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Atomkraft: Risiken schon im Normalbetrieb

Gesundheitsgefahren beim Brennelementwechsel

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW warnt vor Gesundheitsgefahren beim Brennelementwechsel in Atomkraftwerken. Am Wochenende ging das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld zum Brennelementwechsel und zur jährlichen Anlagenrevision vom Netz. Bei einem Brennelementwechsel wird der Deckel des Reaktordruckgefäßes geöffnet. Dabei entweichen neben radioaktivem Kohlenstoff weitere radioaktive Stoffe wie Tritium, Jod 131, Caesium 137, radioaktive Edelgase sowie das schwer zu messende Strontium 90 und Spuren von Plutonium 239.

Die IPPNW fordert die Bundesregierung auf, umgehend per Gesetz zu regeln, dass die Emissionsmesswerte aus allen deutschen Atomkraftwerken nicht mehr als Betriebseigentum der Betreiber behandelt werden. Sie müssen der Öffentlichkeit, insbesondere der öffentlichen Forschung zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollten nicht nur wie bisher gemittelte Werte, sondern auch alle Tagesspitzenwerte veröffentlich werden.

"Die ionisierende Niedrigstrahlung, die schon im AKW-Normalbetrieb ständig in die Umgebung abgegeben wird, ist offensichtlich gefährlicher als angenommen", erklärt IPPNW-Vorstandsmitglied Reinhold Thiel. Eine vom Mainzer Kinderkrebsregister im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz durchgeführte Fall-Kontroll-Studie hatte 2007 bewiesen: Je näher ein Kleinkind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist sein Risiko, an Krebs, besonders an Leukämie zu erkranken. Nach Ansicht der IPPNW ist es wahrscheinlich, dass die strahlenbedingten Leukämie-Erkrankungen schon vorgeburtlich induziert werden. Die bisher geltenden Strahlenschutzrechenmodelle und die offiziellen Grenzwerte müssten deshalb zum Schutz der Bevölkerung in der Umgebung von Atomanlagen korrigiert werden.

Radioaktiver Kohlenstoff und Tritium sind für die Bevölkerung im Umfeld der Atomanlagen gefährlich, insbesondere für schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder. Mit der Atemluft, mit Essen und Trinken gelangen die strahlenden Teilchen in den mütterlichen Körper. Über die Blutbahn erreichen sie auch die Plazenta und den Embryo bzw. den Fetus. Das sehr schnell wachsende ungeborene Kind baut die radioaktiven Isotope in seine Organe ein, wo sie lange Zeit verbleiben und genetische sowie Organschäden verursachen können. "Sollte sich die Umgebungsbelastung mit Radionukliden anlässlich der Brennelementwechsel bestätigen, müssten schwangere Frauen und Kinder rechtzeitig gewarnt und aufgefordert werden, die AKW-Region vorübergehend zu verlassen", so Reinhold Thiel.

Die IPPNW hat anhand einer Grafik des Bundesamtes für Strahlenschutz für das Atomkraftwerk Neckarwestheim 2 nachgewiesen, dass Emissionsspitzen mit Revisions- und Brennelementwechsel-Terminen zusammenhängen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die von den Atomkraftwerksbetreibern mitgeteilten Quartalsmittelwerte immer geringer ausfallen als einzelne Tagesspitzenwerte.

Links:

Quelle: IPPNW - Pressemitteilungen vom 29.03.2011.

Veröffentlicht am

31. März 2011

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