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Afghanistan: Die Rückkehr der Kriegsherren

Interview mit Rick Rowley

Von Juan Gonzalez, 07.10.2009 - Democracy Now!

Acht Jahre sind vergangenen seit dem Sturz der Taliban durch die Truppen der Nato bzw. der USA. Die zweiten nationalen Wahlen seit 2001 fanden am 20. August 2009 statt. Doch die sie sind bei weitem kein Symbol der Demokratie - verunstaltet durch den Verdacht des Wahlbetrugs und Befürchtungen, Präsident Karsai stütze sich auf Warlords und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Der unabhängige Journalist Rick Rowley von Big Noise Films berichtet.

Rick Rowley ist gerade aus Afghanistan zurück. Seine Dokumentation ‘Return of the Warlords’ wird heute (7. Oktober) auf Al-Dschasierah gesendet.

Juan Gonzalez: Acht Jahre, nachdem die Truppen der Nato bzw. der USA die Taliban stürzten, wurden in Afghanistan die zweiten landesweiten Wahlen abgehalten (…). Hier ein Auszug aus der Reportage des unabhängigen Journalisten Rick Rowley:

Rick Rowley: Die Straße, die nach Sheberghan führt, durchschneidet die trockene Hochebene im Norden Afghanistans. Es ist die Festung des berüchtigsten der afghanischen Kriegsherren: General Rashid Dostum. Seit drei Jahrzehnten zählt er zu den mächtigsten Figuren in der Politik des Landes. Die Straße ist vermüllt mit den Relikten seiner vielen Schlachten: mit Wracks russischer Panzerfahrzeuge und aufgegebenen Befestigungen aus Lehm oder Steinen, in denen Dostums Soldaten stationiert waren.

General Dostum hat die vergangenen neun Monate im türkischen Exil verbracht, da gegen ihn Menschenrechtsermittlungen und Untersuchungen zu Verbrechen laufen. Doch zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl lud Präsident Karsai ihn zur Rückkehr ein. Acht Jahre nach dem Einmarsch der USA sollte die Wahl 2009 zum Paradebeispiel für eine demokratische, zentrale Regierung werden, die dreißig Jahre der Gewalt, der Straffreiheit und der Herrschaft der Kriegsherren beenden sollte. Doch Karsai verließ sich in seinem Wahlkampf massiv auf die Unterstützung der starken Männer der Regionen.

Es gelingt uns, den General zu erwischen, als er gerade versucht, aus seinem Gebäude zu schlüpfen. Es ist das erste TV-Interview seit seiner dramatischen Rückkehr:

General Rashid Dostum (übersetzt): Wir verhandelten fast zwei Monate über meine Unterstützung für Präsident Karsai. Ich kann sagen, dass ich ihm mehr als zwei Millionen Stimmen bringen werde.

Rick Rowley: Dostum spricht über sich selbst gern in der dritten Person. Er sagt, jene, die seine Rückkehr aus dem Exil kritisierten, hätten Angst vor seiner künftigen Rolle zur Befriedung des Landes.

General Rashid Dostum (übersetzt): Dies sind Taliban und Taliban-Sympathisanten. Die Taliban machen sich keine Sorgen über die Nato, doch sie fürchten General Dostum. Falls - Gott verhüte - die Situation sich verschlimmert, ist es besser, wenn du General Dostum auf deiner Seite hast - falls du wirklich Sicherheit und Sieg in Afghanistan willst.

Rick Rowley: General Dostum bewirbt sich um kein Amt, aber an den Mauern von Sheberghan hängen mehr Bilder von ihm als von irgendeinem politischen Kandidaten.

Einwohner Sheberghans (übersetzt): General Dostum ist ein guter Mann. Er ist unser Führer. Er hat Afghanistan gedient, und wir lieben ihn wirklich.

Rick Rowley: Niemand, den wir trafen, scheute sich zu sagen, wem sie sich verbunden fühlen oder wen sie morgen wählen werden.

Karsai-Anhänger (übersetzt): Ja, ich werde Karsai wählen. Was immer Dostum befiehlt, wir werden gehorchen.

