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Die Erschaffung der bin Laden-Realität

Von Paul Craig Roberts - www.foreignpolicyjournal.com vom 14.05.2011

Heute (13. Mai 2011) hörte ich ein Dutzend Mal in den Medien, dass die Vereinigten Staaten von Amerika Osama bin Laden in Pakistan getötet haben. Dreimal hörte ich es in NPR (National Public Radio - der "Kultursender"), zweimal in der BBC und von jeder TV- und Radiostation, die ich einstellte, sogar von den Sendern, die Rock&Roll-Musik der 1950er und 1960er spielen. Die Tötung bin Ladens ist jetzt eingegangen in die Legenden unserer Zeit, und, ohne Zweifel, in die Geschichtsbücher.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, die uns hatte wissen lassen, dass Saddam Hussein über "Waffen der Massenvernichtung" und "Verbindungen zu al Qaeda" verfügte und dass der Iran Atomraketen besitzt, die es für die Vereinigten Staaten von Amerika erforderlich machen, Russland mit Raketenabwehrsystemen zu umstellen, hat uns endlich einmal die Wahrheit gesagt. Obama fand Osama und ließ den offenkundig Unbewaffneten in Unterwäsche, der nicht von al Qaeda, den "bestausgebildeten, gefährlichsten und bösartigsten Killern auf dem Planeten," sondern von zwei unbewaffneten Frauen verteidigt wurde, umbringen.

Für diejenigen, die das glauben: ich habe eine Brücke in Brooklyn, die ich euch zu einem günstigen Preis überlassen kann.

Für uns Proleten hat die Regierung eine neue Realität geschaffen. Wir haben wieder gewonnen. Wir Anständigen haben den Übeltäter gefasst, wie im Wildwestfilm. Fantasie ist besser als Fakten, und wir Guten schaffen es. Das macht alle glücklich, sogar die, die ihre Jobs, ihre Häuser und ihre Pensionen verloren haben.

So, und wer ist der nächste Übeltäter? Der Militär-/Sicherheitskomplex kommt ohne einen Übeltäter nicht aus, sonst könnte das Budget gekürzt werden und Milliarden Dollars an Profiten wären verloren. Ohne den Amerikanern einen vorzusetzen, den sie hassen, kann die Show nicht weitergehen.

Die Heimatlandsicherheit sagt, der nächste Übeltäter werden "Extremisten im Inland" sein. Die CIA sagt, es wird der nächste al Qaeda-Anführer sein, der Nachfolger bin Ladens, der uns Anständige terrorisieren wird, weil wir bin Laden getötet haben. Die neokonservativen Braunhemden sagen, dass es Pakistan ist, das bin Laden vor uns versteckt und ihn davor beschützt hat, dass der Gerechtigkeit Genüge getan werden konnte. Hillary sagt, dass es China ist, und während der Zusammenbruch der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika weiter geht, werden mehr und mehr Finger auf China zeigen.

Die Flughafensicherheit wird mehr Babies abtasten, mehr Geschlechtsteile befühlen und mehr Flugpassagiere bestrahlen.

Aber ohne bin Laden werden wir uns sicherer und weniger gefährdet fühlen, was für den Militär-/Sicherheitskomplex kontraproduktiv ist. Obama hat einen fundamentalen Fehler gemacht. Er tötete Emanuel Goldstein (bin Laden), die Hassfigur, die die Billionen Dollars gerechtfertigt hat, die wir verschleudert haben, um sie zu fassen.

Erst wenn die Heimatlandsicherheit, die CIA und das Weiße Haus bestimmen, wer die neue Hassfigur zu sein hat, wird es mit uns wieder weiter gehen.

Es dauerte 10 Jahre, um bin Laden zu bekommen. Das beweist, dass alle diese Sicherheitsexperten, die sagen, dass der Krieg mindestens 30 Jahre lang dauern wird, wahrscheinlich die Zeit unterschätzen, die der notwendige Einsatz insgesamt erfordern wird. Wenn es jeweils zehn Jahre dauert, um die nächsten beiden Anführer zu finden und umzubringen, dann haben wir es mit einem Konflikt zu tun, der über Generationen hinweg andauern wird.

Ich habe schon früher darüber geschrieben, dass bin Ladens Tötung so vielen verschiedenen Agenden dient, dass sogar diejenigen, die nicht daran glauben, sich drangehängt haben. Al Qaeda selbst kann nicht länger terroristische Handlungen für sich beanspruchen, ohne zu erklären, dass sie aus Rache für bin Laden erfolgten.

Die bin Laden-Geschichte ist jetzt in Stein gemeißelt, immun gegen die Faktenlage. Global Research hat uns das letzte bekannte Interview mit bin Laden zugänglich gemacht, welches am 28. September 2001 in einer pakistanischen Tageszeitung erschienen ist und vom World Monitoring Service der BBC am 29. September 2001 übersetzt und für den Westen verfügbar gemacht wurde.

In dem Interview sagt bin Laden: "Ich habe bereits gesagt, dass ich mit den Attacken am 11. September in den Vereinigten Staaten von Amerika nichts zu tun habe …Wer immer die Tat am 11. September begangen hat, es sind keine Freunde des amerikanischen Volkes. Ich habe schon gesagt, dass wir gegen das amerikanische System sind, nicht gegen das Volk, und in diesen Attacken wurden ja einfache Amerikaner getötet … Die Medien des Westens entfesseln eine dermaßen grundlose Propaganda, die uns überrascht, die aber wiedergibt, wie es in ihren Herzen aussieht und wie sie Schritt für Schritt selbst zu Gefangenen dieser Propaganda geworden sind. … Terror ist die am meisten gefürchtete Waffe der modernen Zeit und die Medien des Westens setzen sie gnadenlos gegen ihre eigenen Völker ein."

Aber wer soll schon einem dämonisierten bin Laden glauben, wenn das voraussetzt, einem George W. Bush, Dick Cheney und den Medien des Westens nicht zu glauben?

Wir wissen doch alle, nicht wahr, dass in Amerika die Regierung immer das Beste für die einfachen Menschen im Sinn hat und ihnen immer die Wahrheit sagt? Wenn Sie das nicht glauben, sind Sie antiamerikanisch.

Paul Craig Roberts war Stellvertretender Schatzminister in der Reagan-Administration, Herausgeber der Kommentarseite des Wall Street Journals und Mitherausgeber des National Review.

Quelle: www.antikrieg.com vom 16.05.2011. Übersetzung: antikrieg.com.

Veröffentlicht am

19. Mai 2011

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