Bodensees fertig machten, um dort gegen das Vorhandensein von Kernwaffen in Europa und besonders in Deutschland zu protestieren, dachte ich: "Das sind die Gesichter des Widerstandes. Sie sind die geistigen Nachkommen von Menschen, die Widerstand gegen Krieg, Verfolgung, Tyrannei, Nazismus und Ungerechtigkeit aller Art geleistet haben."

Ich fühlte mich privilegiert und kam mir unbedeutend vor, als ich zwischen allen diesen Menschen stand.

Kein Geld für Krieg

In aller Welt sehen wir heute inmitten eines wirtschaftlichen und politischen Klimas, das dazu angetan ist, uns in Richtung Armut und Gewalt zu treiben, Bewegungen für Frieden und Gerechtigkeit. Heute haben wir wirklich kein Geld für Krieg übrig!

Am ersten Tag in Konstanz versammelten wir uns vor der Commerzbank. Diese Bank in Deutschland hat, besonders in Deutschland, den Militarismus finanziert. Wir verteilten Handzettel mit dem Aufruf: Kein Geld für Krieg. Die Passanten schienen aufgeschlossen zu sein. Der ehemalige Geschäftsführer von FOR-USA Mark Johnson schreibt in seinen Betrachtungen über das Ereignis Folgendes :

"Der Internationale Versöhnungsbund begann die Feierlichkeiten zu seinem 100. Jahrestag …, indem er an dem Ort gegen die Verwicklung wissenschaftlicher und technischer Experten in die Arbeit des Militarismus protestierte, wo die Schweiz, Deutschland und Österreich zusammentreffen. Der Protest begann vor der Commerzbank, die den Unternehmen eine Finanz-Basis bietet, die besonders in die Industrien investieren, die Atomwaffen herstellen.

Der Protestzug bewegte sich weiter zur Kathedrale in der Stadtmitte, wo ein zweitägiges Fasten der Konferenz begann und wohin die Delegierten dreimal am Tag zu Gebeten eingeladen wurden.

Der Oberbürgermeister von Konstanz hieß die Mitglieder des Rates willkommen und erkannte ihre Konstituierung - für ein paar Tage - als Welthauptstadt des Friedens an."

Vielleicht habt ihr Anfang dieser Woche auf FORs sozialen Medien gesehen, dass der japanische FOR die anderen IFOR-Zweige um Unterstützung gegen die gegenwärtige Bedrohung des Antimilitarismus, wie er in der japanischen Verfassung festgelegt ist, gebeten hat. Artikel 9, der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen worden ist, verbietet Japan jegliche Teilnahme an einem Krieg. Dieses Verbot wollen einige Mitglieder der gegenwärtigen Regierung abschaffen.

Die Generalsekretärin des japanischen FOR Kyoko Iitaka fand in dieser Woche starke Worte, als wir uns der Menschen erinnerten, die durch die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ihr Leben verloren haben. Sie sagte: "Das Gesetz soll für die Menschen da sein und nicht die Menschen für das Gesetz!"

Sie bittet um weltweite Unterstützung der Petition an den japanischen Ministerpräsidenten, "Japans Friedens-Verfassung zu retten" . Japanische Aktivisten wollen sicherstellen, dass kein Geld für Krieg übrig ist. Ich habe unterschrieben und ich hoffen, das werdet ihr auch tun.

Für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung

Angesichts dessen, dass der Internationale Versöhnungsbund in sein zweites Jahrhundert eintritt und FOR-USA Vorbereitungen für seine 100-Jahrfeier 2015 trifft, versichern wir, dass wir nicht nur gegen Krieg, sondern für eine Gemeinschaft sind, deren Mitglieder miteinander verbunden sind und die sich mit Hilfe der verwandelnden Kraft der Gewaltfreiheit um die Lösung von Konflikten und die Herstellung von Gerechtigkeit bemüht.

Eine der am deutlichsten sichtbaren Initiativen des Internationalen FOR sind die Lehrgänge, die im letzten Jahr im Hauptquartier des FOR-USA in New York abgehalten worden sind . FOR-Gruppen in aller Welt arbeiten daran, die nächste Generation von Friedensaktivisten zu schulen und Erziehung zur Gewaltfreiheit gehört unbedingt zu diesem Prozess.

FOR-USA wird auch als Vorbild für Friedensarbeit zwischen den Religionen hervorgehoben. Ich habe gemeinsam mit der ehemaligen Herausgeberin des Fellowship-magazine Virginia Baron und dem ehemaligen Mitglied des FOR-Nationalrates Lili Baxter bei der internationalen Versammlung einen Workshop über die Zusammenarbeit mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften abgehalten. Obwohl kein [nationaler] Zweig des FOR die Mitgliedschaft auf Menschen einer besonderen Religion beschränkt, besinnen sich doch viele europäische Gruppen [hauptsächlich] auf ihre historischen Wurzeln im christlichen Pazifismus. FOR-USA arbeitet seit Langem daran, Friedensgemeinschaften vieler verschiedener Traditionen einzubeziehen, als Neuestes wird das in unserer kommenden Future-Is-Now-Konferenz geschehen, die von Glaubensaktivisten mit Wurzeln im Judentum, im Islam, im Christentum und in anderen Religionen durchgeführt werden wird.

Abschließend drücke ich meine Hoffnung aus, dieser Bericht über eine weltweite Zusammenkunft von Friedensaktivisten werde euch mit Hoffnung erfüllen. Zwar erscheinen die Bemühungen von uns Einzelnen manchmal als klein und werden oft nicht einmal erwähnt, aber eure Arbeit - unsere Arbeit - gehört in Wirklichkeit zur Arbeit eines weltweiten Netzes von Menschen, die nach Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung streben.

Kein Geld für Krieg, jetzt und im nächsten Jahrhundert.

Kristin Stoneking ist Pastorin und Geschäftsführerin von Fellowship of Reconciliation (FOR USA). 

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler

Quelle: Fellowship of Reconciliation - Originalartikel:  Kein Geld für Krieg: A century of International FOR . Das Foto von 1919 wird mit freundlicher Genehmigung der Swarthmore College Peace Collection veröffentlicht. Hier eine hochaufgelöste Version mit Namen .

Veröffentlicht am

11. August 2014

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