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Martin Niemöller - ein Kämpfer für den Frieden

Zur Erinnerung an den vor 120 Jahren geborenen früheren Präsidenten der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)

Von Ulli Thiel

Am 14 . Januar 2012 jährte sich zum 120. Mal der Geburtstag des langjährigen Präsidenten der DFG-VK und ihrer Vorläufer-Organisationen. Martin Niemöller ist im selben Jahr geboren, in dem die Deutsche Friedensgesellschaft gegründet wurde: 1892. Niemöller legte aber großen Wert auf die Tatsache, dass er zehn Monate vor der DFG das Licht der Welt erblickt hatte.

Einige ZivilCourage-Leser haben sicherlich noch persönliche Erinnerungen an diesen bedeutenden Pazifisten und Kirchenmann. Auch ich denke gerne an die gemeinsame Zeit im Bundesvorstand der DFG-VK und an die Veranstaltungen zurück, die ich im Südwesten mit ihm als Redner in den 1970-er Jahren organisiert und durchgeführt habe. Einen Rückblick auf das Leben und Wirken Niemöllers möchte ich hier nicht geben - darüber kann sich jede/r selbst anhand der umfangreichen Literatur und Biografien informieren. Berichten möchte ich aber über die Eindrücke der Spurensuche, auf die meine Frau Sonnhild und ich uns Ende letzten Jahres begeben haben.

Im November 2011 nahmen wir an einer Studienfahrt des Karlsruher ver.di-Bezirksverbandes zum Konzentrationslager Dachau bei München teil. In Dachau wurden wir von Josef Pröll, dem Sohn einer früheren KZ-Insassin durch das Lager geführt. J. Pröll zeigte uns auch einen sehr bewegenden Dokumentarfilm über das Schicksal und Martyrium seiner Mutter Anna Pröll, den er einige Jahre zuvor fertiggestellt hatte.

"Persönlicher Gefangener des Führers"

Bei dem beklemmenden Gang durch das Konzentrationslager kamen wir auch in eine ehemalige noch gut erhaltene Häftlingsbaracke, in der Niemöller vom Juli 1941 bis zum Kriegsende als "persönlicher Gefangener des Führers" inhaftiert war. Davor war er acht Monate im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit und drei Jahre im KZ Sachsenhausen. Im Gegensatz zu den meisten anderen KZ-Häftlingen durfte Niemöller im Häftlingstrakt bleiben und musste keine körperlich schwere Arbeit verrichten. Die Nazis wollten auf keinen Fall riskieren, dass er in der Haft gesundheitlich geschwächt oder gar sterben würde. Sie befürchteten Unruhen im kirchlichen Bereich, die sie unbedingt vermeiden wollten. Niemöller wurde in Dachau nicht mehr so isoliert, wie dies noch in Sachsenhausen der Fall war. Die dortige Haftzeit hatte sehr negative Auswirkungen auf Niemöllers psychischen Zustand. In Dachau durfte er tagsüber seine Einzelzelle Nr. 31 verlassen und sich in einer Gemeinschaftszelle mit zwei anderen Theologen aufhalten und mit ihnen sprechen. In der Nähe von Niemöllers Zelle war noch ein kleiner Raum mit einem Koffer, den man auf einen Tisch stellen und zu einem Altar aufklappen konnte. Dort fanden hin und wieder für interessierte Gefangene Andachten statt, die mehrmals auch von Niemöller gehalten wurden. Ob Niemöller auch zum Hitler-Attentäter Georg Elser Kontakt hatte, weiß ich nicht. Elser war in der gleichen Baracke nicht weit von Niemöller inhaftiert.

Rückblickend auf seine lange Haftzeit stellte Niemöller Ende 1945 fest: "Ich könnte gräuliche Dinge erzählen. Es genügt mir zu sagen: Keine Feder, kein Film reicht aus, das zu schildern. Und wenn man mich fragt: War es so schlimm? dann kann ich nur sagen: Es war tausendmal schlimmer."

Eine der prägendsten Persönlichkeiten in Deutschland

Einen Monat später besuchten Sonnhild und ich auf unserer Fahrt nach Bremen zur Feier des 90. Geburtstages von Ludwig Baumann das Grab von Marin Niemöller. Es ist auf dem alten, sehr schönen Friedhof in der Dorfmitte von Wersen (einem Ortsteil von Lotte) bei Osnabrück. Den genauen Lageplan hatte ich über die Martin-Niemöller-Stiftung in Erfahrung gebracht, in der ich Mitglied bin. In dem großen Familiengrab liegen außer Martin Niemöller noch zwei seiner Verwandten.

Auf der großen Grabplatte mit dem Kreuz, dem Namen und den Lebensdaten Niemöllers ist die Frage zu lesen, die Niemöller oft in seinem Leben gestellt hat: "Herr was willst du, dass ich tun soll?" Hier legten wir nach einem stillen Gedenken ein Gebinde nieder, dem das Emblem unserer Organisation und der Name beigefügt waren. Rechts daneben waren auf einer weiteren Steinplatte diese Informationen festgehalten:

D . MARTIN NIEMÖLLER
PASTOR ZU BERLIN DAHLEM 1931 - 1945
GEFANGENER HITLERS 1937- 1945
PRÄSIDENT DER EVANGELISCHEN
KIRCHE IN HESSEN UND NASSAU 1947- 1964
PRÄSIDENT IM WELTRAT
DER KIRCHEN 1961 - 1968
BEKENNER DES GLAUBENS
KÄMPFER FÜR DEN FRIEDEN

Niemöllers Worte und sein Handeln stießen zu seinen Lebzeiten bei vielen Menschen auf große Zustimmung. Aber es gab von politisch Andersdenkenden auch oft heftigen Widerspruch.

Heute ist Niemöller weniger umstritten. Er wird von den meisten geschätzt und respektiert und als wegweisender Streiter für Frieden und Verständigung gesehen. Er gilt als eine der prägendsten Persönlichkeiten Deutschlands im 20. Jahrhundert und als Leitfigur der Friedensbewegung.

Für mich ist Martin Niemöller ein Mensch, durch den ich in vielen politischen und ethischen Fragen eine Orientierung erhalten habe und noch immer erhalte.

Ulli Thiel ist Sprecher der DFG-VK-Gruppe Karlsruhe.

Quelle:  Zivilcourage . Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus der DFG-VK, Nr. 2/2012.

Veröffentlicht am

25. Juni 2012

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