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Zahl der kriegerischen Konflikte leicht rückläufig

Von Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF)

Nach Untersuchungen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) hielt der generelle Trend der letzten Jahre zu weltweit weniger Kriegen und bewaffneten Konflikten auch 2010 an. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich deren Zahl nochmals um zwei auf nunmehr 32. Damit befindet sich diese Zahl auf dem niedrigsten Stand seit 1993. Dies bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass die Welt friedlicher geworden wäre. Auch 2010 waren eine ganze Reihe von gewaltsam ausgetragenen Konflikten zu beobachten, die nicht als Kriege oder bewaffnete Konflikte zu bezeichnen sind.

Als beendet sind insgesamt fünf kriegerische Konflikte zu betrachten. Allerdings eskalierten 2010 auch drei bewaffnete Konflikte neu. Die von organisierten Kämpfen zahlenmäßig am stärksten betroffenen Weltregionen waren 2010 Asien, der Vordere und Mittlere Orient sowie Afrika mit jeweils 10 kriegerischen Konflikten. In Lateinamerika waren zwei kriegerische Auseinandersetzungen zu verzeichnen.

Beendete Kriege und bewaffnete Konflikte

Mit einer letzten militärischen Eskalation hatten im Mai 2009 Regierungstruppen die Tamil Tigers auf Sri Lanka besiegt. Der 1983 begonnene Krieg war 2004 für knapp zwei Jahre unterbrochen worden, bevor er Ende 2006 nach gescheiterten Verhandlungen erneut eskalierte. Mit einem Sieg des Militärs endete auch der kurze im Juli 2009 geführte Krieg mit der islamistischen Gruppe Boko Haram in Nordnigeria. Allerdings gelang bei der Befreiungsaktion im 2010 über 200 Rebellen die Flucht aus dem Gefängnis, sodass eine Reorganisation der Gruppe nicht auszuschließen ist. Ferner wurde in Mali - ähnlich wie in Jahr zuvor in Niger - der bewaffnete Konflikt mit Rebellen der Tuareg beigelegt. Auch die Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Fatah in Palästina wurden beendet, was weniger auf eine Lösung des Konflikts zwischen den beiden Gruppen zurückzuführen ist als auf die territoriale Trennung in Gazastreifen und Westjordanland, in denen jeweils eine der beiden Gruppen die Regierungsgewalt ausübt und die andere marginalisiert ist. Auch der seit Mitte der 1960er Jahre andauernde Kampf der Rebellengruppe ELN in Kolumbien kann als beendet angesehen werden. Die ELN spielte in den letzten Jahren zunehmend nur noch eine Nebenrolle im Krieg zwischen der größeren FARC-Guerilla und dem kolumbianischen Staat. Die Kämpfe im Tschad fanden 2010 nicht mehr auf Kriegsniveau statt und wurden nur noch als bewaffneter Konflikt eingestuft. Hier war der Abschwächung der Auseinandersetzungen eine Einigung zwischen Tschad und Sudan vorausgegangen, auf die Unterstützung von Rebellengruppen im jeweils anderen Land zu verzichten.

Neu eskalierte Kriege und bewaffnete Konflikte

Negativ verlief die Entwicklung 2010 vor allem im Jemen, wo neben dem Krieg mit den schiitischen Rebellen in der nordöstlichen Provinz Saada auch der Konflikt mit Kämpfern der Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel zum Krieg eskaliert ist. Im Südsudan fanden insbesondere in der Provinz Jonglei regelmäßig Auseinandersetzungen zwischen Milizen verschiedener ethnischer Gruppen statt. Verschärft wurden diese Konflikte durch die Wahlen im Jahr 2010 und auch das im Januar 2011 bevorstehende Referendum über die Unabhängigkeit des Südens vom Sudan bildet einen Hintergrund für diese Konflikte. Neu eskaliert ist im September ein Konflikt mit islamistischen Rebellen und in Tadschikistan. Eine größere Kontinuität scheinen 2010 die Kamphandlungen in der Ogaden-Region in Äthiopien angenommen zu haben. Obwohl die Informationslage über diesen Konflikt ausgesprochen schlecht ist, kann man hier von einer Eskalation vom bewaffneten Konflikt zum Krieg ausgehen.

Gewaltkonflikte jenseits von Kriegen und bewaffneten Konflikten

Der generelle Trend der letzten Jahre bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass die Welt friedlicher geworden wäre. Auch 2010 waren eine ganze Reihe von gewaltsam ausgetragenen Konflikten zu beobachten, die nicht als Kriege oder bewaffnete Konflikte zu bezeichnen sind. Dazu gehörte unter anderem die Gewalt in Zentralnigeria bei denen islamische und christliche Milizen mehrfach Menschen der jeweils anderen Religionszugehörigkeit angriffen. Gewaltsam ausgetragene Konflikte ereigneten sich auch im Süden Kirgistans zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit sowie in der thailändischen Hauptstadt Bangkok zwischen Anhängern der Opposition und der Regierung. Gewalt im Zusammenhang mit Wahlen war in Guinea, Burundi und in der Elfenbeinküste zu verzeichnen. Dauerhaft von Gewalt geprägt blieben die von Drogenbanden beherrschten Gebiete in Mexiko. Auch im brasilianischen Rio de Janeiro wurde Ende November Militär zu Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt.

Quelle:  Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF)   - Pressemitteilung vom 13.12.2010.

Details zu den kriegerischen Konflikten finden Sie als 9. Ausgabe der Reihe AKUF-Analysen unter >> Kriege und bewaffnete Konflikte 2010 .

 

 Die kriegerischen Konflikte im Jahr 2010


Beginn Einstufung 2010
Asien    

Indien (Assam)

 1990  Krieg

Indien (Kaschmir)

 1990  Krieg

Indien (Manipur)

 2003  Krieg

Indien (Naxaliten)

 1997  Krieg

Myanmar (Karen, Shan u.a. Minderheiten)

 1948  Krieg

Pakistan (Belutschistan)

 2005  Bewaffneter Konflikt

Pakistan (Taliban)

 2007  Krieg

Philippinen (Mindanao)

 1970  Krieg

Philippinen (NPA)

 1970  Krieg

Thailand (Südthailand)

 2004  Krieg
Vorderer und Mittlerer Orient    

Afghanistan

 1978  Krieg

Algerien

 1992  Krieg

Irak

 1998  Krieg

Iran (Kurden)

 2005  Krieg

Israel (Palästina)

 2000  Krieg

Jemen (Al-Shabaab al-Moumin)

 2004  Krieg

Jemen (Al-Qaida)

 2010  Krieg

Russland (Tschetschenien)

 1999  Krieg

Tadschikistan

 2010  Bewaffneter Konflikt

Türkei (Kurden)

 2004  Krieg
Afrika    

Äthiopien (Ogaden)

 2007  Krieg bis 2009 bewaffneter Konflikt

Kongo-Kinshasa (Ostkongo)

 2005  Krieg

Nigeria (Nigerdelta)

 2003  Bewaffneter Konflikt

Senegal (Casamance)

 1990  Bewaffneter Konflikt

Somalia

 1988  Krieg

Sudan (Darfur)

 2003  Krieg

Sudan (Südsudan)

 2010  Bewaffneter Konflikt

Tschad

 2006  Bewaffneter Konflikt bis 2009 Krieg

Uganda (LRA)

 2009  Krieg

Zentralafrikanische Republik

 2006  Bewaffneter Konflikt
Süd- und Mittelamerika    

Kolumbien (FARC)

 1964

 Krieg

 

Fußnoten

Veröffentlicht am

17. Dezember 2010

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