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Update Fukushima: Die Lage wird immer ernster

Lecks in den Reaktoren, Kernschmelze und tausende Tonnen radioaktives Wasser: Zwei Monate lang hat Tepco verschwiegen, wie ernst die Lage im japanischen AKW Fukushima 1 (Daiichi) wirklich ist. Jetzt hat der Betreiber seinen Krisenplan überarbeitet - doch auch der verspricht keine Wende zum Guten.

Vor kurzem hat Tepco Dokumente veröffentlicht, die belegen: Alles ist noch viel ernster als zuvor angenommen. Die Kernschmelze in Reaktor 1 hat demnach schon wenige Stunden nach der Naturkatastrophe eingesetzt - aufgrund eines Lecks infolge des Erdbebens. Zuvor hatte der AKW-Betreiber stets behauptet, Fukushima Daiichi habe keinen Schaden durch das Erdbeben erhalten, sondern der Tsunami habe das Kühlsystem zerstört und den GAU ausgelöst. In den Reaktoren 2 und 3 werden ähnliche Kernschmelzen und Lecks befürchtet, wie die Tepco-Dokumente zeigen. Das Problem: Durch die beschädigten Stellen strömen derzeit tausende Tonnen von hochradioaktivem Wasser nach außen. Ein Schwimmfloß - 136 lang und 46 Meter breit - soll diese Wassermassen in den kommenden Tagen aufnehmen. Doch was passiert dann mit dem kontaminierten Wasser? Und: Reichen die Kapazitäten des Floßes überhaupt aus?

Das alles sind Fragen, die sich in viele weitere Unklarheiten einreihen. "Wir wissen nicht, ob von Seiten der japanischen Regierung und Tepco etwas unternommen wird gegen die Gefahren, die de facto existieren", so Greenpeace-Energieexperte Christoph von Lieven. "Wir fordern daher sowohl von der Regierung als auch vom AKW-Betreiber eine transparente Offenlegung aller Informationen, Messwerte und Daten." Den Ernst der Lage verdeutlicht auch die permanente Ausweitung des Evakuierungsgebietes: Zunächst von einem 20- auf einen 30-Kilometer-Umkreis und jetzt keilförmig in Richtung Nordwesten auf 45 Kilometer. Dort befindet sich Fukushima City, wohin der Wind gefährliche radioaktive Partikel transportiert.

"Wir brauchen unabhängige Atomexperten"

Die verzögerte Herausgabe der Informationen durch Tepco ist das eine Problem. Das andere: Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), der die neuen Tepco-Dokumente vorliegen, hat diese Neuigkeiten unkritisch und unkommentiert herausgegeben. Wenn der GRS die Gefahren nicht bewusst waren, handelt es sich um eine fahrlässig unkritische Informationsweitergabe. Für Deutschland stellt sich dann die Frage: Besitzt die GRS überhaupt genug Expertise? Diese Organisation ist es schließlich, die die technische Überprüfung der deutschen AKW kontrolliert. Wenn die GRS auch hier so unkritisch vorgeht, steht uns dann auch hierzulande ein Fukushima bevor? - Für von Lieven ist die Anforderung klar: "Wir brauchen unabhängige Experten, die nicht der Atomindustrie angehören und die die Situation und die Ereignisse rund um Fukushima, aber auch hier in Deutschland, kritisch hinterfragen."

Wie geht es in Fukushima jetzt weiter?

Tepcos überarbeitete Maßnahmen zur Sicherung des AKW in Fukushima hat Spiegel Online am heutigen Mittwoch publiziert . Auf dem Kraftwerksgelände soll zum Beispiel weiterhin Kunstharz versprüht werden, um radioaktiven Staub zu binden. Außerdem arbeite der AKW-Betreiber daran, eine Plane über die beschädigten Units 1 bis 3 zu spannen, um ein Ausweichen der radioaktiven Stoffe in die Atmosphäre zu verhindern. Die Wetterbedingungen vor Ort könnten die Situation trotz aller Pläne jedoch deutlich verschlimmern: Anfang Juni beginnt in Fukushima die Taifun-Saison, der Regen könnte erneut große Mengen Radioaktivität ins Meer spülen. Außerdem ist mit Blitzeinschlägen sowie Stromausfällen zu rechnen und es wird immer wieder Nachbeben geben, die weitere Schäden nach sich ziehen und die Stabilisierungsarbeiten an den Reaktoren verzögern können. Tepco ist jedoch auf solche realistische externen Einflusse nicht vorbereitet. Da bislang außerdem keine detaillierte Bestandsaufnahme von der Situation im AKW selbst gemacht wurde, ist ein solcher Zeit- und Krisenplan, wie Tepco ihn vorgelegt hat, aus der Sicht von Greenpeace unseriös. Die geplanten Maßnahmen lassen momentan demnach auch keine Hoffnung auf Fortschritte zu.

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Quelle: Greenpeace - 18.05.2011.

Veröffentlicht am

19. Mai 2011

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