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Der Krieg in Syrien verschärft sich

Von Eric S. Margolis

Während Syrien im Sterben liegt, heulen die westlichen Medien: "Wir müssen die leidenden Kinder Syriens retten." Ja, in der Tat sind unter den neun Millionen Inlands- und Flüchtlingen ins Ausland rund 450.000 Kinder.

Alle Bürgerkriege sind blutig und grausam, aber der Kampf in Syrien hat neue extreme Stufen der Gewalt und des massenhaften Leidens der Zivilbevölkerung erreicht, da die USA und Saudi-Arabien dieses einst schöne, reiche Land als stellvertretendes Schlachtfeld gegen den Iran benutzen.

Ich habe ausführlich über den Bürgerkrieg im Libanon 1975-1990 berichtet, die grauenhaften Erinnerungen daran lassen mich immer noch schaudern. Von den 14 Kriegen, über die ich berichtet habe, hält der Libanon den Spitzenrang in Bezug auf Grausamkeit und Sadismus. Einer meiner Freunde, Besitzer von Boutiquen für Damenausstattung, wurde zu einem paramilitärischen Rambo und wechselte vom Parfumverkauf zum Abschneiden und Sammeln von Ohren von Moslems.

Der gleiche Wahnsinn ist über Syrien gekommen, seit sich seine vielen ethnischen und religiösen Gruppen gegenseitig an die Kehle gehen. Syriens 630.000 palästinensische Flüchtlinge haben furchtbar gelitten, gefangen zwischen den kämpfenden Parteien.

Denken wir aber daran, während wir das Elend der syrischen Flüchtlinge beklagen, dass dieser brutale Krieg von den Mächten des Westens und den Saudis begonnen wurde und von ihnen finanziert wird, und jederzeit beendet werden kann, wenn Washington und Riad den Befehl dazu geben.

2011 gingen die Kämpfe los, nach Demonstrationen gegen die Regierung von Präsident Bashar al Assad. Viele Syrer hatten die Nase voll von der brutalen, seit 40 Jahren andauernden Diktatur der herrschenden Assad-Dynastie und von der Beherrschung durch Assads alawitische Minderheit.

Westliche Geheimdienste benutzten Techniken, die in Georgien, in der Ukraine, im Iran, in Libyen, in der Türkei (ohne Erfolg) und in Ägypten entwickelt worden waren, um öffentlichen Ärger in Demonstrationen zu verwandeln. Die typisch unbeholfene Reaktion der Regierung Assad trug dazu bei, aus einem lokalen Problem einen sich ausbreitenden Bürgerkrieg zu machen.

Der größte Teil des Aufstandes gegen Damaskus begann an den Grenzen mit Libanon und Jordanien, wo Geheimdienste der Vereinigten Staaten von Amerika, des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und Saudi-Arabiens Anti-Assad-Gruppen organisierten, ausbildeten und bezahlten. Der türkische Geheimdienst MIT heizte den Aufstand auch im Norden an.

Ich bin überzeugt, dass westliche Sondereinheiten, bewaffnet mit den neuesten Antipanzer-Waffen, insgeheim die Anti-Regierungskräfte unterstützten - nicht anders als in dem vom Westen organisierten Sturz von Libyens Führer Muammar Gaddafi.

Frankreich hechelt schon lange nach der Wiedererrichtung einer Art Protektorat Levante unter französischer Führung, das den Libanon und Syrien umfassen soll. Es ist interessant, dass Frankreichs Sozialisten sogar noch imperialistischer eingestellt sind als die Konservativen. Der französische Geheimdienst - früher SDECE, jetzt DGSE - spielt eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung der antisyrischen und anti-Hisbollah-Fraktionen im Libanon.

Interessanterweise hat auch Russland nie ganz seine ins 19. Jahrhundert zurück reichenden Ambitionen als Verteidiger der Christen in der Levante aufgegeben. Moskau bleibt Syriens wichtigster Verbündeter.

Heute liegt Syrien in Trümmern. Es gehört jetzt zu Afghanistan und Irak, die sich ebenso dem Willen der Vereinigten Staaten von Amerika widersetzt und den Preis dafür bezahlt haben. Nach drei Jahren Krieg sieht es so aus, als würde die Regierung Assad langsam den Konflikt gewinnen, mit Hilfe des Iran, Russlands und zu einem kleineren Ausmaß der Hisbollah.

Während Damaskus militärisch die Oberhand gewinnt, sind Syriens vom Westen unterstützte Rebellenfraktionen in Verwirrung und Rivalitäten verstrickt. Sie sind nicht imstande, eine repräsentative Führung auf die Füße zu bringen. Mittlerweile haben zunehmend radikale Islamisten - vielleicht 100.000 - einen großen Teil der Kämpfe übernommen. Diese Freischärler sind so unberechenbar, dass sich ihre westlichen Paten schon mehr vor ihnen fürchten als vor Damaskus. Niemand ist imstande, sie zu kontrollieren und zu organisieren.

Lustigerweise sollten diese Jihadis Feinde des Westens sein und das säkulare Assad-Regime ein Verbündeter. Der Hass auf den Iran führt zu erstaunlichen Entwicklungen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika zeigten ihre Frustration über den Krieg, den sie begonnen haben, indem sie gerade die diplomatischen Beziehungen mit Syrien abgebrochen haben, ein Hinweis auf einen kaum unterbietbaren IQ (Intelligenzquotient), der zu einer total kontraproduktiven Vorgangsweise geführt hat und oft darauf hinweist, dass Krieg bevorsteht.

Noch bedenklicher - Israel führte in der letzten Woche einen weiteren Angriff gegen Syrien, nachdem eine seiner Patrouillen wahrscheinlich auf eine alte Landmine fuhr. Israel und seine Helfer aus den USA sind entschlossen, als ersten Schritt bei der Überwältigung des Iran die Regierung Assad zu zerschmettern.

Ausgehend vom Scheitern der gekauften Anti-Assad-Jihadisten könnte Israel in Bälde intervenieren, um Assads Luftwaffe und gepanzerten Verbände zu zerstören. Israel macht sich bereit, einen massiven Angriff gegen die Hisbollah im Libanon zu führen in einem weiteren Versuch, die schiitische Widerstandsbewegung auszurotten.

Im vergangenen Herbst wären die USA fast offen in den Krieg in Syrien eingetreten, als Russlands geschickte Diplomatie den Teppich unter Washingtons Füßen wegzog. Mächtige Gruppierungen in den Vereinigten Staaten von Amerika drängen jedoch immer noch auf Luftwaffen- und Marineangriffe gegen Syrien.

Ukraine und Krim haben die USA vorübergehend abgelenkt. Die vorsichtige Obama-Administration sucht den Konflikt zu vermeiden, aber Amerikas pro-Israel Neokonservative und republikanische Falken drängen hart auf Krieg - und im Herbst sind Halbzeitwahlen.

Quelle: www.antikrieg.com vom 22.03.2014. Originalartikel: War in syria set to intensify . Übersetzung: Klaus Madersbacher.

Veröffentlicht am

24. März 2014

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