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Keine Wehrpflicht durch die Hintertür

Die Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht darf nicht zu neuen Ersatzdiensten führen. Absage an Freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr und Freiwilligem Zivildienst

pax christi begrüßt die Pläne des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg zur Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht. Dieser längst überfällige Schritt räumt auf mit der Mär von der Wehrgerechtigkeit und befreit die jungen Männer von einem nicht mehr begründbaren und dem Geist des Grundgesetzes widersprechendem Zwangsdienst. Gesellschaftliches Engagement kann nur auf der Grundlage von Freiwilligkeit erreicht werden. Auf dem Hintergrund der langjährigen Erfahrung mit Freiwilligen beobachtet pax christi mit Sorge die aktuelle Diskussion um einen freiwilligen Wehrdienst in der Bundeswehr, bzw. einem Freiwilligen Zivildienst.

"Freiwilligendienste sind nur aus zivilgesellschaftlichem Engagement heraus begründbar. Jedwede Verzweckung, sei es sicherheitspolitisch oder sozialpolitisch, steht dazu im Widerspruch", betont pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann.

"Die vorgeschlagenen Schritte hin zu einem Freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr und einem neuen, staatlich organisierten Freiwilligen Zivildienst bleiben verhaftet in der Idee des Pflichtdienstes. Demokratie aber lebt vom freiwilligen Engagement und dessen Förderung braucht Kontinuität und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer die Wehrpflicht aussetzt, kann nicht im gleichen Zug fortgesetzten Zugriff auf die jungen Menschen planen. Der Dienst an der Waffe ist nicht vergleichbar mit dem zivilgesellschaftlichen Freiwilligen Dienst, wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr/FSJ, dem Freiwilligen Ökologischen Jahr/FÖJ oder dem Jahr für den Frieden, wie pax christi es anbietet. Freiwillige brauchen Lernorte und Gestaltungsspielraum. Denn junge Menschen wollen sich engagieren und die globalisierte Welt mitgestalten. Ausbildung und Dienst in der Bundeswehr mit ihrer Ausrichtung auf Funktionalität der Einsätze und sicherheitspolitische Ziele sind nicht mit der Zielsetzung eines gesellschaftlichen und persönlichen Lerndienstes vereinbar. Über Folgen und Chancen der Aussetzung der Wehrpflicht muss gründlicher nachgedacht werden. Die Aussetzung der Wehrpflicht erfordert, dass an Stelle des Zivildienstes die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement so verbessert werden, dass mehr junge Menschen für einen Freiwilligendienst gewonnen werden", fordert die Generalsekretärin.

pax christi entsendet am 25. September erneut 12 Freiwillige in ein Jahr für den Frieden. Das besondere am Freiwilligen Jahr für den Frieden bei pax christi ist die Ausrichtung der Projekte auf Friedens- und Versöhnungsarbeit. Einsatzorte sind zum Beispiel: das Zentrum für Versöhnung und Dialog in Oswiecim in Polen, das Friedensprojekt in Derventa in Bosnien-Herzegowina oder ein Ländlicher Entwicklungsverein in Ecuador. Die Verarbeitung von Gewalterfahrungen durch Kriege mit ihren individuellen und den gesellschaftlichen Dimensionen spielt in diesen Projekten eine besondere Rolle. Die jungen Menschen erfahren, was Erwachsene und Kinder brauchen, um Gewalt- und Kriegserfahrung zu verarbeiten. Ihre Mitarbeit im Projekt gibt den Freiwilligen die Gelegenheit, ihren Lebenshorizont und ihre Sozialkompetenz zu erweitern. Das freiwillige Jahr für den Frieden im Ausland ist stets zugleich ein Jahr interkulturellen Lernens und der Begegnung mit den Lebensbedingungen anderer Länder.

Im freiwilligen Jahr für den Frieden bringen die jungen Erwachsenen sich mit ihrer Kreativität und Eigeninitiative in die Arbeit der Projektpartner im Ausland ein. Die Begegnung mit Fremdem, der Spracherwerb und die Alltagsarbeit in den Projekten ist als Lerndienst gestaltet, der ihre Persönlichkeitsentwicklung fördert. Nach der Rückkehr unterstützt pax christi die jungen Menschen dabei, ihre Erfahrungen in Gemeinde und Kirche hier in Deutschland einzubringen. Die jungen Freiwilligen leisten damit in zwei Richtungen einen wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung. Viele engagieren sich in Verbänden oder sozialen Bewegungen und stärken die Demokratie in Deutschland. Ihre Erfahrungen im Ausland fördern ihre Fähigkeit die globalisierte Welt zu verstehen und mitzugestalten.

Alle weiteren Überlegungen zur Fortentwicklung der Freiwilligendienste haben sich an diesen und den Erfahrungen tausender freiwilliger junger Frauen und Männer zu orientieren, die in den zurückliegenden Jahrzehnten Dienste im In- und Ausland geleistet haben. Dieses frei gewählte zivilgesellschaftliche Engagement muss der alleinige Maßstab für Freiwilligendienste sein.

 Quelle: pax christi -  Pressemitteilung vom 23.09.2010.

 

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Veröffentlicht am

23. September 2010

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