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Weltweite AKW-Bilanz 2012: Atomkraft tritt auf der Stelle und wird von Solar- und Windkraft überrannt

Von Raimund Kamm

Auch 2012 wurden weltweit nur zwei neue Reaktoren in Betrieb genommen und mit dem Bau von drei Reaktoren begonnen. Zwei wurden stillgelegt. Zwei AKW-Baustellen wurden endgültig wieder aufgegeben. Die Erneuerbaren Energien überrannten die Atomenergie.

Wie viele AKW-Reaktoren weltweit den Betrieb oder Bau beginnen und beenden

  2000 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 20122 Baustellen in Bulgarien wurden wieder aufgegeben, 2 Reaktoren in Kanada wurden nach 15 bzw. 17 Jahren Stillstand wieder in Betrieb genommen; Stand 31.12.12. Etwas abweichende Angaben: http://www-pub.iaea.org/MTCD/Publications/PDF/RDS2-32_web.pdf .
 Betriebsbeginn 6 5 4 2 3 0 2 5 7 2
 Baubeginn 7 2 3 4 8 10 12 16 4 3
 Betriebsende 3 5 2 8 1 2 3 1 13weitere 6 Reaktoren in Fukushima sind de facto still gelegt 2
 In Betriebjeweils am Ende des Jahres 444 444 446 440 442 440 439 443 437 437


Ende 2012 waren weltweit 437 AKW-Reaktoren in Betrieb. http://www.iaea.org/pris/ . Eigentlich nur 431, da sechs weitere Atomreaktoren in Fukushima nicht offiziell aber de facto still gelegt sind. Ende 2000 waren noch 444 AKW-Blöcke in Betrieb. Seit Beginn der Fukushimakatastrophe haben sogar Länder wie China, Indien und Südkorea, die in den letzten zehn Jahren immer neue AKW-Bauabsichten verkündet hatten, die Signale auf Abwarten gestellt. Die Bautätigkeit wird nicht reichen, um die in die Jahre gekommenen und bald aus Altersgründen vom Netz gehenden Atomreaktoren zu ersetzen. Vor Tschernobyl wurden in manchen Jahren 20 und sogar über 30 Reaktoren neu in Betrieb genommen. 2012 waren es nur zwei.

In Europa ganz wenige Neubauten und die werden richtig teuer und unrentabel

In West- und Nordeuropa werden zwei Atomreaktoren neu gebaut. In Finnland wie in Frankreich entsteht jeweils ein EPR (European Pressurized Water Reactor). Im finnischen Olkiluoto sollte zum Festpreis von 3 Milliarden Euro und finanziert mit Krediten der Bayerischen Landesbank so ein Druckwasserreaktor erstellt werden und ursprünglich 2009 in Betrieb gehen. Jetzt steht die Kostenkalkulation bei 8,5 Milliarden Euro und die Fertigstellung wird für 2015 prognostiziert.

Schlecht läuft es auch für die Atomindustrie mit dem zweiten EPR im französischen Flamanville. Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass die Kosten nochmal um zwei Milliarden auf voraussichtlich auch 8,5 Milliarden Euro steigen werden. Statt wie ursprünglich geplant 2012 vermutet man jetzt eine Inbetriebnahme frühestens in 2016.

Anfangs hatte man den EPR mit Stromproduktionskosten von knapp 3 Cent je Kilowattstunde angepriesen. Jüngst hieß es im World Nuclear Industry Status Report 2012 http://www.worldnuclearreport.org/IMG/pdf/2012MSC-WorldNuclearReport-EN-V2.pdf ., der Strom könne nicht für weniger als 11 -16 Cent je Kilowattstunde geliefert werden.

Besorgniserregend ist, dass in Frankreich mit seinen 58 alten Atomreaktoren der AKW-Ausfall steigt. Im letzten Jahr standen bei unserem Nachbarn die AKW nur noch 76 Prozent der Zeit zur Verfügung. Hoffentlich wird bei Stromengpässen in Frankreich nicht entschieden: "Stromproduktion muss auch mal vor Sicherheit gehen".

Irrer Rekord in den USA

1973 begann man den Bau des Reaktors Watts-Bar-2. 1976 sollte er fertig sein. Eigentlich hatte man nach vielen Bauunterbrechungen und Verzögerungen die Inbetriebnahme jetzt für 2012 angekündigt. Aber 2012 hieß es, vor 2015 oder 2016 würde der Reaktor nicht fertig.

In den letzten fünf Jahren sind in den USA auch zig Milliarden staatliche Bürgschaften für den Bau neuer Reaktoren zugesagt worden und die Genehmigung für 28 Reaktoren wurde beantragt. Aber die meisten Verfahren treten auf der Stelle. Acht Anträge wurden sogar wieder zurückgezogen. Hauptgrund: Der Strom aus neuen AKW ist mit vorkalkulierten 8 - 11 ct/kWh zu teuer. Und das, obwohl Kosten für Unfallhaftung und Atommüll-Lagerung auf Staat, Steuerzahler und Nachkommen abgewälzt werden.

Osteuropa und Asien

Auf China, Indien und Russland entfallen drei Viertel aller AKW-Neubauten. Dort stehen 43 AKW-Baustellen in der Liste. Brutal werden neue AKW-Bauten in Indien im wahrsten Sinne des Wortes durchgeprügelt. Besorgniserregend ist auch China. Zurzeit werden in diesem boomenden Land 26 Atomreaktoren gebaut. Allerdings war auch für China Fukushima ein Einschnitt. Bis zum März 2011 stieg die Zahl der neuen AKW-Baustellen: 2008 waren es sechs, 2009 dann neun, 2010 bereits 10. Die Fukushimakatastrophe führte jedoch dazu, dass 2011 kein neuer AKW Bau begonnen wurde. Auch 2012 nicht.

Aufgabe von Atomplänen

Nach Beginn der Fukushima Katastrophe haben Japan und Bulgarien zwei Reaktorneubauten eingestellt. In Japan hält man sich jedoch einen Weiterbau noch offen. In Ägypten, Brasilien, Indien, Großbritannien, Kuwait, den Niederlanden und der USA strichen Investoren neue AKW-Pläne. Belgien, Schweiz und Spanien beschlossen den Atomausstieg. In Italien wie auch in Litauen bestimmten in Volksentscheiden große Mehrheiten die Abkehr von Atomplänen.

Erneuerbare Energien überrennen die Atomkraft

Die Weltzahlen 2012 zum Ausbau von Solar- und Windkraft werden erst in einigen Monaten vorliegen. Aber die Entwicklung im Jahr 2011 lässt Gutes vermuten: 2011 schrumpfte die Atomkraft um 7,4 GW (Gigawatt = Millionen Kilowatt). Die Windkraft wuchs um 40 GW und der neue Star Solarkraft nahm um 30 GW zu. 2012 stagnierte die Atomkraft, aber die Solaranlagen werden um schätzungsweise 40 GW und die Windkraft um 45 GW gewachsen sein.

Wir Umweltschützer setzen uns auch 2013 dafür ein, dass alle AKW vor dem nächsten GAU abgeschaltet werden. Und dass weltweit mit Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien eine enkeltaugliche Energiewirtschaft entsteht. 

Quelle:  FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. - Pressemitteilung vom 01.01.2013.

Fußnoten

Veröffentlicht am

02. Januar 2013

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