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Nach Fabrikeinsturz in Bangladesch: Kampagne für Saubere Kleidung fordert verbriefte Gebäudesicherheit. medico-Partner leistet Nothilfe

Angesichts der weiteren Katastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch fordert die Kampagne für Saubere Kleidung zusammen mit Gewerkschaften und Arbeitsrechtsgruppen aus aller Welt, die Käufer der bangladeschischen Textilien auf, endlich das bangladeschische Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen. Beim Einsturz des achtgeschossigen Gebäudes Rana Plaza nahe Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, sind nach aktuellen Angaben 167 Menschen ums Leben gekommen. Nahezu 1000 Menschen wurden verletzt. Das Gebäude beherbergte Fabriken in denen Kleidung genäht wurde. Die Fabriken führen international bekannte Marken als Kunden auf. Unter anderem wurden Label der spanischen Marke Mango und der britischen Marke Primark gefunden.

"Es ist unglaublich, dass die internationalen Käufer der Textilien sich immer noch weigern, ein verbindliches Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit mit Gewerkschaften zu unterzeichnen. Wie viele dieser Tragödien müssen noch passieren, bis sich die Unternehmen endlich zu einer Unterschrift bequemen?", so Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung.

"Im Moment sind die Familien der Opfer in Trauer um ihre Toten und die Gemeinden unter Schock. Aber sie und die vielen Verletzten sind ohne Einkommen und Unterstützung. Soforthilfe und langfristige Kompensationen müssen von jenen Unternehmen gestellt werden, die von Rana Plaza ihre Ware bezogen haben. Sie müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass sie nichts unternommen haben, um diese Tragödie zu verhindern", so Kirsten Clodius von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Der Fabrikeinsturz zeigt erneut, dass die Selbstverpflichtungen der Unternehmen darin versagt haben, das Leben der ArbeiterInnen zu schützen. Die Kampagne für Saubere Kleidung warnt davor, dass das Sterben in den Textilfabriken Bangladeschs so lange weitergehen wird, bis Unternehmen endlich einem verbindlichen und unabhängigen Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit zustimmen. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert deshalb die Unternehmen nochmals auf, umgehend das Bangladeschische Abkommen zum Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen und umzusetzen. Mit dem Abkommen hat die Kampagne für Saubere Kleidung zusammen mit lokalen wie internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen ein umfassendes Aktionsprogramm entwickelt, das unter anderem unabhängige Gebäudeinspektionen, Trainings zu Arbeitsrechten, öffentliche Auskunftspflicht und eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards vorsieht. Das Abkommen wurde bereits von Tchibo und PVH (Tommy Hilfiger und Calvin Klein) unterzeichnet.

medico international: Verantwortung für Fabrikeinsturz in Bangladesch tragen die Auftraggeber aus dem Westen

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch leistet die lokale medico-Partnerorganisation Gonoshasthaya Kendra (GK) ärztliche Nothilfe. Viele der Opfer wurden in das von GK betriebene Hospital in Savar aufgenommen oder mit GK-Krankenwagen in andere Hospitäler transportiert.

Thomas Seibert, Südasienreferent von medico international: "Der Einsturz ist bereits die dritte Katastrophe in einer südasiatischen Textilfabrik binnen weniger Monate, nach den Bränden von Dhaka und Karatschi. In allen drei Fällen wurden die Arbeiterinnen und Arbeiter zum Verbleib im Gebäude gezwungen - obwohl der Einsturz absehbar oder die Brände schon ausgebrochen waren. Verantwortlich sind aber nicht nur die Besitzer vor Ort und die korrupte Bürokratie in Bangladesh oder Pakistan. Die Auftraggeber in Europa wissen von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Sie haben sie einkalkuliert."

Viele Textilfabriken Südasiens arbeiten in für die Produktion völlig ungeeigneten, oft illegal errichteten Gebäuden, unter völliger Missachtung der Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften. Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verletzen selbst die in Bangladesch oder Pakistan geltenden die arbeitsrechtlichen Anforderungen. Gewerkschaftliche Aktivitäten werden widerrechtlich und auch mit Gewalt verhindert.

In keinem der Katastrophenfälle sind die Auseinandersetzungen um die Entschädigung durch die Auftraggeber abgeschlossen. Zusammen mit der Kampagne für Saubere Kleidung und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) unterstützt medico die Gewerkschaft NTUF und die Menschenrechtsorganisation PILER, die vom deutschen Textildiscounter KiK nach wie vor die volle Entschädigung der Opfer des Brands bei Ali Enterprises in Pakistan fordern. "Unsere Partner in Bangladesch bemühen sich gerade herauszufinden, wer in Deutschland, Europa oder den USA die Verantwortung für die Katastrophe von Savar trägt. Dabei geht es nicht nur um Entschädigung, sondern auch darum, dass es nicht zu weiteren Katastrophen kommt. Es geht um Brandschutzabkommen, um grundsätzlich verbesserte Arbeitsbedingungen und um das Recht auf freie gewerkschaftliche Betätigung", so Seibert.

Quelle: Kampagne für Saubere Kleidung und medico international - Pressemitteilungen vom 25.04.2013.

Weitere Informationen:

Veröffentlicht am

25. April 2013

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