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Die dritte “Jahrhundertflut” in einem guten Jahrzehnt

Von Hans-Josef Fell

Es ist erschreckend, dass in der aktuellen Medienberichterstattung über die aktuellen Katastrophenfluten in Deutschland so gut wie nichts über die Erderwärmung als deren tieferer Hintergrund berichtet wird.

Kommt es denn einem Umweltminister Altmaier, einer Klimakanzlerin Merkel und den meisten Journalisten wirklich nicht in den Sinn, dass seit Jahrzehnten alle Warnungen der Klimaforscher voll damit sind, dass Unwetter immer häufiger und heftiger kommen werden, je höher die Erdtemperatur steigt?

Oder passt es ihnen nicht in die politischen Aussagen und Schlagzeilen der letzten Wochen, Monate und Jahre, dass Klimaschutz eine ökonomische Belastung sei, dass die Kosten für die Umstellung auf Erneuerbare Energien nicht bezahlbar sind, wie sie es seit vielen Jahren und vor allem in den letzten Monaten unentwegt verbreiten? Vielleicht müssten sie all den Menschen erklären, dass es billiger sei, heute schnell und mit hoher Geschwindigkeit auf eine globale Energieversorgung mit 100% Erneuerbare Energien umzusteigen, als weiterhin die jährlich steigenden Schadenskosten, verursacht durch die Erderwärmung zu zahlen. Nur dies wäre genau das Gegenteil von dem, was bisher von dieser schwarz-gelben Regierung zu hören war.

Es ist unerträglich, von Altmaier und Rösler zu hören, die Kosten der Energiewende seien zu hoch und von Kanzlerin Merkel zu hören, dass die Kosten des Klimaschutzes die Wirtschaft nicht überfordern dürfen. Sowie in der Welt, dem Spiegel, der FAZ und vielen anderen Zeitungen und Fernsehbeiträgen unentwegt "informiert" zu werden, wie unbezahlbar die Kosten der Erneuerbare Energien seien. Diese Aussagen müssen wie ein Hohn in den Ohren derer klingen, die aktuell ihre Existenzen durch eine Flut bedroht sehen. Landwirte, mittelständische Betriebe und Hausbesitzer in den Hochwassergebieten kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz und fürchten, in Konkurs und Armut gestürzt zu werden.

Doch kaum jemand verbindet die zunehmende Häufigkeit der für viele Menschen existenzbedrohenden Fluten mit der Erderwärmung. Nein, es sei ja ein unabwendbares Schicksal, eben ein Jahrhunderthochwasser. Die Definition eines Jahrhunderthochwassers ist doch, dass es statistisch einmal in einem Jahrhundert auftritt. In den jetzt betroffenen Regionen aber gab es doch alleine in den letzten elf Jahren schon drei Jahrhunderthochwässer: Im Sommer 2002 in Sachsen und an der Elbe, im August 2005 im Alpenraum und nun 2013 gar in beiden Regionen zusammen. Wobei es durchaus weitere jahrhundertähnliche Hochwässer dazwischen gab, wie 2009 im Alpenraum.

Wir werden bald eine Diskussion erleben, dass Menschen unter den zunehmenden Bedrohungen in den flutgefährdeten Gebieten nicht mehr leben wollen. Die Menschen in Grimma, Passau oder anderswo werden den Beschwichtigern nicht mehr glauben wollen, dass so ein Jahrhunderthochwasser doch nur alle Hundert Jahre vorkommt. Sie werden Überlegungen anstellen, wie sie denn diese gefährdeten, seit Jahrhunderten bewohnten Altstädte und Siedlungen, verlassen können - so sie denn könnten. Auch in anderen Teilen der Welt nehmen die Fragen zu, ob die entsprechenden Regionen denn überhaupt noch bewohnbar bleiben, so in Oklahoma, USA, wo die Tornados mit ihren verheerenden Auswirkungen immer schlimmer werden oder auf den Philippinen, wo die Taifune der letzten Jahre eine Katastrophe an die andere reihten.

Aber, politische Einsichten kommen nicht von alleine. So wie bei Kanzlerin Merkel, die ja immerhin auf der Klimakonferenz in Kyoto engagiert für mehr Klimaschutz warb, was sie offensichtlich längst vergessen hat. Es braucht eine starke Volksbewegung, die den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft klar sagt, dass wirksamer Klimaschutz keine Belastung für die Menschen und die Wirtschaft ist, sondern die einzige ökonomische Vernunft. Aber wenn nicht wenigstens die Menschen, die in flutgefährdeten Räumen leben, aufstehen und endlich eine wirksame Klimaschutzpolitik anmahnen, dann wird sich weiterhin nichts bewegen.

Wenn die Katastrophen da sind, dann wird es zu spät sein, dann fehlt die Kraft sich politisch für Klimaschutz einzusetzen, da das Kämpfen um die blanke Existenz alle anderen Kräfte nimmt.

Vorher gilt es also aktiv zu werden. Und dies in ganz anderen Dimensionen als bisher. Ähnlich wie die vielen Proteste weltweit um bessere soziale und demokratische Bedingungen, muss es Druck von Menschen für einen wirksamen Klimaschutz geben. Wobei es nicht nur um irgendeinen Klimaschutz gehen kann, sondern nur um einen solchen, der wirklich etwas bewegt - das kann nur das Ziel der globalen Abkühlung sein, denn mit einer von der Weltgemeinschaft und selbst vielen Klimaschützern angestrebten Erwärmung auf 2° Celsius werden die Jahrhunderthochwässer noch häufiger und heftiger kommen und die Jahrtausendhochwässer zur Normalität werden.

Jedenfalls stieg heute der Hochwasserpegel in Passau sogar über die bisherige Höchstmarke von 12,2 Meter aus dem Jahre 1501. Dabei hat Passau seit 2002 schon viermal Pegelstände von über 9 Metern aushalten musste- und das bei der heute erreichten Erderwärmung von "erst" 0,8° Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Wie hoch und wie oft werden die Pegelstände alleine in Passau steigen, wenn die Erde sich auf 2° Celsius aufgewärmt hat, wie es die Regierungen der Welt und selbst viele Klimaschützer offensichtlich akzeptieren wollen. Eine Welttemperatur, die mit den heutigen Emissionen von Klimagasen schon in einigen Jahrzehnten erreicht sein wird.

Quelle: Hans-Josef Fell - 03.06.2013.

Veröffentlicht am

03. Juni 2013

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