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Mit Gottes Kraft gegen die Atombombe

Ordensschwester Megan Rice drohen 30 Jahre Haft für Einbruch in US-Nuklearlabor

Eine 84-Jährige Nonne soll in den USA lebenslang ins Gefängnis, weil sie in das Sicherheitssystem einer Kernwaffenanlage eindrang. Dabei war dies nicht die erste Protestaktion von Schwester Megan Rice.

Von Robert D. Meyer

Knoxville. Megan Rice wollte nie richtig in die Vorstellung passen, die in der Öffentlichkeit von einer katholischen Nonne vorherrscht. Ruhig und in sich gekehrt - das ist nicht das Leben, für das sich die streitbare Nonne von den "Schwestern vom Heiligen Kinde Jesu" begeisterte. "Sie ist die Art von Person, die ihr Leben riskieren würde, um andere zu schützen", schrieb die "New York Times" über Rice, die heute ihren 84. Geburtstag feiert.

Es wird ein eher einsamer Ehrentag werden: Die Ordensschwester sitzt seit mehr als einem Jahr im Gefängnis und könnte dies bis an ihr Lebensende tun, sollte das Gericht im US-Bundesstaat Tennessee der Forderung der Staatsanwaltschaft folgen und die Nonne für neun Jahre wegsperren. Rice war mit Leichtigkeit ein Coup gelungen, der US-Sicherheitsexperten bis heute Schweißperlen auf die Stirn treibt: Gemeinsam mit dem Zimmermann Greg Boertje-Obed und dem Vietnamveteran Michael Walli drang Rice am 28. Juli 2012 in die Urananreicherungsanlage Y-12 in Oak Ridge ein. Obwohl das Oak Ridge National Laboratory als eine der am strengsten bewachten US-Hochsicherheitskomplexe gilt, genügte den drei Friedensaktivisten Taschenlampen und ein Bolzenschneider, um sich Zutritt zum Gelände zu verschaffen. Dort blieben sie mehrere Stunden unentdeckt, schrieben "Frieden statt Krieg" und andere Solgans an die Wände der Labore. Ziel des Trios war es, die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, dass die US-Regierung in Oak Ridge noch immer große Mengen an waffenfähigen Uran lagert. Die Kleinstadt war 1942 vom Militär unter strenger Geheimhaltung im Eiltempo aus dem Boden gestampft worden, um Wohnraum für Tausende Wissenschaftler zu schaffen, die am Manhattan-Projekt und damit dem Bau der ersten Atombombe beteiligt waren. Oak Ridge trägt deshalb bis heute den Spitznamen Atomic City.

Die drei Friedensaktivisten wurden bereits in einem Gerichtsverfahren im Mai 2013 für schuldig befunden, das Strafmaß soll erst am 18. Februar verkündet werden. Laut US-Medien habe Rice nach ihrer Verurteilung gesagt, sie bereue lediglich, ihre Tat nicht bereits vor 70 Jahren begangen zu haben. Aussagen wie diese brachten ihre viele Sympathien innerhalb der US-Friedensbewegung ein. Mehrere Initiativen fordern ein mildes Urteil für die Ordensschwester. Sollte der Richter die Höchststrafe verhängen, drohen den Angeklagten bis zu 30 Jahre Haft. Rice käme damit zu Lebzeiten nicht mehr aus dem Gefängnis.

Ende der 90er Jahre verbrachte die Friedensaktivistin schon einmal insgesamt ein Jahr hinter Gittern, da Rice bei ihrer Teilnahme an Protesten gegen eine Militärschule in Georgia mehrere Gesetze missachtete. Polizeigewahrsam war sie zu diesem Zeitpunkt längst gewohnt: Rice wurde bei Protestaktionen seit den 80er Jahren mehr als 30 Mal festgenommen.

Quelle: Neues Deutschland vom 31.01.2014.

Veröffentlicht am

01. Februar 2014

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