Rick Rowley: Wir haben in ganz Sheberghan kein kritisches Wort über den General gehört. Es ist nicht zu leugnen: Dostum hat Einfluss über einen großen Teil der Bevölkerung. Doch die Einstimmigkeit auf den Straßen von Sheberghan ist auf merkwürdige Art beunruhigend.

Endlich treffen wir auf eine große Gruppe Menschen in Nordafghanistan, die dem General kritisch gegenüberstehen. Wir finden sie in Flüchtlingslagern, 600 km von Sheberghan entfernt. Laut der UNO leben 17.000 Familien - rund 75.000 Menschen - aus Dostums Region dicht gedrängt in diesen niedrigen, aus Lehmziegeln errichteten Häusern. Es gibt keine Arbeit, keine Krankenhäuser, keine Schulen. Wir fragen, wie sie das aushalten.

Paschtunen-Flüchtling (übersetzt): Sie müssen neu hier sein, um diese Frage zu stellen. Die ganze Welt weiß doch, dass wir von General Dostum vertrieben wurden, von seinen Soldaten und Kommandeuren.

Rick Rowley: Diese Paschtunen-Flüchtlinge sagen, Dostum herrsche im Norden als Kriegsherr. Seine Usbeken-Milizen hätten es auf sie abgesehen, weil sie sie als ethnische Bedrohung und als potentielle Bedrohung für Dostums Macht sähen. Dostums Männer hätten ihre Dörfer und Herden geplündert. Sie hätten politische Gegner getötet und sie gewaltsam von ihrem Land vertrieben.

Paschtunen-Flüchtling (übersetzt): Mein Kind und meine Verwandten starben unter Dostums Gewehr. Wir wurden in einem harten Winter aus unseren Heimen vertrieben und reisten durch die verschneite Wüste. Unsere Leute starben unterwegs, und wir hatten keine Zeit, sie zu beerdigen. Die Wölfe fraßen die Leiber unserer Männer, Frauen und Kinder auf.

Rick Rowley: Die Familien hier fürchten, dass sie nicht mehr nach Hause zurückkehren können - jetzt, da Dostum zurück ist in Afghanistan.

Dostum ist eine umstrittene Figur. Viele bezeichnen ihn als Kriegsherren. Doch viele seiner einflussreichen Verbündeten widersprechen. Wir kehren nach Kabul zurück. Dostums mächtigster Unterstützer ist Präsident Hamid Karsai. In der letzten TV-Debatte vor der Wahl wandte er sich an die Nation und sagte, Männer wie Dostum seien keine Warlords. Sie seien Nationalhelden und ein notwendiger Teil jeder künftigen Regierung. Seine Gegner widersprechen:

Ramazan Bashardost: Für Afghanistan ist das ein Desaster. Dieselben Kriegsverbrecher kehren heute an die Macht zurück. Sie sehen zum Beispiel Dostums und (Tadschiken-Kriegsherr) Fahims Rückkehr an die Macht. Diese Wahl ist eine Katastrophe für das afghanische Volk, für die Menschenrechtswerte, für die Freiheit.

Rick Rowley: Ramazan Bashardost schaffte es in den Umfragen vor der diesjährigen Präsidentschaftswahl auf Platz Drei. Die Wahl ist von Betrugsvorwürfen belastet. Früher gehörte Bashardost Karsais Kabinett an. Aufgrund seiner scharfen Kritik an der Rolle der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan musste er jedoch zurücktreten. Er sagt, militärische und wirtschaftliche Beihilfen und Wiederaufbauverträge seien durch die Hände der Warlords gelaufen. Auf diese Weise sei die Entwicklung einer demokratischen Zentralregierung unmöglich gewesen.

Ramazan Bashardost: Wenn die internationale Gemeinschaft die Warlords nicht unterstützen und finanzieren würde und nicht die Gehälter für deren Bodyguards blechen, würde das afghanische Volk seinen Weg finden, dessen bin ich mir absolut sicher.

Rick Rowley: Bis es so weit ist, so Bashardost, würden unweigerlich die Warlords regieren und der demokratische Prozess zwangsläufig unterlaufen werden.

