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Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück

Ein Leben gegen die Apartheid

Von Desmond Tutu, 08.10.2010 - Democracy Now!

Diese Woche gab der südafrikanische Erzbischof Tutu bekannt, er werde sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. 1984 wurde Desmond Tutu - für sein Engagement gegen den südafrikanischen Apartheidsstaat - der Friedensnobelpreis verliehen.

Wir werden nun eine Rede einspielen, die Tutu im Dezember letzten Jahres in der Nähe des Klimagipfels in Kopenhagen gehalten hat - direkt neben dem Ort, an dem der Klimagipfel stattfand. Er hielt die Rede bei einer Mahnwache im Kerzenschein und richtete seine Worte an eine Gruppe Kinder.

Amy Goodman: Wir begannen unsere (heutige) Show mit dem diesjährigen Friedensnobelpreisträger. Nun wenden wir uns einem älteren Friedensnobelpreisträger zu. Juan?

Juan Gonzalez: Wir beenden unsere Sendung mit den Worten des Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu aus Südafrika. Diese Woche, am Donnerstag, feierte er seinen 79. Geburtstag und gab gleichzeitig seinen Rückzug aus dem öffentlichen Leben bekannt. Er sagte, er wolle es genießen, mit seiner Frau "nachmittags Tee zu schlürfen" und mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen und sich Cricket anzuschauen. Tutu erhielt 1984 den Nobelpreis - für seine engagierte Kampagne gegen das Apartheidsregime in Südafrika.

Amy Goodman: Seit er damals den Friedensnobelpreis erhielt, engagierte er sich in zahllosen Kampagnen rund um die Welt. Im Dezember besuchte Bischof Tutu den Klimagipfel in Kopenhagen. Wir waren mit dabei, als er, bei einer Mahnwache im Kerzenschein - direkt vor dem Gipfelgebäude -, zu einer Gruppe von Kindern sprach.

(Einspielung)

Erzbischof Desmond Tutu: Wir wollen euch daran erinnern, dass sie damals in Berlin marschierten - und die Mauer fiel. Sie marschierten in Capetown - und die (Mauer der) Apartheid fiel. Sie marschierten in Kopenhagen, und wir werden einen neuen Deal bekommen.

Ich danke euch allen herzlich - vor allem euch wundervollen jungen Leuten. Wir Oldies haben ein ziemliches Chaos auf der Welt angerichtet. Wir möchten den Führern, die sich hier treffen, sagen: Schaut euren Enkelkindern in die Augen.

Schon heute ist der Klimawandel eine ernste Krise.. Doch wir können etwas dagegen unternehmen. Falls nicht, falls nicht - oooooh - werden wir euch, werden wir eurer Generation keine Welt hinterlassen können. Ihr werdet keine Welt haben. Ihr werdet ertrinken. Ihr werdet in der Glut der Trockenheit verbrennen. Es wird keine Nahrung mehr geben. Es wird zu Überschwemmungen kommen. Wir haben nur eine Welt. Wir haben nur diese eine Welt. Wenn wir sie zerstören, wird es keine andere mehr geben. Jenen, die glauben, die Reichen könnten entkommen, sei gesagt, ha, ha, ha, vonwegen: Entweder wir werden gemeinsam schwimmen oder gemeinsam untergehen. Wir haben nur eine Welt, und wir wollen dieser wundervollen, jungen Generation eine schöne Welt hinterlassen. Wir, die Alten, wollen Euch eine schöne Welt hinterlassen.

Es ist auch eine Frage der Moral und der Gerechtigkeit. Ha-ha-ha! Ha-ha-ha-ha - oder etwa nicht? Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah. Wer für den größten Dreck verantwortlich ist, trägt auch die Verantwortung dafür, ihn wegzuräumen. Das nennt man Gerechtigkeit. Das ist Gerechtigkeit. Wenn du für den größten Teil der Emissionen verantwortlich bist…. schaut euch, schaut euch nur die Ozonschicht an. Heute leiden die Menschen an allen möglichen Hautkrankheiten, weil die Ozonschicht immer dünner wird - durch uns. Wow, wow.

Also, ihr tollen Reichen. Ihr seid schon toll! Wirklich toll! Wirklich. Doch bedenkt: Falls ihr für den größten Teil der Emissionen verantwortlich seid… eigentlich sollte es nicht ‘falls’ heißen - wir wissen ja, DASS ihr es seid. Daher müsst ihr auch die Verantwortung, im Sinne aller (nötigen) Anpassungsmaßnahmen, tragen. Auch wir Armen wären gerne reich. Wenn ihr dazu fähig seid, Banken auszulösen - Milliarden über Milliarden haben sie ihnen gegeben, Milliarden über Milliarden (nicht hörbar)! Sie werfen mit Milliarden nur so um sich. Also, bitte, gebt uns nur ein paar dieser Milliarden - damit die Armen in der Lage sind, alternative Kraftstoffe einzusetzen. Wenn ihr von ihnen verlangt, dafür zu bezahlen, werden sie es nicht können. Bitte - tut es für euch selbst, okay? Zu eurem eigenen Vorteil, ihr Reichen - bitte - zum Wohle eurer Kinder und zum Wohle der Welt. Zeigt euch von eurer netten Seite. Seid nett und zahlt. Zahlt, ich bitte euch, zahlt, um eurer selbst willen.

Die Welt, yeah, die Welt, erwartet ein echtes Abkommen. Eh? Sagen wir es alle zusammen (die Menge stimmt mit ihm ein): Wir, die Welt, erwarten ein echtes Abkommen. Eins, zwei:

Menge: Wir, die Welt, erwarten ein echtes Abkommen.

Erzbischof Tutu: Noch einmal!

Menge: Wir, die Welt, erwarten ein echtes Abkommen.

Erzbischof Tutu: Wooooooo (Ende)

Amy Goodman: Das war Erzbischof Desmond Tutu während seiner Rede vor Kindern - in der Nähe des Klimagipfels in Kopenhagen (im vergangenen Dezember). Nun ist er 79 geworden und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Bischof Desmond Tutu ist der frühere Erzbischof von Cape Town und Träger des Friedensnobelpreises.

Quelle: ZNet Deutschland vom 14.10.2010. Originalartikel:  Nobel Peace Prize Winner Archbishop Desmond Tutu Retires from Public Life . Übersetzt von: Andrea Noll.

Veröffentlicht am

19. Oktober 2010

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