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Atomwaffenexperte warnt in Berlin vor globalem Wettrüsten um militärische Fähigkeiten von Atomwaffen

Hans Kristensen, Atomwaffenexperte der Vereinigung "Federation of American Scientists" warnte während seines Besuches gestern und heute in Berlin vor den Folgen eines globalen Wettrüstens um die militärischen Fähigkeiten von Atomwaffen. "Alle Atomwaffenstaaten modernisieren ihre Atomwaffen", sagte Kristensen. "Das Wettrüsten dreht sich nicht mehr um die Zahl der Atomwaffen, sondern um ihre Fähigkeiten".

Schwerpunkt der Gespräche von Kristensen in Berlin ist die Modernisierung der B61-Atombombe, die in Deutschland stationiert ist. Präsident Obama hat versprochen, die Modernisierung der Atomwaffen würde nur der Lebensdauerverlängerung dienen. Der Atomsprengkopf werde nicht neu gebaut oder neue Zwecke erfüllen. Kristensen: "Die Designer sagen, die B61-12 wird keine neue Waffe, aber sie bekommt doch neue Komponenten, die die Bombe präziser und lenkungsfähiger machen. Dies würde wiederum bedeuten, dass sie anders eingesetzt werden kann: gegen Ziele, die sonst nicht erreichbar wären."

Hans Kristensen appelliert an Deutschland "nicht die Hände in dem Schoß zu legen. Deutschland ist für diese Diskussion ungeheuer wichtig. Weil die Tornado-Trägerflugzeuge veraltet sind, wird Deutschland künftig keine Atomwaffen mehr transportieren können und dadurch automatisch abrüsten. Besser ist es, sich jetzt aktiv an der Diskussion zu beteiligen und politischen Einfluss zu nehmen". Die Entscheidung, die alte B61 zu modernisieren, hat das Nuclear Weapons Council in den USA bereits getroffen. Dennoch wird der US-Kongress demnächst die Kosten (ca. 4 bis 5 Mrd.) debattieren. Die ersten B61-12 sollen ab dem Jahr 2019 fertig gestellt werden und anschließend in Europa stationiert werden. Italien, die Türkei und die Niederlande werden auch neue "Joint Strike Fighter"-Trägerflugzeuge von den USA bekommen, die mehr militärische Fähigkeiten haben als ihre Vorgänger. "Was signalisieren wir Russland mit diesen Modernisierungen?", fragt Kristensen.

Kristensen ist überzeugt, dass die USA die B61-Bomben am liebsten aus Europa abziehen würden. Die NATO sei aber bisher nicht in der Lage, einen Konsens über die Abzugsfrage zu erreichen, weil die neuen Mitgliedsstaaten noch Sicherheitsbedenken gegenüber Russland hätten. Auch Frankreich habe sich bisher dagegen ausgesprochen.

Die B61-12 ist jedoch nur eine von den Atomwaffen, die im US-Arsenal erneuert wird. Auch neue Atom-U-Boote und Langstreckenbomber werden gebaut. "Die USA treffen gerade Entscheidungen, die das Atomarsenal für die nächsten hundert Jahre sichert."

Quelle:  Kampagne "atomwaffenfrei.jetzt" - Pressemitteilung vom 26.04.2012.

Veröffentlicht am

26. April 2012

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