Ramazan Bashardost: Wer wird in Afghanistan Gouverneur oder Polizeichef? Wer wird Landrat? Wer stellvertretender Minister oder Minister? Die Warlords von Afghanistan.

Rick Rowley: Der Tag der Wahl ist im ganzen Land blutig verlaufen. Innerhalb von 24 Stunden kam es zu mehr als 400 Anschlägen. In Sherberghan hingegen herrscht Ruhe. Piktogramme an den Mauern instruieren die Wähler, sich nicht einschüchtern zu lassen. Dostums Anhänger erscheinen, um ihre Stimmen abzugeben. Bevor Ergebnisse auch nur tröpfchenweise eintreffen, ist bereits von Wahlbetrug die Rede. Die ersten Zahlen scheinen zu zeigen, dass Karsai einem bequemen Sieg entgegengeht. Dostum hat die nördliche Region (für Karsai) klargemacht, und auch der paschtunisch geprägte Süden steht solide zu Karsai. Doch die Unregelmäßigkeiten multiplizieren sich - immer mehr. Erstaunlich ist das offensichtliche Ausmaß dieses Wahlbetrugs. UN-Offizielle warnen, dass eine von drei abgegebenen Stimmen falsch sein könnte.

Mohammad Atta (übersetzt): Betrug in kleinem Maßstab ist eine Sache, aber hier handelt es sich um massiven, schändlichen Betrug.

Rick Rowley: Mohammad Atta ist der aktuelle Gouverneur der Provinz Balkh. Während der Invasion 2001 war er einer der wichtigsten Warlord-Verbündeten der USA. Allerdings kämpfte er gegen Dostum, als es um die Kontrolle über das nördliche Territorium ging. Nun verbreiten sich Gerüchte, Karsai werde Dostum den Gouverneursposten in Balkh zuschanzen. Dies sei Teil des Deals um Dostums Wahlunterstützung für Karsai.

Mohammad Atta (übersetzt): Die Menschen in Balkh werden diesen infamen Dieb, Banditen und Plünderer nicht als ihren Führer akzeptieren. Es ist weit besser, von den Taliban regiert zu werden als von Dostum.

Rick Rowley: Das alles macht die Sache für Washington umso komplizierter. Im Jahr 2002 starben Dutzende bei bewaffneten Zusammenstößen zwischen Dostums und Attas Truppen. Fast wäre ein offener Bürgerkrieg ausgebrochen. Beide Führer hatten Panzer in die Provinzhauptstadt entsandt. Eine Wiederkehr dieser Art von Gewalt - während gleichzeitig die Taliban heute wieder in die Offensive gehen -, wäre verheerend.

Die Regierung Obama äußerte sich besorgt über die Rückkehr von General Dostum und signalisierte eine mögliche Abkehr von der so genannten "Warlord-Strategie" der Bush-Regierung. Der amerikanische Botschafter James Dobbins war Bushs erster Gesandter in Afghanistan. Er legt Wert darauf, den Begriff "Warlord" zu vermeiden, während er den Ansatz der früheren US-Regierung erläutert.

James Dobbins: In Afghanistan braucht man eine Strategie von unten nach oben - und eine von oben nach unten. Das bedeutet, man muss eine kompetente Zentralregierung schaffen, die Dienstleistungen für die Bevölkerung bereithält, und man muss gleichzeitig lokale Quellen der Autorität schaffen.

Rick Rowley: Doch selbst zuzeiten der Bush-Administration wurden die Gefahren der ‘Strategie von unten nach oben’ deutlich.

James Dobbins: Es hat bereits früher Spannungen zwischen Atta und Dostum gegeben. In der Tat war dies eine große Sorge der USA - Anfang 2002, als sie gegeneinander um Einfluss in und um Masari-i-Sharif kämpften.

Rick Rowley: Dobbins glaubt, dass Atta mehr als nur mit dem Säbel rasselt, dass er eine echte Gefahr bedeutet - hinsichtlich einer (möglichen) politischen Fragmentisierung.

James Dobbins: Ende 2001 hat die Anti-Taliban-Koalition gehalten - mit Unterstützung der USA. Sie hätte damals in einen Machtkampf verfallen und auseinanderbrechen können. Das könnte aber immer noch passieren. Der Disput über die aktuelle Wahl könnte leicht zu schwerwiegenden Verwerfungen innerhalb der Anti-Taliban-Koalition in Afghanistan führen.

