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Kazuo Soda: “Wir überlebenden Atombombenopfer hatten keine Vorstellung von den toxischen Substanzen und der Radioaktivität”

Ansprache am 9. August 2011 bei der Wiener Friedenspagode 2011

Von Kazuo Soda

Ich bin so glücklich, nach einer Unterbrechung von zwei Jahren wieder in Wien sein zu dürfen. Vor allem, weil einige unerwartete Geschehnisse, nicht nur mir persönlich, sondern auch meinem Land passiert sind.

Nicht nur fühlte ich mich nach dem Tod meiner Frau allein gelassen, ich war auch durch das große Erdbeben und den Tsunami, sowie den Nuklearunfall in Fukushima geschockt. Fukuoka, dort wo ich lebe, ist von der betroffenen Region weit entfernt und die Schäden sind zur Zeit nicht weiter als nach Kyusyu in Westjapan zu spüren. Ich hatte also sozusagen Glück.

Immer wenn ich Europa besuche wird mir ausnahmslos eine Frage gestellt: Warum besitzt Japan, das einzige Land das mit Atombomben getroffen wurde, Atomkraftwerke, noch dazu in einer an Erdbeben reichen Region? Heute muss ich meine Antwort darauf ernsthaft in Frage stellen, dass nämlich die friedliche Nutzung der Atomenergie etwas anderes sei, als die militärische Nutzung. So lange die Sicherheitsstandards garantiert sind, gibt es kein Problem.

Der Reaktorunfall in Fukushima hat mich gelehrt, dass meine Antwort grundfalsch war, und dass es keine einfache Kontrolle über die Nuklearenergie gibt. Der Mythos der Sicherheit, der uns glaubhaft gemacht werden sollte, ist zusammengebrochen. Die radioaktive Verseuchung breitet sich entgegen allen Versuchen ihrer Eindämmung weiter aus. Die Naturkatastrophe des großen Bebens und des Tsunami forderte 20.000 Menschenleben und etwa 120.000 Menschen sind gezwungen, in Notunterkünften zu leben. Eine große Zahl dieser unbehausten kann nicht mehr in ihre Häuser zurück, da diese radioaktiv kontaminiert sind. Und selbst die offiziellen Zahlen des Ausmaßes der radioaktiven Verstrahlung lassen den Flüchtlingen wenig Hoffnung auf eine Wiederkehr in ihre gewohnten Gebiete.

Wenn wir uns nun der Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki zuwenden, wir Hibakusha, Überlebende der Atombomben, die von der Explosion der Atombomben weggefegt und von den Hitzestrahlen verbrannt wurden, hatten keine Vorstellung von den toxischen Substanzen und der Radioaktivität. Dies alles wurde damals absolut verschwiegen. Wir wussten nichts über die Verstrahlung. Noch heute scheint es mir ein Wunder gewesen zu sein, dass ich die Hölle nur 2,5 Kilometer vom Explosionszentrum entfernt in Nagasaki überlebt habe. Die meisten meiner SchulfreundInnen sind tot; manche starben unmittelbar, die anderen langsam an den Spätfolgen der Strahlenkrankheiten. Wenn ich heute daran denke, welche Erfahrungen wir Hibakusha gemacht haben, dann müssen wir feststellen, dass wir weder mit den Atomwaffen noch mit der Atomenergienutzung leben können.

Die USA haben wieder ein subkritisches Experiment aufgeführt: Präsident Obama sollte für seine Prager Deklaration verantwortlich gemacht werden. Wenn sich die USA nicht daran halten, dann muss er ein Betrüger an der Welt genannt werden. Was ist denn die Bedeutung des Friedensnobelpreises, den er erhalten hat?

Lasst uns der Seelen der verstorbenen Atombombenopfer gedenken und versprechen wir uns, für eine Welt frei von nuklearer Bedrohung zu arbeiten.

Danke.

Kazuo Soda (Japan) hat den Atombombenabwurf auf Nagasaki im Alter von 15 Jahren überlebt. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Hibakusha-Bewegung (Hibakusha: Überlebende der Atombomben). Siehe ebenfalls: http://de.wikipedia.org/wiki/Kazuo_Soda

Quelle:  www.hiroshima.at .

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Veröffentlicht am

16. August 2011

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