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Alle Kolonialkriege gleichen sich

Von Eric S. Margolis

Die Berichte über das Massaker eines amerikanischen Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten, die meisten davon Frauen und Kinder, ließ mich über die 14 Kriege und Kolonialkonflikte nachdenken, über die ich in meiner Laufbahn berichtet habe. Schrecklich, aber nicht überraschend.

Dieser Zwischenfall illustriert das, was ich als die Eisernen Gesetze des Kolonialkrieges bezeichne:

  • Such einen guten Vorwand, um in ein Land einzumarschieren, das du begehrst. Frankreich marschierte 1830 in Algerien ein, nachdem dessen Herrscher angeblich den französischen Botschafter mit einer Fliegenklatsche geschlagen hatte. In der Kolonialära des 19. Jahrhunderts provozierten Frankreich und Britannien Zwischenfälle und behaupteten dann, ihre Invasionen hätten das Ziel, das Licht des Christentums und die westliche Zivilisation nach Afrika und Asien zu bringen. Da gab es den berüchtigten Zwischenfall im Golf von Tonkin, der den Vietnamkrieg entzündete. In der Ära Bush wurde angeblich die Demokratie verbreitet.

Den heute aktuellen Vorwand bilden humanitäre Rettungseinsätze. Das erdölreiche Libyen war ein erstklassiges Beispiel. Das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreich schürten eine Revolte in Bengazi und intervenierten dann militärisch.

  • Divide et Impera (teile und herrsche) sagten die Römer. Such eine verärgerte oder rebellische Minderheit, begünstige sie gegenüber der Mehrheit, mach sie zu deinen Verbündeten bei der kolonialen Herrschaft. Gute Beispiele: Tadschiken und Usbeken in Afghanistan, die zuerst die Sowjets und dann die Amerikaner gegen die Mehrheit der Paschtunen unterstützten. Tamilien in Sri Lanka, begünstigt durch das britische Reich, oder christliche Ambonesen in Indonesien, die von den Holländern benutzt wurden, um ihre brutale Herrschaft durchzusetzen.
  • Bau eine einheimische Söldnerarmee auf. Das imperiale Britannien benützte Gurkhas und Sepoys in Indien, die Franzosen benützten sengalesische Truppen in Nordafrika, die Vereinigten Staaten von Amerika beschäftigten zehntausende Söldner in Irak und Afghanistan. Britanniens indisches Raj wurde ermöglicht durch eine Reihe von kooperativen Prinzen. Die Sowjets beherrschten Osteuropa durch die örtlichen Kommunisten und ihre Sicherheitskräfte.
  • Stelle alle, die gegen die fremde Herrschaft sind, als religiöse Fanatiker, Terroristen, Wilde, Banditen (von den Sowjets gerne benutzte Bezeichnung) hin. Die Medien des Westens denunzierten die Anführer der Unabhängigkeitsbewegungen pflichteifrig als "verrückte Mullahs", "Erzterroristen", "Hitler am Nil" (Nasser) oder den zur Zeit favorisierten "Hitler in Teheran."
  • Je länger deine Okkupationsarmee bleibt, desto mehr wird sie die einheimische Bevölkerung zuerst geringschätzen, dann hassen, und sie als Wilde und Untermenschen betrachten.

Kollektive Strafen gegen Zivilisten durch verärgerte, frustrierte, ängstliche fremde Soldaten werden zur Norm. Gräueltaten werden zunehmen. Denken Sie an das My-Lai-Massaker in Vietnam, das berüchtigte Amritsar-Massaker in Indien, Indiens Unterdrückung im rebellischen Kaschmir, Japans Gräueltaten in China, die Marinesoldaten der Vereinigten Staaten von Amerika in Fallujah oder die Russen in Tschetschenien.

  • Koloniale Okkupationen beruhen zunehmend auf Brutalität und Einschüchterung, dann Folter und geheimen Exekutionen. Die französische Armee wurde zutiefst korrumpiert durch ihre Verbrechen in Algerien und verlor ihre Ehre. Die Vereinigten Staaten von Amerika wiederholen derartige schreckliche Gräuel in Afghanistan. Italien benutzte in den 1930er Jahren Konzentrationslager und Giftgas, um Libyen in die Knie zu zwingen. Die UdSSR tötete 1,5 Millionen Afghanen. Alle Kolonialkriege sind schmutzig.
  • Kolonialtruppen finden sich umgeben von einer feindseligen Zivilbevölkerung, angegriffen von allen Seiten und hintergangen sogar von ihren nominellen einheimischen Verbündeten. Sie werden zunehmend brutaler, rachsüchtig und anfällig für Drogenkonsum und Vergewaltigung. Überraschungsangriffe, Sprengfallen, Minen und andere explosiven Geräte führen zu weit verbreiteter Furcht und Depression.

Russland leidet jetzt unter einer tödlichen Heroinepidemie, die ihre Wurzeln in der 10jährigen Okkupation Afghanistans hat. Der Einsatz der Folter in Irak und Afghanistan wirkt sich aus auf den Umgang mit dem Strafrecht in den Vereinigten Staaten von Amerika. Viele ehemalige Soldaten, die in diesen neokolonialen Kriegen in der Dritten Welt gedient haben, kehren zurück nachhause, um dort in die Polizei und Regierungsagenturen einzutreten.

Ein Gefühl des Verrats dominiert. Die angeblichen einheimischen Verbündeten der Sowjets in der kommunistischen Partei hielten oft heimliche Verbindungen mit dem Mujahedin-Widerstand aufrecht und warnten diese vor bevorstehenden Einsätzen der Roten Armee. Heute arbeiten viele Mitarbeiter der von den Vereinigten Staaten von Amerika installierten afghanischen Regierung geheim mit den Taliban und deren Verbündeten zusammen.

  • Fremde Okkupation und Militärstützpunkte verbreiten unweigerlich Korruption, Prostitution, Primitivkultur und Geschlechtskrankheiten. Die fremden Soldaten verschanzen sich zunehmend in befestigten Stützpunkten, aus denen sie hinausstürmen, um Racheaktionen durchzuführen und Flagge zu zeigen. Die Auffassung, dass 20jährige Soldaten aus den Unterschichten der westlichen Gesellschaft Herzen und Hirne von afghanischen Stammesleuten gewinnen können, ist einer der albernsten Mythen unserer Zeit.
  • Okkupationsarmeen verwandeln sich schnell in Kolonialstreitkräfte: leicht bewaffnete mobile Polizeieinheiten. Wenn es zu einem richtigen Krieg kommt, sind sie nicht gerüstet für den Kampf gegen einen modernen Gegner. 1914 wurden die britischen imperialen Streitkräfte in den Schützengräben von Flandern hingeschlachtet. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihre Armee auf koloniale Kriegführung umgestellt. Ihr nächster Krieg kann jedoch gegen China oder Nordkorea gerichtet sein.

Quelle: www.antikrieg.com vom 17.03.2012. Originalartikel: All colonial wars are alike . Übersetzung: antikrieg.com.

Veröffentlicht am

19. März 2012

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