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“Waffenhandwerk schafft nur Unheil” (G.F. Händel) - Großes Klassik-Konzert gegen Waffenproduktion bei Heckler&Koch

Ein ungewöhnliches Konzert an einem ungewöhnlichen Ort konnten die Angestellten von Heckler&Koch, Polizei und Werkschutz sowie 300 Friedensaktivistinnen und -aktivisten aus Baden-Württemberg am 3. September 2012 um 10:00 Uhr vor dem Haupttor der Kleinwaffenfabrik Heckler&Koch erleben. Die Konzert-Aktion "Waffenhandwerk schafft nur Unheil" war als Kontrapunkt gegen die Normalität der Waffenproduktion und der Waffenexporte konzipiert worden. Und so war es auch im wahrsten Sinne des Wortes: Über den Werkshallen erklangen wohl zum ersten mal klassische Stücke mit friedenspolitischen und antimilitaristischen Texten von Wolfgang Pasquay (Friedensoratorium), Leoš Janácek (Ach Krieg), Uli Klan (Wer die Wahrheit spricht) sowie Händels Arie "Waffenhandwerk schafft nur Unheil" aus dem Alexanderfest. Das Orchester spielte Werke von Schubert (Unvollendete) und Schostakowitsch.

Während die Friedensktivistnnen begeistert klatschten, konnten die Werksangehörigen von Heckler&Koch ihre Sympathie nur versteckt zeigen. Selbst die Annahme des speziell für sie verfassten Flugblatts "Einladung zum Umdenken" wurde von der Werksleitung kritisch beobachtet. Bereits am frühen Montagmorgen wurde die Frühschicht überrascht. Statt offener Tore fanden die Beschäftigten nun die Lebenslaute Musikerinnen und Musiker vor, die zusammen mit weiteren Friedensaktivistinnen und -aktivisten den Lieferverkehr unterbanden und den Beginn der Frühschicht störten.

Der Blockadetag bei Heckler&Koch bildet den Abschluß der Aktionstage von Lebenslaute und der "Aktion Aufschrei" zu der sich rund 80 Initiativen und Organisationen zusammengeschlossen haben, um die Rüstungsproduktion im Ländle zu stoppen. Der Politologe Peter Grottian gab im Rahmen der Konzertaktion ein ehrgeiziges Ziel aus, indem er ein Standbild `zu Ehren` des Gründungsvaters Paul v. Mauser einweihte, da das Werk in Oberndorf "am 31.3.2013 aufgrund von Protesten aus der Bevölkerung geschlossen wurde."

Bereits am Vorabend, Sonntag, 02.09.12, hatte Lebenslaute vor rund 200 ZuhörerInnen in der Markuskirche in Villingen ein Vorkonzert gegeben. Die DFG-VK führte in Villingen ein zweitägiges Seminar zu Rüstungsexporten durch. Am Sonntag wurden die Eingänge zu Mauser in München blockiert.

Ernst-Ludwig Iskenius von refugio Villingen-Schwenningen (Beratungsstelle für traumatisierte Flüchtlinge): "Die Konzert-Aktion der Gruppe Lebenslaute ermutigt viele Menschen hier in der Region, zukünftig verstärkt ihre Stimme gegen die todbringende Waffenproduktion in unserem Land zu erheben. Dies ist dringend notwendig. Erhöht doch jeder Tag, an dem die Herstellung von Gewehren und Pistolen eingestellt wird, die Überlebenschance von Menschen nicht nur in Kriegsgebieten."

Marcus Beyer von Lebenslaute erklärt: "Während die Profite der Rüstungsindustrie in Deutschland auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten stets weiter zunehmen, sind immer weniger
ArbeiterInnen in diesem Sektor beschäftigt. Ein geordneter Ausstieg aus der Produktion von Kriegsgerät und ein Einstieg in die Herstellung ziviler Güter ist jederzeit möglich. Wir fordern von H&K, ihre Kriegsgeschäfte sofort zu beenden."

Quelle: Lebenslaute - Pressemitteilung vom 03.09.2012.

Anhang Lebenslaute

Unter dem Namen LEBENSLAUTE engagieren sich seit 1986 bundesweit MusikerInnen, einmal jährlich in Chor- und Orchesterstärke, dazwischen auch in kleineren Ensembles regional. Als offene Musik- und Aktionsgruppe bringt Lebenslaute überwiegend klassische Musik gerade dort zum Klingen, wo dies nicht erwartet wird: auf Militärübungsplätzen und Abschiebeflughäfen, vor Atomfabriken und Raketendepots, in Ausländerbehörden und an anderen menschenbedrohenden Orten.

Bei der Wahl der Konzert-Orte lässt sich Lebenslaute nicht durch herrschende Vorschriften einschränken. Im Gegenteil: LEBENSLAUTE-Aktionen suchen die politische Konfrontation durch angekündigten und bewussten Gesetzesübertritt. Seriöse Konzertkleidung unterstreicht das konzentrierte Auftreten. Wo es geht, versucht Lebenslaute, lokale Protestbewegungen zu stärken. Die Teilnehmenden bereiten sich gemeinsam und intensiv auf die Konzert-Aktionen vor und handeln auch gemeinsam. Dabei bleibt es in der Verantwortung der Teilnehmenden, wie weitgehend sie sich einbringen.

Die AktivistInnen bei Lebenslaute entscheiden stets basisdemokratisch, die Bedürfnisse und Bedenken aller Teilnehmenden sollen berücksichtigt werden. Betroffene möglicher rechtlicher Konsequenzen unterstützt das LEBENSLAUTE-Netzwerk gemeinsam mit anderen solidarisch.

LEBENSLAUTE sind musikalische Laien und Profis, InstrumentalistInnen und SängerInnen, nichtmusizierende AktivistInnen (für Organisatorisches, Verpflegung, Kinderbetreuung) und ZuhörerInnen.

Weblinks:

Veröffentlicht am

03. September 2012

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