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Dollars für den Tod, Pennies für das Leben

Von Norman Solomon, 16.02.2010 - ZNet

Als das US-Militär am Wochenende (Presidents’s Day) eine Großoffensive in Südafghanistan startete, war vorauszusehen, dass Frauen und Kinder getötet würden. Vergessen Sie die hehre Rhetorik: Tote dieser Art sind Begleitumstände von Krieg, von Besatzung.

Mitte Januar versprach Präsident Obama $100 Millionen Regierungshilfe für das vom Erdbeben verwüstete Haiti. Vergleichen Sie die Summe mit den $100 Milliarden, die Amerika ausgibt, um 100.000 US-Soldaten ein Jahr lang in Afghanistan zu halten.

Die Kommandeure in Afghanistan haben eine Operation gestartet, die von der New York Times als "die größte offensive Militäroperation seit der Afghanistan-Invasion der Koalition unter Führung der USA im Jahr 2001" bezeichnet wurde.

Die Situation auf Haiti ist verzweifelt, das ist klar.

Über eine Million Haitianer sind immer noch obdachlos. Das ist eine enorm hohe Zahl. Laut neuesten Schätzungen verfügen die meisten - rund 75 Prozent - noch nicht einmal über Zelte oder Planen. Die Regenzeit steht kurz bevor. Typhus und Durchfallerkrankungen könnten zu einer echten Bedrohung werden.

In Afghanistan gehen die Bomben nicht aus, und in Haiti herrscht tödlicher Mangel an Zelten. Das meine ich nicht rhetorisch. Ich spreche von einer Prioritätensetzung, die schon Routine ist.

Im Sommer 2009 sah ich hunderte Kinder und erwachsene Zivilisten in einem Flüchtlingslager in Kabul (Distrikt 5). Sie stammten aus der Provinz Helmand. Die US-Regierung verfügt über ungeheure Ressourcen, um die Wohngebiete dieser Menschen, im Tal von Helmand, zu bombardieren, aber sie tut nichts für die verzweifelten Vertriebenen, die in die Hauptstadt Kabul geflohen sind.

Auch in Amerika finden sich Parallelen für diese Art der Prioritätensetzung. Die militärischen Falken und die Defizit-Falken marschieren in geschlossener Formation die Pennsylvania Avenue hinunter. Das US-Schatzamt hält hohe Summen für den Krieg in Afghanistan bereit. Wenn es sich um innenpolitische Ausgaben dreht, um die Bedürfnisse der BürgerInnen zu befriedigen - beispielsweise durch die Schaffung von Arbeitsplätzen -, sieht die Sache dagegen anders aus.

Viele einkommensschwache amerikanische Haushalte werden von der Last der Arbeitslosigkeit erdrückt. Unter den amerikanischen Haushalten, deren Jahreseinkommen 2009 unter $12.500 lag, befanden sich im letzten Quartal des Jahres "unglaubliche 30,8 Prozent" Arbeitslosenhaushalte - so Bob Herbert in einem Artikel vom 9. Februar. "Das liegt mehr als 5 Prozentpunkte über der allgemeinen Arbeitslosenquote, damals, auf dem Höhepunkt der Depression".

Und Herbert fügt hinzu: "Die nächst höhere Einkommensklasse - deren jährliche Einkommen zwischen $12.500 und $20.000 liegen -, weist eine Arbeitslosenrate von 19,1 Prozent auf. Es sind Arbeitslosenquoten dieser Art, die Familien, die bereits mit mageren Einkommen zu kämpfen haben, in die Armut stürzen".

Die heutige Situation ist vergleichbar mit der Situation, mit der sich Martin Luther King Jr. 1967 konfrontiert sah. Damals forderte er den Kongress heraus: Dieser zeige sich "den Armen gegenüber feindselig". "Militärgelder würden emsig und großzügig" bereitgestellt, während man sich beim Thema "Armutsfonds" "wie Geizhälse" verhalte.

Es ist diese Art von Prioritätensetzung, die täglich Menschenleben kostet - hier und an fernen Orten.

Anfang Februar veröffentlichte der ‘National Council of Churches’ - der nationale Rat der amerikanischen Kirchen - einen Artikel der Theologen George Hunsinger und Michael Kinnamon, in dem sie schrieben: "Was die Haitianer offensichtlich am meisten brauchen, ist massive humanitäre Hilfe. Sie benötigen, Nahrung, Wasser, medizinische Versorgungsgüter. Sie benötigen Unterkünfte und materiellen Wiederaufbau… Mehr als die Hälfte der Haitianer sind Kinder - 15 Jahre alt oder jünger. Viele von ihnen waren schon obdachlos und hungrig, bevor das Erdbeben zuschlug".

Doch dieser Kriegsstaat - mit seinem enormen Budget für militärische Aufgaben - hat sehr wenig Geld für den Erhalt von Menschenleben übrig. Solche Prioritätensetzungen sind tödlich.

Norman Solomon ist ein amerikanischer Journalist, Medienkritiker und Antikriegs-Aktivist.

Quelle: ZNet Deutschland vom 19.02.2010. Originalartikel: Dollars for Death, Pennies for Life . Übersetzt von: Andrea Noll.

Veröffentlicht am

22. Februar 2010

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