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Grüße vom Internationalen Jüdischen Komitee für Interreligiöse Beziehungen an die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen

Rede von Rabbi David Fox Sandmel (Chicago, Internationales Jüdisches Komitee für Interreligiöse Beziehungen - International Jewish Committee on Interreligious Consultations) vor der 10. ÖRK-Vollversammlung in Busan, Südkorea, am 4. November 2013

Von Rabbi David Fox Sandmel

Schalom. Es ist mir eine besondere Ehre, dieser 10. ÖRK-Vollversammlung die Grüße des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beziehungen zu überbringen. Das Internationale Jüdische Komitee für Interreligiöse Beziehungen räsentiert jüdische Reform-, konservative und orthodoxe Bewegungen, die Anti-Defamation League, das Amerikanische Jüdische Komitee, B’nai B’rith International, den Israelischen Jüdischen Rat für interreligiöse Beziehungen und den Jüdischen Weltkongress. Es wurde vor mehr als vierzig Jahren gegründet, um Beziehungen zu anderen internationalen religiösen Körperschaften zu pflegen.

In den letzen Wochen gehört es zum Gottesdienst in den Synagogen der ganzen Welt, dass Juden aus dem Buch Genesis über die Geburt von Jakob und Esau lesen. Sie sind die Zwillingssöhne Isaaks und Rebekkas und sie sind von ihrer Empfängnis an im Konflikt miteinander: "Aber die Kinder stießen einander in ihrem Leib" (Gen 25,22). Durch Jahrhunderte verstanden viele jüdische und christliche Bibelausleger den Text so, dass in diesem Kampf die Beziehung zwischen unseren beiden Traditionen dargestellt, wenn nicht gar vorausgesagt worden sei. Beide Gemeinschaften betrachteten sich selbst als Jakob - auch Yisrael, Israel genannt - Gottes wahren und einzigen Bündnispartner. Beide sahen den anderen als Esau, den Gott und Gottes Versprechen zurückgewiesen habe. Diese Interpretationen, die sich gegenseitig ausschlossen, führten zu Misstrauen und Feindschaft, Gewalt und Verfolgung, darunter in der Zeit, die in unserem Gedächtnis lebendig ist, die Vernichtung von sechs Millionen Juden in der Shoah, dem Holocaust. Deshalb erinnern wir uns dankbar daran, dass der Weltkirchenrat bei seiner Gründung 1948 in Amsterdam einstimmig festgestellt hat: "Antisemitismus ist eine Sünde gegen Gott und den Menschen".

Im Lichte dieser Geschichte sehen wir Juden mit Schrecken die zunehmende Gewalt gegen Christen und christliche Gemeinschaften in Ländern wie Ägypten, Syrien, Indien, Nigeria, Indonesien und Pakistan. Wir sind bestürzt, dass die Welt das Leid, das den Menschen angetan wird, nicht beachtet. Besonders ungerecht ist es gegen die Völker in diesen Ländern und es verlängert ihre Qual, wenn ihre Notlage heruntergespielt wird und wenn andere Konflikte heuchlerisch und fälschlicherweise als Gründe für ihre Situation angegeben werden und wenn dann noch obendrein diese anderen Gründe für wichtiger erklärt werden.

Wir sind hier in Busan versammelt, während Israelis und Palästinenser mitten in Verhandlungen sind, die - so beten wir - zur Errichtung eines palästinensischen Staates neben Israel führen werden, sodass Juden, Christen und Muslime in Frieden miteinander leben und ohne Furcht ihre heiligen Orte verehren können. Wir werden von den Menschen auf allen Seiten ermutigt, die daran arbeiten, nicht nur eine politische Lösung zu finden, sondern die auch gemeinsam bemüht sind, das Trauma zu überwinden. Zu denen gehören das Elternkreis-Familienforum, eine gemeinsame palästinensisch-israelische Organisation mit mehr als 600 Familien, von denen alle durch den anhaltenden Konflikt einen nahen Angehörigen verloren haben. Ihre Aktivitäten haben gezeigt, dass Versöhnung zwischen Einzelnen und Nationen möglich ist. Diese mutigen Familien lehren uns, dass der Frieden nur kommen kann, wenn die besonderen Auffassungen von Gerechtigkeit auf beiden Seiten in Betracht gezogen und respektiert werden. Ich nenne hier ebenso israelische Krankenhäuser, in denen jüdische und arabische Ärzte und Krankenschwestern Hunderte verwundeter syrischer Männer, Frauen und Kinder behandeln sowie IsraAid, eine israelisch NRO, die in aller Welt Katastrophenhilfe leistet und die jetzt, ohne davon Aufhebens zu machen, mit syrischen Flüchtlingen arbeitet.

Diese Beispiele zeigen uns, wie Menschen aus verschiedenen Nationen und Traditionen sein können, gemäß den Worten Jesajas (58,12) "Man nennt dich den Maurer, / der die Risse ausbessert, / den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht."

Jetzt kehre ich zur Genesis zurück: Wir sollten auch daran denken, dass der Konflikt zwischen Jakob und Esau nicht das Ende der Geschichte ihrer Beziehung ist. In zwei Wochen werden wir Juden über die Versöhnung der beiden Brüder lesen (Gen. 33) und wie sie danach miteinander bei dem Begräbnis ihres Vaters Isaak (Gen 35,29) zusammenarbeiten. Offensichtlich konnten sie den Streit, der im Mutterleib begonnen hatte, überwinden. Heute leben in vielen Teilen der Welt Juden und Christen in Harmonie miteinander. Während wir uns nicht darüber einig sind, ob der Messias kommen oder wiederkommen soll, sind wir, wie der christliche Theologe Clark Williamson es so glücklich ausdrückt "Partner in der Erwartung". Bis zu diesem Tag können und müssen wir zusammenarbeiten, um das Leiden zu lindern, die Gerechtigkeit zu fördern und unsere Welt für die Herrschaft Gottes wieder instandzusetzen. Ken yehi ratzon, möge das Gottes Willen sein. Amen.

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler

Quelle: World Council of Churches . Originalartikel:  Greetings from International Jewish Committee on Interreligious Consultations .

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Veröffentlicht am

20. November 2013

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