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IPPNW fordert Waffenstillstand: Der Krieg in Afghanistan löst keine Probleme, er verschlimmert sie

Angesichts der steigenden Opferzahlen ausländischer Militärs in Afghanistan erinnert die IPPNW daran, dass die viel höhere Zahl ziviler Opfer weitgehend im Dunkeln verbleibt. "Statt unterschiedliche Terminsetzungen von Teilabzügen der internationalen Truppen zu debattieren, verlangt die IPPNW den sofortigen Waffenstillstand", erklärt Dr. med. Angelika Claußen, Vorsitzende der IPPNW in Berlin.

"Sicherlich wird die Fortsetzung des Krieges in Afghanistan durch die Tatsache erleichtert, dass seine Toten oder die auf Dauer Versehrten im Dunkeln verbleiben", fügt Dr. Claußen hinzu. "Während über die Verluste ausländischer Truppen genau Buch geführt wird, werden die Opfer der afghanischen Bevölkerung nur geschätzt."

Für einen bewusst niedrig gehaltenen Schätzwert verweist Dr. Claußen auf die Webseite www.unknownnews.net . Selbst dann wird von mindestens 8.813 getöteten und 15.863 schwer verletzten afghanischen Zivilsten gesprochen. Absolut werden seit 2001 19.629 Tote und 48.644 Verletzte angegeben.

Die Opferzahlen werden steigen: Die "United Nations Assistance Mission in Afghanistan" stellte bereits in ihrem Halbjahresbericht vom August 2010 fest, dass "die humanitären Kosten des bewaffneten Konfliktes in Afghanistan 2010 eskalieren. In den ersten sechs Monaten des Jahres wuchs die Zahl ziviler Opfer - inklusive Tote und Verletzte - um 31% gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr an".

Nur Vermutungen gibt es über die psychischen Folgeschäden unter der Zivilbevölkerung aufgrund von 30 Jahren Krieg. Am "World Mental Health Day" (10. Okt.) erklärte die afghanische Gesundheitsministerin Dr. Suraya Dalil, dass 60% der afghanischen Bevölkerung unter verstärkten Stresssymptomen und psychischen Problemen leiden würden. Neben der Kriegslage würde dies durch Armut, politische Instabilität und medizinische Unterversorgung gefördert. Bedenklich dabei ist, dass die Ministerin die Zahl einer Untersuchung der WHO aus dem Jahre 2004 nutzte, ein aktuellerer Stand ist offenbar nicht verfügbar.

Auf den Patienten genau bekannt ist dagegen, dass die Zahl der in Behandlung befindlichen Bundeswehrsoldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen einen neuen Höchststand erreicht hat. Laut Bundesverteidigungsministerium wurden in den ersten elf Monaten des Jahres 655 Soldaten wegen PTBS behandelt, davon 501 nach ihrem Afghanistan-Einsatz. Im Jahr 2009 waren es insgesamt noch 466 Patienten gewesen.

Im Jahr 2010 starben acht Bundeswehrsoldaten, was die Anzahl seit Beginn des Kriegseinsatzes 2001 auf 45 erhöht. 2010 starben 702 Nato-Soldaten in Afghanistan. Die Opferzahl ist damit um fast ein Drittel höher als 2009 und macht 2010 zum verlustreichsten seit 2001 für die Interventionstruppen.

Quelle: IPPNW   - Pressemitteilung vom 28.12.2010.

 

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Veröffentlicht am

04. Januar 2011

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