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Ökumenische Erklärung zur Rüstungsindustrie am Bodensee

Die Erklärung wurde aus Anlass des 15. Internationalen Ökumenischen Bodenseekirchentags (15.-17-6.2012 in Überlingen) veröffentlicht. Im Vorwort steht unter der Überschrift "Der blutrote Bodensee", dass "ungefähr 15 Firmen rund um den See Rüstungsgüter konstruieren, produzieren und exportieren". "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen." Die ErstunterzeichnerInnen sind 26 kirchlich und sozial engagierte Menschen aus der Bodenseeregion.

 

Ökumenische Erklärung zur Rüstungsindustrie am Bodensee

"Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Micha 4,3)

1. Jesus Christus starb am Kreuz. Das hatte vielschichtige Gründe. Ein Grund ist: Er war ein Opfer der römischen Machtpolitik. Daraus entsteht für uns der Auftrag, uns auf die Seite der Opfer zu stellen; auch auf die Seite jener Zivilisten, die durch Waffen (-teile) vom Bodensee zu Schaden kommen.

2. Jesus Christus hat seiner Kirche - auch den Kirchengemeinden am Bodensee - einen umfassenden Verkündigungsauftrag anvertraut. Sie sollen neben anderen Aufgaben wie Gottesdienst, Seelsorge, Diakonie, Kirchenmusik etc. auch das prophetische Amt ausüben. Wir haben auch den Auftrag, Unrecht beim Namen zu nennen.

3. Die Kirchengemeinden sollen darauf hinwirken, dass keine Waffen oder Waffenteile vom Bodensee in Krisen- und Kriegsgebiete geliefert werden, zum Beispiel nach Indien und Pakistan, sowie nach Israel und in den Nahen Osten.

4. Dasselbe gilt für Länder, in denen laut amnesty international die Menschenrechte grob missachtet werden, zum Beispiel China und Saudi-Arabien. Dasselbe gilt auch für die Vergabe von Lizenzen und für den Technologietransfer in solche Länder.

5. Wir haben lange weggeschaut und keine Fragen gestellt. Welche Firmen konstruieren und bauen an welchem Standort welche Waffen oder Waffenteile? Wohin werden sie geliefert? In welchen Kriegen werden sie eingesetzt? Wie viele Zivilisten (Frauen, Männer, Kinder) sterben durch unsere Waffen? Wie viele werden verletzt?

6. Die Rüstungsfirmen am Bodensee sind "gute" Arbeitgeber, Steuerzahler und Sponsoren. Man erhofft sich von ihnen Wohlstand. Man hat Respekt vor ihnen. Man überhöht sie wie das goldene Kalb (2. Mose 32). Aber Gott ist nur Einer. Neben ihm sollen wir keine anderen Mächte maßgebend ernst nehmen.

7. Wir leben nicht im Paradies, sondern in einer Welt, in der es Unrecht und Gewalt gibt. Auf verschiedenste Weise schadet jeder Mensch anderen Geschöpfen und auch sich selbst. Aber die Gegenwart Jesu Christi - im Geist, in der Gemeinde und in den Sakramenten - befreit uns schon hier und heute zu einem neuen Denken und Handeln (Matthäus 5-7).

8. Es gibt eine gemeinsame Verantwortung der Kirchen, Firmen, Parteien, Vereine und Gewerkschaften für das, was in der Bodenseeregion produziert werden soll. Es liegt nicht in der alleinigen Verantwortung der Menschen, die bei den Rüstungsfirmen arbeiten.

9. Der jährliche Rüstungsbericht der beiden großen Kirchen sowie die Erklärungen des Ökumenischen Rates der Kirchen sollen auch in den Kirchengemeinden am Bodensee gelesen und diskutiert werden.

10. Es gibt Alternativen zur Konstruktion, zur Produktion und zum Export von Waffen. Rüstungskonversion ist möglich. Auch am Bodensee.

Die Erstunterzeichner/innen sind, in alphabetischer Reihenfolge:

Ulrich AESCHBACH (Diakon, evang., Salem), Udo BAUMÜLLER (Pater, röm-kath., Mellatz), Klaus BORCHERS-ZIOBRO (Pfarrer i.R., evang., Überlingen), Walter BUDER (Dr. theol., röm-kath., Bregenz), Arne ENGELI (Studienleiter i.R., reformiert, Rorschach), Walter FREI (Theologe, reformiert, St. Gallen), Klaus FRIEDRICH (Diakon, röm-kath., Unterraderach), Christa HECHT-FLUHR, Kressbronn (röm.-kath. Dekanatsreferentin) Eberhard HEUSS (Pfarrer, evang., Lindau), Heinz KAPP (Dr., evang., Singen), Martina KNAPPERT-HIESE (Dipl.theol, evang., Kressbronn), Klaus LINDEMANN (Ingenieur, Immenstaad), Helga MICHELBERGER (evang. Frauenarbeit, Manzell), Holger MÜLLER (Dr. theol., Pfarrer, evang., Insel Reichenau), Werner NIDETZKY (Pater, Dr.-theol., röm-kath., Mellatz), Alexander NIKENDEI (Mitglied von Pax Christi, Friedrichs-hafen), Herbert PRUNER (Pax Christi, evang., Bregenz), Andreas QUINCKE (Pfarrer, evang., Markdorf), Cornelia RIEDL (Kirchenmusikerin, evang., Friedrichshafen) Paul RIEDMANN (Pfarrer, röm-kath., Bregenz), Karl-Heinz SANDER (Kirchengemeinderat, evang., Friedrichshafen), Rainer SCHMID (Pfarrer, evang., Friedrichshafen), Jörg SCHMITZ (Religionspädagoge, röm-kath., Friedrichshafen), Stefan SIEGEL-HOLZ (Dipl.theol., evang., Überlingen), Burkhard SIPPL-BARTH (Sonderpädagoge, Frickingen), Michael STRIEBEL (Prof. Dr., Bregenz, Mitglied von Pax Christi), Gertrud WAGNER (Pastoralassistentin i.R., röm-kath, Bregenz), Irmtraud WEBER (Mesnerin, evang., Friedrichshafen).

Kontakt: Dr. Heinz Kapp, Dr.-Andler-Straße 3, 78224 Singen / Deutschland, Telefon 0049-7731-67779 kapp.singen@t-online.de und kapp.singen@freenet.de.

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Veröffentlicht am

20. Juni 2012

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