Rick Rowley: Heute, kurz nach der Wahl, nehmen die Spannungen im Norden zu. Es gibt Presseberichte über eine Verdoppelung der Waffenpreise, während die Afghanen sich auf eine mögliche Konfrontation vorbereiten. Wir können die Zahlen nicht bestätigen, aber während wir mit Attas Distriktpolizei unterwegs sind und filmen, finden sie ein nichtregistriertes Sturmgewehr im Kofferraum dieses Wagens. Nicht registrierte Gewehre belegen die Existenz eines Schwarzmarktes für Waffen. Der Norden bereitet sich auf eine mögliche Auseinandersetzung zwischen zwei alten Rivalen vor.

Vor fünf Jahren fanden die ersten Präsidentschaftswahlen in Afghanistan statt. Mit ihnen war die Hoffnung auf ein Ende von dreißig Jahren der Gewalt, der Straflosigkeit und der Herrschaft der Kriegsherren verbunden. Bei der Wahl 2009 sind die Kriegsherren zurück.

Ramazan Bashardost: Leider - es ist eine Folge dieser Wahl. Es ist ein Desaster für das afghanische Volk. Es ist eine zweite Chance für den Handel mit Narkotika und (eine Chance) für die Korrupten und die Warlords, die Macht unter sich aufzuteilen.

Rick Rowley: Dieselben Männer, die seit Jahrzehnten um die Kontrolle im Land kämpfen, sind erneut ins Zentrum der nationalen Politik gerückt, in ihrer Rolle als Königsmacher - im Rahmen einer Präsidentschaft, die mit jedem Tag machtloser und weniger demokratisch erscheint.

Interview mit Rick Rowley

Juan Gonzalez: Return of the Warlords. Dies war ein Ausschnitt aus der Reportage des freien Journalisten Rick Rowley von Big Noise Films. Nach einer kurzen Pause wird Rowley hier, in unserem Firehouse-Studio, mit uns sprechen.

Willkommen bei Democracy Now!, Rick!

Rick Rowley: Danke, Juan. Es ist mir immer eine Freude.

Juan Gonzalez: Wo befindet sich General Dostum in diesem Moment?

Rick Rowley: Nun, er kehrte am Tag der Wahl - das heißt, zwei Tage vor der Wahl - zurück, um Stimmen für Karsai zu sammeln. Sobald die Wahl startete, begab er sich ganz kurz nach Kabul, um auszuhandeln, welchen Deal er kriegen sollte. Dann kehrte er in die Türkei zurück, um sich geduckt zu halten, solange die ganzen Untersuchungen über möglichen Wahlbetrug noch nicht geklärt sind.

Juan Gonzalez: Sie waren insgesamt einen Monat lang in Afghanistan? Jetzt sind Sie zurück in den USA - welches Gefühl befällt Sie, wenn Sie hören, wie die Obama-Administration über möglicherweise 40.000 zusätzliche Truppen für Afghanistan debattiert?

Rick Rowley: Nun, Juan, ich denke, das US-Militär durfte gegenüber dem amerikanischen Volk endlich zugeben, dass wir den Krieg in militärischer Hinsicht verlieren.

Eine potentiell noch größere Krise ist jedoch die politische Krise in Afghanistan: Die dünne Legitimation einer demokratischen Zentralregierung, für die wir seit acht Jahren kämpfen, töten und sterben, wurde bei dieser Wahl zerstört, wirklich vernichtet und zwar nicht nur durch Wahlbetrug sondern auch dadurch, dass Karsai die Warlords zurückgeholt hat.

Es geht nicht nur um Dostum. Dostum ist der Archetypus des Kriegsherrn. Dostum, Fahim und Mohaqiq waren die drei wichtigsten Leute in Karsais Wahlkampf. Fahim ist der mächtigste Kriegsherr der Tadschiken in Afghanistan, Mohaqiq der wichtigste Kriegsherr der Hazaris in Afghanistan und Dostum der wichtigste Usbeken-Kriegsherr.

