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Cynthia McKinney: “Mein Land ist gekidnappt worden!”

Cynthia McKinney, die Präsidentschaftskandidatin der Green Party, zieht auf der Friedenskundgebung in München eine bittere Bilanz des ersten Jahres der Präsidentschaft Barack Obamas.

"Mein Land ist gekidnappt worden!"

Von Cynthia McKinney - Rede auf der Friedenskundgebung in München am 10.02.2010

Vielen Dank, dass Sie mich eingeladen haben, aus den Vereinigten Staaten hierher zu kommen und an dieser Kundgebung für den Frieden teilzunehmen.

Mein Land ist von einer kriminellen Vereinigung gekidnappt worden, welche die sauer verdienten Dollars des amerikanischen Volkes für die Kriege und Besetzungen ihres Imperiums verschwendet.

Die führenden Politiker meines Landes, sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern, sind zu Komplizen bei den Kriegsverbrechen, der Folter, den Verbrechen gegen die Menschheit und den Verbrechen gegen den Frieden geworden.

Als Kongress-Abgeordnete der Demokratischen Partei habe ich Anträge für Amtsenthebungsverfahren gegen George Bush, Dick Cheney, und Condoleezza Rice gestellt. Als die Demokraten dann aber in Abstimmungen lieber den Krieg unterstützten, als sich um die Bedürfnisse der Menschen zu kümmern, habe ich mich von dieser Partei und ihrer Führung distanziert; die Green Party (die Partei der Grünen) nominierte mich als Präsidentschaftskandidatin, und ich habe mich mit einem Programm für Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde um dieses Amt beworben.Siehe  Cynthia McKinney wird grün .

Ich habe zugeschaut, als der Kandidat Barack Obama hier in Deutschland eine Rede gehalten hat. Ich sah Tränen in den Augen vieler Menschen in der Menge der Zuhörer. Sie dachten, jetzt käme endlich jemand, dem man wieder glauben könnte, dass Amerika die schlimme Seite in seinem Textbuch, die so viel Wut und Enttäuschung in der Welt hervorgerufen hat, endlich umgeschlagen und dass das Gute wieder über das Böse triumphieren werde.Siehe  "Eine Welt, die zusammenhält" .

Ich weiß, dass viele unterdrückte Menschen überall auf der Welt, die Opfer einer grausamen, zerstörerischen, von militärischen Interventionen und wirtschaftlicher Ausbeutung geprägten imperialistischen Politik wurden, wieder hoffen und an einen Wandel glauben wollten. Sie wollten Amerika wieder glauben können.

Wo ich auf der Welt hinkam, gab es Bilder von Barack Obama, und sein Slogan "Yes, we can" (Wir schaffen es) und die Worte "Hope" (Hoffnung) und "Change" (Wandel, Veränderung) waren überall auf Plakaten zu lesen. Nach acht Jahren George W.. Bush schien Barack Obama der Mann zu sein, auf den die Welt gewartet hat.

Als der Kandidat Präsident wurde, hielten wir alle vor Erwartung den Atem an.

Wir hofften, dass Folter und Verschleppung, Krieg und Besetzung, das Ausspionieren unschuldiger Amerikaner mit abweichenden Meinungen, die Verstöße gegen die US-Verfassung und die Verbrechen gegen den Frieden endlich aufhören und dass sich die Vereinigten Staaten wieder in die Gemeinschaft der Nationen einordnen würden.

Schon im ersten Jahr der Präsidentschaft Barack Obamas mussten wir erkennen, dass sich unsere Hoffnungen leider nicht erfüllen.

Vor unserer Haustür mussten wir miterleben, wie Zalaya, der Präsident von Honduras, mit US-Komplizenschaft gestürzt wurde und wie 20.000 US-Soldaten mit Gewehren zur feindlichen Übernahme Haitis eintrafen, während verzweifelte Menschen auf Nahrung, Ärzte und schweres Bergungsgerät warteten.

Präsident Obama baut die US-Truppenpräsenz in Kolumbien aus und bedroht die Errungenschaften der Völker Venezuelas, Boliviens, Ecuadors, Kubas und Nicaraguas.

Präsident Obama lässt mit Drohnen unschuldige Menschen in Pakistan, Afghanistan, im Jemen und in Somalia töten. Und Juristen seiner Regierung versuchen, die Tötung von US-Bürgern zu rechtfertigen. Es gibt sogar US-Killerkommandos auf deutschem Boden!Siehe  Hat Bush CIA-Killer nach Hamburg geschickt?

Es ist traurig (das sagen zu müssen), aber Präsident Obama hat sich mittlerweile aller Verbrechen schuldig gemacht, die ich bei meinem Antrag auf Amtsenthebung schon dem Präsidenten Bush vorgeworfen habe.

Sowohl Tony Blair als auch Präsident Obama rechtfertigen den Krieg in Afghanistan mit der Tragödie, die sich am 11. September mit den Anschlägen in New York und auf das Pentagon ereignet hat. Aber die US-Regierung hat nicht die Wahrheit (über das) gesagt, was an diesem Tag wirklich geschehen ist. Damals hat sie genau so gelogen, wie in der Zeit, als sie den Irak-Krieg anzetteln wollte.

Was können wir dagegen tun? Lassen Sie uns um der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Menschenwürde willen zusammenarbeiten. Ich werde in den USA dafür kämpfen, und ich werde gemeinsam mit Ihnen kämpfen: Keinen Cent mehr für den Krieg!

Wir können nicht nachgeben, und wir dürfen nicht aufgeben. Wir müssen uns unsere Länder zurückholen.

Luftpost hat die eindrucksvolle Kundgebungs-Rede komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. Informationen über Cynthia McKinney sind mit dem Link unter ihrem Foto und unter http://en.wikipedia.org/wiki/Cynthia_McKinney zu finden. Über den Link im Titel sind auch ein Video dieser Rede und der englische Text der Grundsatzrede aufzurufen, die sie auf dem Friedenskongress in München gehalten hat.

Quelle: Luftpost vom 16.02.2010. Originalartikel: "My Country Has Been Hijacked" . Übersetzung: Wolfgang Jung.

Fußnoten

Veröffentlicht am

17. Februar 2010

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