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Robert Jungks Warnungen aus “Der Atomstaat” durch heutige Realität noch weit übertroffen

Hiroshima-Gedenktag 2013: Zum jährlichen Gedenken an die US-Atombomben, die Hiroshima und Nagasaki zerstörten, Menschen töteten und ihre Kinder auf Jahrzehnte hinaus verstrahlten.

Von Matthias Reichl

Robert Jungk, der in diesem Jahr hundert Jahre alt wäre, stellte 1985 in einem Gespräch mit Mathias Greffrath fest: "… hinter dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt verbirgt sich etwas, das zur Unterdrückung führt, menschenverachtend ist und im staatlichen Terrorismus endet…". Damit eng verbunden ist auch die irreversible Zerstörung der Natur - und damit unserer Lebensgrundlagen. In seinen ersten Büchern "Heller als tausend Sonnen", "Strahlen aus der Asche" und "Die Zukunft hat schon begonnen" hat Jungk schon in den 50er- und 60er- Jahren darauf bestanden, aus der atomaren Vergangenheit zu lernen - bevor es zu spät ist.

Als Robert Jungk 1977 in seinem Buch "Der Atomstaat" vor unkontrollierbaren Überwachungs- und Repressionssystemen und -staaten warnte - die ihre Maßnahmen durch mögliche Terroranschläge auf Atomanlagen zu rechtfertigen versuchen - wurde ihm unbegründete Panikmache vorgeworfen. Ähnlich erging es Günther Anders und auch jetzt noch weiteren Atomgegnern weltweit.

Die heutige Realität hat diese Warnungen nicht nur bestätigt, sondern sie auch in ihren Dimensionen und Intensität weit übertroffen. Immer mehr staatliche Geheimdienste - aber auch privatwirtschaftliche Datensammler - spannen ihre Netze weltweit, verweigern einen Einblick in ihre Dateien zur Korrektur und terrorisieren damit die Überwachten. Eine gerichtliche Klärung dieser Verstöße scheitert meist an der zeitlichen und finanziellen Belastung der Kläger und am Mangel an geeigneten Anwälten. Dies trifft im Besonderen Whistleblower, die vor drohenden Folgen warnen.

Ein Beispiel unter vielen ist der Atomtechniker Mordechai Vanunu, der das geheime israelische Atombombenprogramm enttarnte. 1986 vom israelischen Geheimdienst entführt und bis 2004 im Gefängnis inhaftiert, wird er seither weiter in seiner Freiheit behindert. Vor Kurzem wurde das Ausreiseverbot um ein Jahr verlängert. 1987 erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Edward Snowden solidarisierte sich bei seiner Pressekonferenz in Moskau mit ihm.

Am 30. Juli 2013 wurde in den USA das Urteil über den ehemaligen US-Soldaten Bradley Manning gesprochen, der geheime Informationen über US-Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan und deren Folgeschäden (z.B. durch radioaktive DU-Geschosse) an Wikileaks weitergegeben hat. Seine folterähnliche Untersuchungshaft seit 2010 und der Verlauf des Prozesses verstoßen mehrfach gegen die Menschenrechte - besonders die noch nicht veröffentlichte - jahrzehntelange Haftdauer.

Die Jagd der US-Geheimdienste nach Edward Snowden und auch den Wikileaks-Gründer Julian Assange belegen die menschenrechtsverletzende Praxis repressiver Systeme ähnlich dem von Robert Jungk beschriebenen "Atomstaat". Trotzdem riskieren es vorausschauende, aufdeckende und die Öffentlichkeit warnende Experten, Journalisten, Aktivisten und andere Engagierte dagegen gewaltfrei Widerstand zu leisten. Sie benötigen dringender denn je unsere aktive Solidarität!

Quelle: Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit - E-Rundbrief - Info 1245 vom 01.08.2013.

 

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Veröffentlicht am

04. August 2013

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