Im Moment macht Karsai … ich meine, selbst die Illusion einer Zentralregierung (ich spreche noch nicht einmal von einer demokratischen Regierung) ist verflogen. Karsai verhandelt über eine Koalition der Kriegsherren, die ihm die nötigen Stimmen für die Wahlen beschaffen sollen. Er agiert nicht einmal mehr wie eine Zentralregierung.

Und so erhebt sich die Frage: Wofür töten, kämpfen und sterben wir? Was ist das für eine Regierung? Ich meine, ist es überhaupt eine Regierung? Ich denke, dadurch ergeben sich meiner Ansicht nach neue Fragen, ernste Fragen: Können wir militärisch dort überhaupt noch gewinnen?

Juan Gonzalez: Im Grunde agiert Karsai mehr wie der Kopf eines kriminellen Syndikates - und weniger wie das Haupt einer konstitutionellen Regierung.

Rick Rowley: Nun, ich denke, dafür spricht einiges. Untersuchungen gegen etliche von Karsais wichtigste Unterstützer, bei denen es Hinweise auf kriminelle Aktivitäten gibt, sind noch offen. Ich meine, was Dostum anbelangt, so ist die Liste der Vorwürfe sehr lang. Wissen Sie, in Afghanistan ist es schwierig, diese Art von Anschuldigungen nachzuweisen, da das Land massiv in der Hand dieser starken Provinzfürsten ist.

Dostum ist … ich meine, auf Democracy Now! wurde viel über ihn berichtet, zum Beispiel über das Massaker von Dasht-e-Leili, mit dem er in Zusammenhang gebracht wird. Und es läuft noch immer eine Untersuchung über den Tod von 2.000 Kriegsgefangenen, die in Container verfrachtet wurden, wo sie erstickten. Anschließend hat man sie einfach in der Wüste abgekippt. Ich meine, das ist nur ein Punkt. Da gibt es noch mehr… er hat Kabul mit Raketen angegriffen, wobei 4.000 Zivilisten starben. Er wird beschuldigt, politische Gegner gekidnappt und gefoltert zu haben. Dem Bruder Karsais wird vorgeworfen, einer der wichtigsten Narkotrafficker in Kandahar zu sein. Yeah, ich denke, die Liste an Beschuldigungen gegen die Figuren in Karsais Regierung ist zur Zeit lang.

Juan Gonzalez: Ein Punkt, über den Sie (in Ihrer Reportage) berichten, sind die vielen im Land Vertriebenen und die Flüchtlinge, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, als Resultat der Warlord-Konflikte. Können Sie uns darüber noch ein wenig mehr sagen?

Rick Rowley: Ja, absolut. Ich meine, es ist wichtig, den Unterschied zwischen Irak und Afghanistan zu verstehen. Im Irak war die Bevölkerung zu 100 Prozent gegen die Anwesenheit der Amerikaner. Es handelte sich um plötzliche Besatzung, eine plötzliche Invasion. Im Gegensatz hierzu war es in Afghanistan eher eine Invasion am Ende eines ungelösten Bürgerkrieges - eines Bürgerkrieges, der über Jahrzehnte immer gewalttätiger wurde, dessen Grundlage zunehmend ethnischer Natur wurde. Daher haben wir Zehntausende Flüchtlinge, yeah, Paschtunen-Flüchtlinge im Süden und Tadschiken-Flüchtlinge im Norden, die von ihrem Land vertrieben wurden.

Juan Gonzalez: Rick Rowley, unabhängiger Journalist (Big Noise Films), danke, dass Sie bei uns waren. Rick Rowley ist gerade aus Afghanistan zurück. Seine Reportage trägt den Titel ‘Return of the Warlords’ und wird - in englischer Sprache - auf Al-Dschasierah gesendet.

Juan Gonzalez ist Moderator des US-amerikanisches Politikmagazin Democracy Now!

 

Quelle: ZNet Deutschland vom 10.10.2009. Originalartikel: "Return of the Warlords": Afghan Elections Marred by Fraud, Warlord Dominance . Übersetzt von: Andrea Noll. 

Veröffentlicht am

11. Oktober 2009

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