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Haitianer auf der Flucht vor den Folgen des Erdbebens - Sechs Monate danach

Von Amy Goodman, 12.07.2010 - Democracy Now!

Wir waren zu Besuch in Camp Corail. Es ist eines von mehreren hundert Lagern für die Obdachlosen von Haiti. Wir sprachen mit zwei obdachlos gewordenen Haitianern - Romain Arius und Fenel Domercant. Sie sagten uns, dass die Hilfe sehr spärlich tröpfle - für die 1300 Familien im Lager. Man hatte ihnen gesagt, sie würden nur drei Monate in dem Lager verbringen. Die Zeit ist abgelaufen, und noch immer warten sie auf dauerhafte Unterkunft.

Unsere Gäste sind:

Romain Arius - ein Haitianer, der durch das Erdbeben vertrieben wurde

Fenel Domercant - eine Haitianerin, die durch das Erdbeben vertrieben wurde

Amy Goodman: Hier ist ‘Democracy Now!’ (democracynow.org) m it dem ‘War-and-Peace’-Report. Mein Name ist Amy Goodman. Wir berichten aus Port-au-Prince auf Haiti. Heute, auf den Tag genau, sind es sechs Monate, seit sich auf Haiti eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Welt ereignete: das Erdbeben von Haiti. Wir begeben uns in das Lager Corail. Es liegt direkt neben einem ‘Killing Field’ - einem Ort, an dem während des Staatsstreichs Leichen entsorgt wurden. Heute liegt dicht daneben das Flüchtlingslager Camp Corail. Wir sprechen mit Haitianern, die in diesem Lager leben:

Amy Goodman:Was sollte - Ihrer Meinung nach - nun geschehen?

Romain Arius: Was meiner Meinung nach geschehen sollte? Alle Informationen, die sie besitzen… wir würden davon profitieren, wenn wir sie einsehen könnten. Wir können in dieser Situation nicht mehr weitermachen - hier, in den Zelten. Wir fordern sie auf, uns so schnell wie möglich richtige Häuser zu geben, so, wie sie es gesagt haben, damit sich unsere Situation verbesser kann. Denn die Zelte verschleißen, sobald es regnet, wenn der Regen kommt. Unser Block 6 ist ein sehr gutes Beispiel, ein sehr eindrucksvolles. Wenn es regnet, ist die Zone hier völlig unpassierbar. Die Leute, die dafür verantwortlich sind, sollten etwas unternehmen, um das Leben hier, in Corail, zu verbessern.

Amy Goodman: Und wie heißen Sie?

Fenel Domercant: Fenel Domercant. Ich kann Ihnen sagen, was das eigentliche Problem ist, das wir hier haben. Es geht nicht um ein wenig Reis oder ein paar Bohnen. Davor haben wir im Lager Delma gelebt. Sie dezentralisierten uns, schickten uns hierher nach Corail. Weil es ein wenig abgelegen ist, sagten sie uns, wir würden hier besser leben. Vonwegen besser leben - DAS ist daraus geworden. Wir sind seit drei Monaten hier. Die Zelte verschleißen allmählich. Der Regen dringt ein. Die NGOs, die dafür zuständig sind, sagten überhaupt nichts. Es gab ein Treffen, bei dem wir uns mit dem Manager des Lagers, Mr. Richard Poole, getroffen haben. Wir brachten ihn dazu, mit uns über die 1350 Familien zu reden, die hier leben. Die Art, wie er über das Thema sprach, machte uns klar, dass er über die Situation hier nichts zu sagen hat.

Im Endeffekt fragte er uns, wo wir wohl besser leben würden als hier und heute in diesem Lager. Das hat die 1350 Familien, die hier leben, wirklich geärgert.

Amy Goodman: Wo ist Präsident Preval?

Fenel Domercant: Präsident Preval hat gesagt, das Geld, das für uns nach dem Erdbeben freigegeben wurde, sei nicht in seinen Händen sondern in denen der NGOs. Und wir haben herausgefunden, dass es tatsächlich in den Händen der NGOs ist. Das Internationale Rote Kreuz, World Vision, Oxfam und IOM. Die haben das Geld der Menschen - und sagen nichts.

Amy Goodman: Was wäre, wenn Präsident Aristide zurückkehren würde?

Fenel Domercant: Wenn Präsident Aristide zurückkehren würde? Wir haben nichts mit Politik am Hut, aber wenn er zurückkäme, nun, da Sie mich gefragt haben, werde ich Ihnen antworten. Wäre Präsident Aristide hier, wäre die Situation eine andere, das kann ich Ihnen sagen. Wir würden ein besseres Leben führen als jetzt.

Amy Goodman: Was wollen Sie der Welt - sechs Monate nach dem Erdbeben - sagen?

Fenel Domercant: Was ich der Welt, sechs Monate nach dem Erdbeben, mitteilen möchte? Wir wollen, dass sie wissen, dass die Spenden, die sie gegeben haben, um den Menschen nach dem Erdbeben zu helfen, nicht bei diesen Menschen angekommen sind - vor allem nicht hier, in Corail.

Amy Goodman: Wir verlassen nun Camp Corail. Im Grunde liegt das Lager zwischen ZWEI ‘Killing Fields’ der haitianischen Geschichte. Während des Staatsstreichs wurden hier Menschen entsorgt, aber auch schon (Jahre) davor, während des Duvalier-Regimes. Hier leben rund 1300 Familien. Man hatte ihnen gesagt, sie würden drei Monate lang hier bleiben. Sie wissen nicht - die Zeit ist abgelaufen, und sie wissen nicht, wie es weitergehen wird.

Wir verlassen nun zu Fuß den Ort der scharfen, weißen Felsen, die tagsüber glühend heiß sind. Selbst in den Zelten war es zum Ersticken, selbst nachts, wenn der Nachtwind wehte, denn (in den Zelten) fehlt die Luft. Hier, in Corail, weiß man nicht, wie es weitergehen wird, und dasselbe hören wir auch aus verschiedenen anderen Landesteilen.

Dies war ‘Democracy Now!’ (democracynow.org). Morgen werden wir in Haiti einen Hollywood-Star und Oscar-Preisträger treffen. Er ist nach Haiti umgezogen, um den Flüchtlingen zu helfen und leitet ein Flüchtlingslager: Sean Penn.

Amy Goodman ist Moderatorin des TV- und Radioprogramms ’ Democracy Now! ‘, das aus rund 500 Stationen in Nordamerika täglich/stündlich internationale Nachrichten sendet. 

Quelle: ZNet Deutschland vom 16.07.2010. Originalartikel: Displaced Haitians: "We Can’t Continue In This Situation Anymore" . Übersetzt von: Andrea Noll.

Veröffentlicht am

16. Juli 2010

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