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Kostenexplosion: Die B61-12 soll 10 Milliarden Dollar kosten

Von Otfried Nassauer

Das größte Atomwaffen-Modernisierungsvorhaben der USA seit mehr als 30 Jahren - die Entwicklung der Atombombe B61-12 - wird viel teurer als geplant. Die zuständige National Nuclear Security Administration (NNSA) musste gegenüber Kongressabgeordneten kürzlich zugeben, dass sich ihre Kostenschätzung für das Vorhaben binnen nur eines Jahres von vier auf acht Milliarden Dollar verdoppelt hat. Die Projektprüfer des Pentagons (CAPE) rechnen sogar mit Kosten von rund zehn Milliarden Dollar. Das gab die demokratische Senatorin Dianne Feinstein während einer Kongressanhörung am 25. Juli 2012 bekannt. Die neue Bombe, die auch die bisherigen Atomwaffen der USA in Europa ersetzen soll, gefährdet damit die Finanzierung auch anderer Vorhaben.

Noch im vergangenen Jahr hatte die NNSA damit geworben, das Vorhaben solle vier Milliarden Dollar kosten. Ende letzten Jahres hatte das Nuclear Weapons Council, ein Staatssekretärsausschuss der Regierung, zwar die Entwicklung der Bombe gebilligt, sie aber zugleich gestreckt und den geplanten Umfang der Modernisierung auf eine "mittlere Lösung" begrenzt. Ziel war es besonders auf besonders risikoreiche und kostenträchtige Teile des Programm zu verzichten, um dessen Kosten unter Kontrolle halten zu können. Auch der Kongress hatte die vollständige Freigabe der Haushaltsmittel für 2013 bisher an die Bedingung geknüpft, dass die NNSA ihre detaillierte Kostenkalkulation endlich offenlegt.

Teurer wird voraussichtlich auch der Anteil der US-Luftwaffe an den Kosten der B61-Modernisierung. Deren Kosten für das neue Heckleitwerk steigen nach Angaben der Luftwaffe, über die Hans Kristensen von der Federation of American Scientists berichtet, von 800 Millionen auf 1,2 Milliarden Dollar. Die Gesamtkosten des Projektes B61-12 belaufen sich also bereits jetzt auf 11-12 Milliarden Dollar.

Die Abgeordneten und Senatoren sind gebrannte Kinder. Wiederholt haben sich Vorhaben der NNSA exorbitant verteuert, lange verzögert und am Ende technisch nicht geleistet, was die NNSA versprochen hatte, als sie ihre Vorhaben durch den Kongress brachte. Abgeordnete und der US-Rechnungshof zweifeln seit Jahren daran, ob die NNSA ihre Großprojekte verlässlich managen kann.

Trotz großer Probleme und drohender Zwangskürzungen im US-Haushalt haben Kongress und Regierung bislang aber daran festgehalten, dass die Ausgaben für nukleare Waffen weiter steigen sollen. Für 2013 wird eine Erhöhung um 5% angepeilt, nicht zuletzt, um Programme mit Vorrang, wie die B61-12, im Zeitplan halten zu können. Doch auch solche Steigerungsraten werden nicht ausreichen, wenn die Kosten des B61-Projektes so stark steigen. Mit zehn Milliarden Dollar würde allein dieses Vorhaben bereits zwei Drittel aller Gelder verschlingen, die die Regierung in den nächsten zehn Jahren für Lebensdauerverlängerungsmaßnahmen des ganzen Atomwaffenarsenals der USA eingeplant hat.

Nun wollen die Abgeordneten sich um mehr Kostenkontrolle bemühen und regelmäßige Berichte von der NNSA anfordern. Doch ob das den gewünschten Erfolg haben wird, darf bezweifelt werden. Sie stellen das Vorhaben B61-12 nicht grundsätzlich zur Disposition und signalisieren damit, dass es letztlich doch finanziert werden wird. Koste es, was es wolle.

Otfried Nassauer ist freier Journalist und leitet das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit - BITS

Quelle: BITS - 13.08.2012. Wir veröffentlichen diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung von Otfried Nassauer.

Veröffentlicht am

15. August 2012

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